22 Kindergartenplätze zu wenig

Dießen: Kindergarten im Container

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Auf dem Parkplatz beim Feuerwehrhaus Riederau gegenüber dem Kinderhaus wird bis zum September ein auf zwölf Monate befristetes Container-Provisorium für bis zu 25 Kindergartenplätze entstehen.

Dießen – Plätze in Kindertages­stätten sind auch in Dießen rar. Für das kommende Kindergartenjahr 2020/2021 können laut Rathaus-Geschäftsleiter Karl Heinz Springer aktuell für 22 Kinder keine Betreuungsplätze angeboten werden. Zwar hat der Markgemeinderat bereits im November 2019 beschlossen, mit dem Ausbau der ehemaligen Hausmeisterwohnung im ersten Stock den Kindergarten Dettenschwang um etwa 20 Plätze zu erweitern. Mit einer Fertigstellung ist aber erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Über eine schnelle Interimslösung musste jetzt der Bau- und Umweltausschuss nach Vorberatungen des neuen Gemeinderates entscheiden. Das Ergebnis: Auf dem Parkplatz des Feuerwehrhauses gegenüber dem Kinderhaus Riederau wird eine Container-Anlage in den Maßen 12 mal 15 Meter für bis zu 25 Buben und Mädchen errichtet. Sie soll rechtzeitig im September bezugsfertig sein.

Die Anlage wird für ein Jahr gemietet in der Hoffnung, dass die Umbauarbeiten in Dettenschwang bis dahin abgeschlossen sind und die Riederauer Kinder aus dem Container dorthin umziehen können. Warum man das Provisorium nicht gleich in Dettenschwang aufstellt, liegt am dortigen Platzproblem, wie Geschäftsleiter Springer auf Nachfrage erklärte.

Dem mehrheitlichen Votum des Bauausschusses gingen teils kontroverse Diskussionen voraus. Der Beschluss sollte eigentlich bereits in der ersten regulären Gemeinderatssitzung der neuen Bürgermeisterin Sandra Perzul gefasst werden. Zur Wahl standen Miete bzw. Kauf von neuen oder gebrauchten Containern für das Kita-Provisorium. Die Freien Wähler, größte Fraktion im Gemeinderat, brachte aber kurzfristig einen neuen Vorschlag aufs Tablett. Florian Zarbo plädierte als Container-Alternative für ein optisch ansprechenderes Gebäude in Holzmodulbauweise, für das es sogar Fördermittel gebe. Das Gebäude könne auch später von der benachbarten Feuerwehr Riederau genutzt werden.

Laut Karl Heinz Springer gebe es für den Erwerb der Holzversion nur staatlichen Zuschüsse, wenn sie mindestens zehn Jahre als Kindergarten genutzt werde. Das widerspreche aber der Intention von Rathaus, Landrats­amt und der Leitung des Kinder­hauses Riederau. Schließlich seien auch die zu erwartenden Gesamtkosten von 590.000 Euro doch „sehr gewagt“. Auch für die Feuerwehr Riederau sei eine spätere Übernahme nicht praktikabel. Für die längst notwendige Erweiterung des Feuerwehrhauses müsse ein eigenes Konzept erarbeitet werden, wie Feuerwehrreferent Johann Vetterl (FW) betonte.

Ein Kauf der Container für eine Nachnutzung gleich welcher Art stellte sich in der Diskussion als nicht ratsam heraus, da sie speziell für Kindergärten konzipiert werden. Also entschied sich der Bau- und Umweltausschuss für eine zwölfmonatige Anmietung mit Option auf Verlängerung, wenn sich die Bauarbeiten in Dettenschwang verzögern sollten.

Die Gesamtkosten für die einjährige Container-Lösung belaufen sich auf rund 118.000 Euro netto, wobei aber etwa 34.000 Euro auf einmalige Kosten wie Fundament, Wasser-, Kanal- oder Stromanschluss fallen sowie 30.200 Euro auf Nebenkosten wie Lieferung, Montage und Demontage. Marc Schlüßmann (Grüne) reüssierte vor der Abstimmung, man müsse hier wohl „in den sauren Apfel beißen“, weil nur so der Kindergarten-Start für Anfang September gewährleistet werden kann. Und die „häppchenweise Mietzahlung“ würde den durch Corona sicherlich gebeutelten Haushalt nicht sonderlich belasten.

Unabhängig von der Errichtung des Container-Provisoriums plädierten Petra Sander (Grüne) und Hanni Bauer (SPD) für die zeitnahe Erstellung eines tragfährigen Zukunftskonzeptes für die Kinderbetreuung in der Marktgemeinde. Man müsse das Problem langfristig in den Griff bekommen.
Dieter Roettig

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