Barock und Volksmusik

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Mit einer Mischung zwischen Barock und Volksmusik feierte man im Marienmünster den Dießener Advent.

Dießen – Das Marienmünster zu Dießen wendet sich in festlicher Erwartung seinem Publikum zu: Am prächtigen Adventskranz über dem Altarraum leuchtet die zweite Kerze. Im Theatrum sacrum – der barocken bildlichen Darstellung der christlichen Heilsgeschichte im Hochaltar – schaut der Verkündigungsengel zu Maria, sie wiederum erhebt den Blick zu dem schwebenden Engel, einem Kunstwerk des Münchner Bildhauers Johann Baptist Straub (1704-1784). Das Kirchenschiff samt den Nischen zwischen den Seitenaltären ist dicht besetzt. Die Kasse bekommt Order „Wir sind ausgebucht. Bitte, die Eingänge schließen.“ Der Dießener Advent, das alljährliche Konzert zum Advent unterm „Dießener Himmel“ –den barocken Deckenfresken des Augsburger Akademiedirektors Johann Georg Bergmiller (1688-1762) – schickt sich an, die Erfolgssträhne der vergangenen Jahre fortzusetzen.

Feine Klangwelten entfalten sich in der Rokokopracht des Münsters, verbünden sich mit der Heiterkeit der sakralen Dekors, die den alten Baumeistern ein wahres Anliegen war. Während das warme Abendlicht die barocke Engelwelt optisch in Bewegung bringt, ihr güldenes Gewand noch einmal aufleuchtet, um sich dann in der Abenddämmerung langsam zurückzunehmen, erfüllt die Klangfülle eines Tafelstücks aus dem 18. Jahrhundert den „Chorsaal Gottes“. Es ist das Hochberg­hauser Klarinettenquartett – unter anderem mit Conny Schulz – das mit seinem höfischen Auftakt den Dießener Advent eröffnet. Magnus Kaindl von d‘ Saitenschinder, der sich über Jahre bemühte, volksmusikalische Interpretationen in die Kirchenmusik des Advents zu bringen, hat es auch heuer wieder geschafft, gemeinsam mit den Freunden der Dießener Münsterkonzerte den Advent, als eine Zeit der Erwartung und der Ankunft musikalisch mit Inhalten zu füllen.

Barock und neu

„Nicht rein alpenländisch“, sagt Kaindl, „wenngleich sich der Dießener Advent auszeichnet, weil er der Volksmusik im Pfaffenwinkel eine Plattform in der Vorweihnachtszeit gibt.“ Allerdings sei in diesem Jahr die feine Mischung das Thema, „und wir haben dem Marienmünster wertschätzend auch barocke und ältere Musik ins Programm aufgenommen.“ So wird tradiertes Volksgut auch neu bearbeitet. Als Beispiel nennt er „Es wird ein Stern aufgehen“ sowie „Wunder über Wunder“. Es handelt sich ursprünglich um zwei Gesangsstücke, die er instrumental zusammengefasst hat. Kaindl weist auch auf die Instrumentendichte hin, die dem Konzert reiche Klangwirkung entlockt. Dabei muss der Boarische Harfendreiklang gewürdigt werden, der mit der „Hochberger Harfenweis“ und dem „Festmarsch“ für kraftvolle Energie sorgt. Zwischen den Instrumentalstücken brilliert der Münsterchor unter der Leitung von Stephan Ronkov mit fein formulierter Gesangskunst. Zu Gehör kommen der „Englische Gruß“, „Hosianna, dem Sohne Davids“ und „Der Morgenstern ist aufgegangen“.

Mit offenen Händen

Pfarrer Josef Kirchensteiner – er begleitet heuer das erste Mal den Dießener Advent – formuliert meditative Gedanken zwischen Gesang und Musik. Den Advent, als Zeit des Wartens, apostrophiert er als wichtig: „Wer warten kann, erlebt oftmals die Überraschung, dass man mehr oder schöneres geschenkt bekommt, als man je erhofft.“ Zum Warten gehöre aber auch die Fähigkeit, sich beschenken zu lassen mit offenem Händen und offenem Herzen. „Die Welt braucht dieses Hoffnungszeichen des glaubenden Wartens.“

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