Im Dialog mit Jungwählern

Bei Dießener Bürgermeister-Diskussionsrunde steht der ÖPNV in der Kritik

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Auf Wunsch der Damen sollten die Männer sitzen: (vorne, v. l.) Volker Bippus, Roland Kratzer und Florian Zarbo, (hinten, v. l.) Moderator Phillip Plesch, Sandra Perzul, Hanni Baur, Gabriele Übler, Marianne Scharr und Jugendleiter Simon Brieger.

Dießen – Begehrlich wie noch nie ist das Bürgermeister-Amt in Dießen. Gleich sieben Kandidatinnen und Kandidaten kämpfen darum, nachdem sich Herbert Kirsch nach 24 Jahren nicht mehr zur Wiederwahl stellt. Fünf von ihnen sind mit dem Rathaus und den Strukturen bereits bestens vertraut: Hannelore Baur (SPD), Volker Bippus (UBV) und Marianne Scharr (parteilos) sind altgediente Gemeinderäte, Roland Kratzer (CSU) saß schon mal eine Periode im Gremium und Florian Zarbo (Freie Wähler) hat das Verwaltungshandwerk hier von der Pieke auf erlernt. Neu ins Rathaus würden Sandra Perzul (Dießener Bürger) und Gabriele Übler (Bündnis 90/Die Grünen) kommen.

Seit Wochen trommeln die Bewerber für sich in Dutzenden von Veranstaltungen, bei Wind und Wetter an Info-Ständen, verteilen Flyer und Give-Aways und machen Haustür-Wahlkampf, der einst Herbert Kirsch zu seinem ersten Wahlsieg verholfen hat. Erstmals standen jetzt alle sieben Kandidaten bei einer Podiumsdiskussion der Marktgemeinde in der Mehrzweckhalle vor über tausend Besuchern Rede und Antwort. Es bestand, zwar mit Varianten, aber dennoch großenteils Einigkeit bei den hinlänglich im Wahlkampf behandelten Schwerpunkten bezahlbarer Wohnraum, Verdichtung, innerörtlicher Verkehr und Parkraum, Öffentlicher Personennahverkehr oder Senioren- und Jugendarbeit.

Und genau dafür fand im Jugend­treff an der Johannisstraße eine eigene Veranstaltung für Jungwähler statt. Angeregt von Gabriele Übler und umgesetzt von Jugendleiter Simon Brieger, Gemeinderat und Jugendreferent Michael Fuchs-Gamböck sowie Phillip Plesch, der souverän als Moderator fungierte. Während die Kandidatinnen und Kandidaten geschniegelt und fein gewandet in der Mehrzweckhalle vors Publikum traten, war hier lässiger Freizeitlook angesagt. Zur Halbzeit der Diskussionsrunde erklärte Bürgermeister Herbert Kirsch den rund 70 Besuchern und Jungwählern das bisweilen komplizierte Prozedere mit den Wahlscheinen und appellierte zum unbedingten Urnengang.

Zwei Hauptthemen kristallisierten sich den Jugendlichen heraus: Die katastrophale Taktung des ohnehin spärlichen Öffentlichen Personennahverkehrs und eine fehlende Open Air-Location zum zwanglosen Treffen, Chillen oder Musikhören. Überall würde die Jugend vertrieben, ob aus dem Uttinger Summerpark oder der Schondorfer Seeanlage. Wenigstens für Schondorf hat Bürgermeister Alexander Herrmann eine Lösung avisiert: Bei der sogenannten „Aussicht“ südwestlich von Oberschondorf können sie sich die Jugendlichen treffen, grillen und bekommen sogar einen Unterstand gebaut. Allerdings müssen sie in Eigenregie für Ordnung und Sauberkeit sorgen.

Genau so etwas will die Dießener Jugend. Gabriele Übler schlug die Prüfung des alten Festplatzes in den Seeanlagen vor und Volker Bippus, auch Vorsitzender des MTV, will vielleicht im Umfeld der neuen Soccerbox fündig werden. Die werde übrigens bestens angenommen. Zusammen mit einer Halfpipe für Skateboards wäre das ein idealer Treffpunkt für die Jugendlichen.

Viel mehr aber brennt der Jugend das mangelnde Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs auf den Nägeln. Ob zu Schulen, Lerngruppen oder Freunden in Richtung Landsberg, Herrsching oder Weilheim sei man durch die wenigen Fahrten und unpopulären Zeiten zu sehr eingeschränkt. Also greife man doch wieder auf das bewährte Mama-Taxi zurück. In den Ferien sei das unausweichlich, da hier der Fahrplan nochmals extrem ausgedünnt wird. Sammel-Taxis wären hier die Lösung, die man per App oder Telefon bestellen könne. Die Kandidaten setzten ihre Hoffnung auch auf das neue Nahverkehrskonzept des Landkreises und den Anschluss an den MVV, der ziemlich sicher kommen wird.

Damit der nötige Dialog mit der Dießener Jugend nicht abreißt, schlugen die Kandidaten die Gründung eines Jugendbeirats vor, mit dem man sich regelmäßig treffen will. Ähnlich wie beim bereits etablieren Seniorenbeirat könnten so Ideen und Wünsche an den Gemeinderat zur Beratung und eventuellen Beschlussfassung herangetragen werden. Sollte sich der Jugendbeirat bewähren, ließe sich daraus sogar ein Jugendparlament mit Stimmrecht entwickeln.

In vielen Städten und Gemeinden gibt es bereits solche Jugendparlamente mit der Aufgabe, die Schul-, Berufs- und Freizeitsituation von Kindern und Jugendlichen in der Region zu verbessern. Sie sollen die Öffentlichkeit und Politik über die Meinung und Bedürfnisse der jungen Menschen informieren und für diese eintreten. Dazu nehmen sie beratende Tätigkeiten in verschiedenen Gremien und Ausschüssen war.

Bei der Frage, wer bei einem Jugendbeirat mitmachen würde, reckten sich viele Hände in die Höhe. Man darf gespannt sein, ob sich der oder die neue Bürgermeister/in der Sache annimmt und wie versprochen am Ball bleibt.
Dieter Roettig

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