Ausstellung im Blauen Haus

Dießen: »Biennale Blau« springt ins Auge

Menschen beider Biennale Blau in Dießen
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Die Biennale Blau Nummer zwei widmet sich dem „Springen“. Schon am Sonntag kamen zahlreiche Besucher ins Blaue Haus in Dießen.

Dießen – Eigentlich leuchtet das Blaue Haus meilenweit. Momentan versteckt es sich aber hinter Bauplanen und Gerüst. Dafür leuchtet das Blau im Inneren umso kräftiger. Denn das Thema der zweiten Biennale Blau ist „springen“. Und wer am Ammersee lebt, tut das meist ins kühle, blaue Nass. Wäre es ein Sprung ins kalte Wasser, müsste der Springer nicht einmal nass werden. Aber dafür weitaus mutiger sein. Dass „springen“ unterschiedlichste Assoziationen in Gang setzt, ist in den Arbeiten der rund 70 ausstellenden Künstler zu sehen. Noch bis zum 4. Oktober kann jeder auf einen Sprung vorbeikommen und in die Kunst eintauchen. Es lohnt sich.

Blau dominiert. Gleich links eine Skulptur fliegendleichter blauer Ebenen, dahinter führt Türkis hin zur Stirnseite mit blauem Gebirge, rechts davon sprudelndes Blau, auftauchend ins Weiß, bis an der Säule das Blau einer Wasseroberfläche den Kreis schließt. Das Thema „springen“ haben viele Künstler mit Wasser assoziiert. Thomas Beechts Freibad mit dem Charme der 70er, ein fotorealistisches Ölgemälde von Alex Krull, das ein Sprungbrett über Hallenbadwasser, in dem sich die Linien des gekachelten Bodens brechen, zeigt. Oder Martina Hamriks Turmspringerin, die durch die sie umgebenden Schlaufen eine enorme Dynamik entwickelt. Annette Kochs im Wasser sprudelnder Mensch, gerade mit Schmackes hineingehüpft, bildet einen starken Kontrast zur nahezu im Türkisenen Schwebenden von Taybe Cevik: Gemalt genau in dem Moment der Ruhe, bevor der Auftrieb den Körper aus der Tiefe wieder an die Oberfläche zieht.

Die Auswahl

Kuratorin Urte Ehlers Aufgabe war keine leichte. Rund 140 Arbeiten wurden zu Elke Jordans und Gregor Netzers zweiter Biennale Blau eingereicht. „Und die Qualität der Bilder war durchgehend gut“, sagt Ehlers. Deshalb habe sie auch so viele ausgewählt. Ihr erstes Kriterium: „Springt es mich an, springt der Funke über?“ Dann die Qualität der Arbeiten. Als drittes die räumlichen Voraussetzungen. Was passt nach innen, was muss raus? Weshalb sich Thomas Lenharts „Kokon“ und Oskar Imhofs „Bereit“ ein Stelldichein im Garten geben.

Schließlich das Essentielle: Wie setzt sich die Arbeit mit dem Thema auseinander? Zum Beispiel in Bezug auf die Perspektive wie in Angela Ricks „Sprung in der Optik“, bei der ein dreigeteilter Mann mit einer überdimensionierten Mitte kämpft. Kinderbücher poppen auf, in denen der Tigerkopf einen Schlangenkörper mit Elefantenfuß bekam. Sprünge sieht Ehlers auch in Materialien. So in Ulrike Schroeters Skulptur, deren weiße Ebenheit durch einen Sprung gebrochen ist – der „Sprung in der Schüssel“. Ebenfalls springende Schüsseln bietet die Installation „Über den Tellerrand“ von Moritz Steinhauser im hinteren Raum: ein Tisch, auf ihm 18 tiefe Teller knapp am Rand drapiert, „eine Gratwanderung“, sagt Ehlers. Denn tritt der Betrachter zu fest auf, fallen sie und zerspringen – eine Konsequenz, die der Künstler sehr wohl in Kauf nimmt – eine fiel schon dem Hängen am Samstag zum Opfer. Ehlers weist schließlich noch auf ein Springen in der Farbe hin. Wie bei den Eislöffeln Diana Drubachs, die in knalligem grün, blau, gelb und rot ins Auge stechen. Oder auch in dem zarten Rotton, der in den sanft-atmosphärischen Landschaften von Natalie Alf den Sprung von Himmel zu Erde markiert.

Springen kann auch Stürzen meinen: Kuratorin Urte Ehlers (links) und Elke Jordan, die gemeinsam mit Gregor Netzer die Biennale organisiert, beim Aufhängen eines der Werke im Blauen Haus.

Nachdem Ehlers ihre ‚Auserwählten‘ beisammen hatte, druckte sie sie maßstabsgetreu aus, setzte sich mit den Schnipseln im Wohnzimmer auf den Boden und prüfte die Hängung im nachgebildeten Umriss der zwei Räume des Blauen Hauses. Die Arbeit hat sich gelohnt: Nichts wirkt gedrängt, alles hat Luft zum Atmen. Eine Wand ist geprägt von Figürlichem, die andere mischt Abstraktes mit ein und setzt eher auf Farbe. Der hintere Raum würdigt Strukturen, Fotografien sammeln sich an der Säule. Und die Skulpturen interagieren mit den Gemälden. Da lauschen Jörg Herz‘ humoreske Holzschwimmer Monica Gayers „Mutprobe“, auf der eine Frau sich vor einem Sprung scheut. Kein Wunder, ginge der ja auch in die daneben hängende „Blaue Gumpe“ von Sibylle Thebe. Und vielleicht springt ja Volker Kurz‘ Hund in der turbulenten Küchenjagd schon dem „Hechtsprung“ von Brigitte Hermine Koch hinterher?

Die zweite Biennale Blau „springen“ zeigt unterschiedlichste Arbeiten, die sich gegenseitig ergänzen und zu einem Ganzen werden – eine spannende Auseinandersetzung. Und wer mag, springt danach ins kalte Wasser. Das des Sees oder das sprichwörtliche. Aber am besten so, wie es Lore Kinzls Figur in der famosen Skulptur „Aufbruch zur Ewigkeit“ vormacht: mit unbändiger Energie und großer Neugier.

Susanne Greiner

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