Bezahlbarer Wohnraum in sozial intakter Umgebung

Dießen feiert Grundsteinlegung für Leuchturm-Projekt

Die Zeitkapsel bei der Grundsteinlegung des Neubaus von 18 Sozialwohnungen wurde feierlich einzementiert. Unser Bild zeigt (von links) Architekt Alexander Pfletscher, Bauamt-Technikchef Gustav Arnold, Bürgermeister Herbert Kirsch, Bauamt-Leiterin Johanna Schäffert und Baudirektorin Doris Schmid-Hammer von der Regierung von Oberbayern.

Dießen – Auf die Zeremonie des ersten Spatenstichs hatte man verzichtet. Dafür wurde jetzt die Grundsteinlegung für den Neubau von 18 Sozialwohnungen an der Von-Eichendorff-Straße um so gebührender gefeiert. Damit werde, so Bürgermeister Herbert Kirsch, die Wohnungsnot in der Marktgemeinde nicht beseitigt, aber immerhin etwas gelindert.

Wie berichtet, baut die Marktgemeinde auf dem knapp 2.000 Quadratmeter großen Grundstück einen modernen Wohnkomplex für bis zu 54 Personen. In zwei zueinander versetzten Baukörpern, die über einen zentralen und verglasten Zwischenbau mit Aufzug und Treppenhaus verbunden sind, entstehen 18 barrierefreie Wohnungen zu sozial verträglichen Mietpreisen.

Rund sechs Millionen Euro wird das Leuchtturm-Projekt kosten, wobei die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Kommunalen Wohnraumförderungsprogramms 30 Prozent zuschießt. Den Rest wird Dießen aus eigenen Rücklagen stemmen und keinen Kredit aufnehmen. Mit den geschätzten Mieteinnahmen von rund 100.000 Euro jährlich sollen dann neue Rücklagen gebildet werden.

Bürgermeister Kirsch drückte in der Festrede seine Freude darüber aus, dass es nach der notwendigen Änderung des Bebauungsplanes 2016/2017 zu keinerlei Bürgerprotesten oder Unterschriftensammlungen seitens der Nachbarn gekommen sei. Man habe eingesehen, dass bezahlbarer Wohnraum dringend benötigt werde. Der ursprüngliche Kinderspielplatz sei bereits verlegt worden und auch der Baumbestand konnte zum großen Teil erhalten bleiben. Die bisherigen Kostensteigerungen seien der guten Konjunkturlage geschuldet und würden auch prozentual von den staatlichen Zuschüssen mitgetragen. Während einige wenige das Projekt "schlechtredeten", werde es von anderen Gemeinden als Vorzeigeobjekt gelobt, wie zuletzt bei einem Bürgermeistertreffen in Fürstenfeldbruck. Kirsch dankte ausdrücklich Bauamtsleiterin Johanna Schäffert und Bauamt-Technikchef Gustav Arnold für die engagierte Begleitung dieses Projektes.

Architekt Alexander Pfletscher vom Büro Pfletscher & Steffan betonte in seiner Rede, die beiden mit einem gemeinsamen Treppenhaus verbundenen Gebäude würden "mit Augenmaß" in das bestehende Wohngebiet eingefügt. Mit dem "architektonischen Kunstgriff" der Zwillingsgebäude gebe es keine wesentlichen Veränderungen der Topografie. Alle 18 Einheiten vom Appartement bis zur Vier-Zimmer-Wohnung werden barrierefrei gebaut. Bodentiefe Fenster, helle Fassaden, Balkone und Terrassen sowie Keller für jede Mietpartei ergäben einen hohen Wohnwert. Die Satteldächer in Anlehnung an die Umgebung erhalten eine Photovoltaikanlage. "Vom zweiten Stock aus kann man sogar bis rüber zum Ammersee blicken", verriet der Architekt.

Der neue Komplex in Dießen gehöre zu den ersten Objekten, die mit dem Kommunalen Wohnraumförderungsprogramm KommWFP bezuschusst werden, betonte Baudirektorin Doris Schmid-Hammer, die Sachgebietsleiterin Wohnungswesen in der Regierung von Oberbayern. Knapp 2.000 Wohnungen bayernweit seien inzwischen in das Programm aufgenommen worden. Durch den Erfolg werde man das Programm bis mindestens 2025 fortführen. Dafür sind 1,05 Milliarden Euro in den nächsten sieben Jahren vorgesehen. Mit den jährlich 150 Millionen Euro könne man rund 1.000 Wohnungen fördern. Es sei wichtig, auch auf dem Land in sozial intakter Umgebung bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Bevor es zur feierlichen Grundsteinlegung auf dem Fundament der künftigen Tiefgarade kam, befüllte Bürgermeister Herbert Kirsch eine "Zeitkapsel", die dann einzementiert wurde. Die örtlichen Zeitungen des Tages inklusive dem KREISBOTEN, die Niederschrift der Gemeinderatssitzung vom 18. April 2016 mit dem ersten Schritt zum Bauprojekt, ein Plansatz und schließlich eine Zwei-Euro-Münze mit Helmut Schmidts Konterfei soll eines sehr fernen Tages an die Grundsteinlegung erinnern.

Den Tag der Einweihung und den Einzug der ersten Mieter möchte Bürgermeister Kirsch noch in der aktuellen Wahlperiode erleben, wie er sich zum Schluss wünschte. Schließlich sei die Bezugsfertigkeit für Frühjahr 2020 anvisiert. Bevor die anwesenden Marktgemeinderäte mit den Bauleuten auf ein gutes Gelingen anstießen, gab es noch ein historisches Grundstein-Verserl aus dem Munde von Kirsch: "Bedenk den Stein, lass keinen aus. Aus vielen Steinen wird ein Haus. Aus vielen Stunden wird das Jahr, wie dunkel ihrer manche war. Bedenk den Stein, bedenk die Stund, geb Gott den rechten Maurergrund!"

Dieter Roettig

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