278 Seiten und 1,7 Kilo schwer

Dießen: Kunst im Rathaus – jetzt im Buch

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Buchpremiere von „Kunst im Rathaus“. Mit dabei (v.l.) Keramikpapst Wolfgang Lösche, Archivarin Barbara Blankenburg, Ex-Bürgermeister Helmut Kirsch, Bürgermeisterin Sandra Perzul und Kulturhistoriker Prof. Dr. Thomas Raff. Das Gemälde von Michael von Schweinitz zeigt die frühere „Schwedeninsel“ im südlichen Moorgebiet des Ammersees.

Dießen – Geballte Kunst zwischen zwei Buchdeckeln und 1,7 Kilogramm schwer – der brandneue Bildband „Kunst im Rathaus“ ist die wohl gewichtigste Dokumentation über den Künstlerort Dießen am Südwestende des Ammersees. Auf 278 Seiten wird das Schaffen von 107 namhaften Künstlern und Kunsthandwerkern in 156 farbigen Abbildungen und Beschreibungen belegt. Im Dießener Rathaus stellte Bürgermeisterin Sandra Perzul das Buch vor.

Dabei ihr Vorgänger Herbert Kirsch, der noch in seiner Amtszeit das repräsentative Werk initiiert hatte. In seinen 24 Jahren als Gemeindechef war aus früheren Schenkungen und aktuell sich anbietenden Ankäufen eine umfangreiche Sammlung von Kunstwerken entstanden, die alle einen Bezug zu Dießen haben.

Kirsch erinnerte sich in seinen launigen Ausführungen an seinen ersten Ankauf. Er ersteigerte „auf eigenes Risiko, aber mit dem Okay meiner Frau“ das Gemälde „Strömend blau-weiß mit rot“ von Helmut Zimmermann (1924-2015), der ab 1945 lange in Dießen gelebt und gemalt hat. Für die 2.000 D-Mark gab der Gemeinderat nachträglich sein Okay und setzte damit den Grundstein für die heutige „Schatzkammer“ im Rathaus. Das Bild hängt aktuell im Büro von Geschäftsleiter Karl Heinz Springer. Denn es ist Usus, dass sich die Mitarbeiter der Gemeinde Bilder für ihre Arbeitszimmer aussuchen dürfen. Viele Bilder hängen auch im Sitzungssaal und in den Gängen, gemischt mit Skulpturen und Keramikobjekten in Vitrinen.

Das Buch ist in vier Kapitel aufgeteilt: Kunst, Das kleine Format, Keramik und Dießener Keramikpreis. Die Texte stammen von Kulturhistoriker Prof. Dr. Thomas Raff sowie Volkskundler und Töpfermarktleiter Wolfgang Lösche in enger Zusammenarbeit mit Dießens Gemeindearchivarin Barbara Blankenburg. Fotografiert hat die Werke Anne Webert.

Raff führte aus, dass Dießen seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts geradezu ein Magnet für Künstler war, die zum Malen anreisten oder auch hier lebten. Wie Julius Seyler (1873-1955), spezialisiert auf Landschaften. Alexander Koester (1864-1932) malte Tiere wie die berühmten Enten (hängen im Sitzungssaal), Hans Schilcher (1879-1951) Ortsbilder oder Otto Schallmayer (1863-1936) Kircheninterieurs. 1934 wurde die Arbeitsgemeinschaft Dießener Künstler (ADK) mit ihrem Pavillon in den Seeanlagen gegründet, wo neben Kunsthandwerkern auch Maler ausstellen durften. Raff gab seiner Freude Ausdruck, dass im Buch die Werke im Besitz der Gemeinde nunmehr vollständig vorgestellt werden, wobei die Reihenfolge von A (wie Max Aton) bis Z (wie Helmut Zimmermann) keine Wertung darstelle.

Auch dem seit 2008 im Kulturforum des Blauen Hauses in Dießen stattfindenden „Kleinen Formats“ der Künstlerin Annunciata Foresti ist ein Kapitel gewidmet. Schirmherr war von Anfang an Helmut Kirsch, der für die Gemeinde Werke angekauft hat.

Dass die Keramik seit dem 17. Jahrhundert den Ruf Dießens als Töpfer-Hochburg geprägt hat, ist nicht nur den jährlich rund 50.000 Besuchern des Töpfermarktes bekannt. Bei diesem Event vergibt die Brennofenfirma Rohde seit 2001 im Rahmen eines Wettbewerbs den begehrten „Dießener Keramikpreis“. Traditionell kauft die Gemeinde die Siegerarbeiten, sodass im Laufe der Jahre eine qualitätsvolle Sammlung zeitgenössischer Werke auf höchstem Niveau zusammenkam. Ein Teil davon ist im Rathaus öffentlich zugänglich, wie Lösche nicht ohne Stolz ausführte.

Neben der zeitgenössischen Keramik beherbergt die Rathaus-Schatzkammer auch vier besonders wertvolle Arbeiten, ausführlich beschrieben im Buch: Drei historische Fayence-Krüge aus dem 17. Jahrhundert und die Fayence-Figur „Maria Immaculata“ aus dem Jahre 1708.

Alle Redner der Buchvorstellung bedauerten, dass das kulturell so reiche Dießen kein eigenes Museum habe. Dies sei doch eine erstrebenswerte Aufgabe für die neue Bürgermeisterin und ihre drei Kulturreferenten Miriam Anton, Johann Rieß und Michael Lutzeier. Die Gemeinderäte waren Gäste der Buchpräsentation wie auch Karin Jacobs von der Kreisheimatpflege im Landratsamt Landsberg.

Das Buch „Kunst im Rathaus“ gibt es im Einwohnermeldeamt, im Fremdenverkehrsamt im Bahnhof und im ADK-Pavillon in den Seeanlagen.
Dieter Roettig

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