Antrag für mehr Wohnmobil-Stellplätze abgelehnt

Dießen zeigt kein Herz für Camper

Wohnmobile an der Windemerestraße in Dießen
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Die Wohnmobilplätze an der Windemerestraße beim See werden nicht erweitert. Das beschloss der Marktgemeinderat gegen den Antrag von Michael Hofmann (Bayernpartei).

Dießen – Reisen und Ferien im Wohnmobil liegen nicht erst seit der Corona-Empfehlung „Urlaub dahoam“ voll im Trend. Seit Jahren wird die tourende Fangemeinde immer größer und entsprechend steigt der Bedarf an Stellplätzen. Auch Michael Hofmann, Gemeinderat für die Bayernpartei in Dießen, ist seit Jahren ein bekennender Wohnmobilist mit dem Credo „My Car is my Castle“. Da freut es ihn natürlich, dass so viele seiner Camperkollegen den gemeindlichen Stellplatz an der Windermerestraße beim Bahnhof in Seenähe ansteuern. Für sie wollte er hier weitere Plätze initiieren. 

Je nach Größe der Gefährte können nahe der Markthalle 15 bis 18 Wohnmobile eine Zwischenstation von bis zu drei Tagen einlegen. Michael Hofmann stellte in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung den Antrag, die offiziellen 15 Stellplätze auf 20 zu erhöhen. Darüber hinaus sollten die Versorgungseinrichtungen aufgebessert werden. Auch wollte er einen Platzwart beschäftigen und die Gebühren erhöhen.

Bislang verlangt die Gemeinde eine Parkgebühr von acht Euro für 24 Stunden, zu entrichten über einen Automaten. Die Stromversorgung für vier Stunden kostet einen Euro, ebenso wie für 70 Liter Trinkwasser. Auch die Abwasserentsorgung inklusive Fäkalien beträgt einen Euro. Auf diese Weise kommen laut Michael Hofmann in diesem Jahr immerhin rund 20.000 Euro Einnahmen in das Gemeindesäckel.

Michael Hofmann führte ein weiteres Argument an, das die Erhöhung der Stellplatzanzahl rechtfertige. Jeder Camper gebe rund fünfzig Euro pro Tag seines Aufenthalts aus, was der heimischen Gastronomie, den Geschäften und letztendlich der Gemeindekasse zu Gute käme. Um die Attraktivität zu erhöhen, müssten die Plätze und vor allem die Ver- und Entsorgungseinrichtungen aufgehübscht werden, die „derzeit auf untersten Niveau“ lägen. Damit ließe sich eine Erhöhung der Gebühren rechtfertigen. Grünen-Gemeinderat Holger Kramer sprach sich auch ohne Aufhübschung für eine Gebührenerhöhung auf 12 bis 15 Euro pro Tag aus, um nicht noch mehr Campingmobile anzulocken. Ihm seien Urlauber lieber, die Zimmer in Gasthöfen und Pensionen buchen. Wie die Verwaltung anführte, lägen beim Ordnungsamt Beschwerden von Anwohnern der Stellplätze bezüglich Ruhestörungen und wilder Müllablagerungen vor.

Trotz Hofmanns wortgewaltigem Kampf um mehr Stellplätze und damit mehr Einnahmen fiel die Abstimmung mit 15:7 gegen seinen Antrag aus. Unverständlich für ihn. Auf Facebook machte er seinen Unwillen kund: „Abgeblitzt ja, aber ich bin schon langsam daran gewöhnt. Wenn der Falsche einen richtigen Antrag stellt, wird der eben abgelehnt.“ Abgeblitzt seien in erster Linie die Dießener Wirte und Einzelhändler, die von den Wohnmobilisten am meisten profitierten. Einen Seitenhieb gegen Kollegin Hanni Baur (SPD) konnte er sich nicht verkneifen: „Wäre interessant gewesen, wie die Abstimmung ausgegangen wäre, wenn die sogenannte Tourismusreferentin den Antrag gestellt hätte.“
Dieter Roettig

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