Vorbildliches Engagement

Zwei Dießener und ihr Einsatz für die "Nothilfe Samos"

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Robert Mandy Lotter (links) und Johann Rieß aus Dießen bringen Hilfsgüter vom Ammersee zur „Nothilfe Samos“ in Regensburg.

Dießen – Während wir gerade in Überfluss Weihnachten und Jahreswechsel begangen haben oder dem Wintersport frönen, frieren und hungern auf den Ägäis-Inseln Samos, Lesbos, Chios, Leros und Kos 42.000 Migranten, darunter Tausende von Kindern und 1.900 unbegleitete Minderjährige. Menschen schlafen auf Schotter, unter Plastikplanen, auf Karton oder Holzpaletten. Hilfe ist dringend nötig.

Am vorletzten Tag des alten Jahres haben sich Mandy Lotter und Johann Rieß sen. aus Dießen mit einem Pick-up voller Hilfsgüter auf den Weg nach Regensburg gemacht, um die Hilfsaktion „Nothilfe Samos“ zu unterstützen. „Weil wir einig sind mit dem Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer“, sagt Lotter. „Unser Denken darf nicht von Hass und Rassismus, sondern muss von Mitgefühl und Liebe geleitet werden.“

Rieß, erfahren in Seenotrettung auf dem Mittelmeer, kennt die Not der Migranten – und er kennt die Familie des Sea-Eye-Gründers Michael Buschheuer, der mit eigenem Schiff und seinem Verein Sea-Eye seit 2015 Flüchtende aus seeuntüchtigen Booten im Mittelmeer rettet. Die beiden Dießener haben binnen weniger Tage im Bekanntenkreis Hilfsgüter gesammelt, „mehr als wir uns je vorgestellt haben.“ Die Pkw boten nicht genügend Platz für Winterkleidung, Wolldecken, Winterstiefel, Zelte, Schlafsäcke, Hygiene-Artikel, Windeln und – Schokolade. Da musste eben der Pickup her.

Als sie in Regensburg ankamen, waren sie nicht die einzigen. Hunderte von Menschen lieferten Hilfsgüter ab, „die Organisatoren haben mit einem Euro-Laster gerechnet, der mit Containern befüllt wird“, berichtet Lotter. „Am Ende des Tages sind sechs Euro-Laster auf den Weg nach Griechenland geschickt worden.“

Schnell hatten Rieß und Lotter die Situation eingeschätzt: „Die Menschen haben ihre Güter abgegeben, manche sind auch zum Weiterverarbeiten der Spenden geblieben, aber wir sind sofort in die Logistik mit eingestiegen und haben einen Teil der Organisation übernommen.“ Einen Tag halfen die Dießener mit, „aber die Regensburger wollten uns am liebsten nicht mehr gehen lassen.“ Es sei ein Wahnsinnsunterfangen, 70 Tonnen Hilfsgüter zu sortieren, nur gute und zweckdienliche Güter herauszufiltern, zu sortieren, in Kartons und Container zu verpacken, zu beschriften … „Ich war für die Wolldecken zuständig“, erzählt Lotter und berichtet, wie sie in mannshohe Riesensäcke verpackt worden sind, „die waren so schwer, dass wir sie nur mit Hubwagen befördern konnten.“

Menschenrecht schützen

Und es ging weiter: In Berlin, Dresden, Amberg und Regensburg wurde für die „Nothilfe Samos“ gesammelt. „Auch wir in Dießen setzen unsere Hilfe fort.“ Neben den Sachspenden ist auch finanzielle Unterstützung wichtig. Dass es weitergehen muss, ist für Rieß und Lotter klar und sie schließen sich der Motivation der Buschheuers an: „Unser Handeln ist eine Antwort auf die gescheiterte Migrationspolitik der Europäischen Union, die sich ihrer Verantwortung für die tausenden Todesfälle in ihrer direkten Nähe verweigert. Sea-Eye schaut hin und schützt das Menschenrecht auf Leben.“

Sea-Eye ist ein unabhängiger gemeinnütziger Verein, der seine Arbeit ausschließlich aus Spenden finanziert. Mit dem Schiff Alan Kurdi füllt der Verein eine Lücke in der Seenotrettung auf dem Mittelmeer, um möglichst viele Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren.
Beate Bentele

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