Erbengemeinschaft kämpft um Millionen-Areal

Dießen: Huber-Häuser bleiben „Lost Places“

Huber-Häuser in Dießen
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Der Zahn der Zeit nagt unübersehbar an den Huber-Häusern in der Dießener Johannisstraße. Ein Rechtsstreit verhindert die Instandsetzung, obwohl die Marktgemeinde als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen ist.

Dießen – Der „ortsbildprägende Schandfleck“ in der Dießener Johannisstraße 11 bis 13 wird noch geraume Zeit seinen morbiden Charme ausstrahlen. Die Marktgemeinde als im Grundbuch eingetragene Eigentümerin des Areals kann weder sanieren noch ein Konzept für die zukünftige Nutzung erstellen, weil ihr eine Erbengemeinschaft das Ensemble in bester Lage streitig macht.

Wie die Öffentlichkeit jetzt erst auf Nachfrage von Ex-Bürgermeister Herbert Kirsch in der letzten Gemeinderatssitzung erfuhr, hat das Landgericht Augsburg bereits im August 2020 die Marktgemeinde Dießen als rechtmäßige Eigentümerin des Grund- und Immobilienbesitzes anerkannt. Die Klägerseite nahm das Urteil jedoch nicht hin und legte Widerspruch ein. Das nächste Kapitel der seit 2014 unendlichen Geschichte findet vor dem Oberlandesgericht statt. Solange sind der Gemeinde die Hände gebunden und die Huber-Häuser bleiben dem Verfall preisgegebene „Lost Places“. Man hat zwar die schlimmsten Schäden provisorisch repariert, damit kein Wasser eindringen kann. Außerdem wurden zwei Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtigen renoviert.

Das unübersehbare Ensemble auf 2.450 Quadratmetern an der Johannisstraße besteht aus einer unter Denkmalschutz stehenden rosafarbenen Stadtvilla aus der Gründerzeit mit reichlich Dekor, einem roten Firmengebäude und einem gelben Wohnhaus dazwischen. Dahinter verbergen sich in zweiter Reihe die mächtigen Druckereigebäude um einen Innenhof.

Die Geschichte

Joseph Carl Huber (1870 – 1948) eröffnete im Dezember 1890 mit nicht mal zwanzig Jahren eine Buchdruckerei, die er immer weiter ausbaute und unter wechselnden Namen führte wie „Druckerei J. C. Huber & Sohn“ oder „Graphische Kunst- und Verlagsanstalt Jos. C. Huber K.G.“. Namhafte Verlage und Unternehmen zählten zu den Kunden. In der Blütezeit war Huber mit bis zu 250 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber in der Gemeinde

Um 1950 verkaufte die Erbengemeinschaft Huber die Firma samt Immobilien- und Grundbesitz an den damaligen Geschäftsführer Hans Zaller und seine Ehefrau Charlotte. 1970 erwarb der bekannte Verleger Dr. Herbert Fleißner (1928 – 2016) die Firma, wobei aber Grund und Gebäude im Eigentum der Zallers blieben. 2003 verlagerte Fleißner den Betrieb nach Garching, wo er später in Insolvenz ging.

Für das Areal in der Dießener Johannisstraße hatte das Ehepaar Zaller mit Dr. Fleißner eine gesonderte Vereinbarung getroffen. Sie besagt, dass Grund und Immobilien dem Verleger zum Kauf anzubieten sind, wenn der das Angebot innerhalb von drei Monaten nach dem Tod des länger lebenden Ehepartners annimmt. In ihrem Testament hatten die Zallers die Marktgemeinde Dießen als Erbin und damit mögliche Verkäuferin der Liegenschaften eingesetzt. Hans Zaller starb im Juli 2002, seine Frau am 25. Oktober 2013 im Alter von 95 Jahren. Den jetzt eingetreten Erbfall gab der damalige Bürgermeister Herbert Kirsch auf dem Neujahrsempfang 2014 im Traidtcasten bekannt.

Wert in Millionenhöhe

Mit dem Tod der Witwe Zaller konnte Dr. Fleißner der Marktgemeinde Dießen als Erbin ein Kaufangebot machen. Das kam allerdings nicht in der vereinbarten Drei-Monatsfrist zustande, weil Dr. Fleißner erst im Januar 2014 vom Ableben Charlotte Zallers erfuhr. Im März forderte er die Gemeinde trotzdem zum Verkauf auf, die allerdings abblockte. Zum einen wegen der Fristüberschreitung, zum andern, weil sich das zugesagte Verkaufsrecht auf den niedrigen Einheitswert bezog und nicht auf den aktuellen Verkehrswert in Millionenhöhe.

Nach dem Tod von Verleger Fleißner 2016 wurden seine Erben aktiv und klagten vor dem Landgericht Augsburg auf das Kaufrecht. Im August 2020 wurde die Klage abgewiesen und die Marktgemeinde Dießen als rechtmäßige Eigentümerin der „Huber-Häuser“ bestätigt. Grund für Niederlage der Fleißner-Erben war die Nichteinhaltung der Drei-Monatsfrist.

Jetzt geht die nächste Runde ins Oberlandesgericht. Da man weiß, wie langsam die Justizmühlen mahlen, darf man getrost noch Monate oder sogar Jahre über den bunten Schandfleck in der Johannisstraße staunen, wobei man aber nicht der Gemeinde die Schuld geben darf.
Dieter Roettig

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