40 Jahre später:

Madonna wiederentdeckt

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Große Freude über den Fund: (v. links) Bürgermeister Herbert Kirsch, Elena Agnini und Wolfgang Lösche.

Dießen – Seit Jahrzehnten gab es die Legende, in Dießen gäbe es eine Fayence-Madonna. „40 Jahre später ist sie nun durch einen glücklichen Umstand in die Hände der Marktgemeinde gefallen“, freute sich Wolfgang Lösche. Seit einigen Tagen hat die kostbare Figur im Dießener Rathaus einen besonderen Platz im Treppenhaus.

Bürgermeister Herbert Kirsch erinnerte sich beim Pressegespräch zum anstehenden Töpfermarkt, wie ihm die Madonna ziemlich ramponiert im Sommer vergangenen Jahres angeboten worden war. Der Vorbesitzer war verstorben. Die Familie fand die Madonna in dessen Nachlass in einem alten Handwerkerhaus. „Man kann mir ja viel anbieten“, dachte er sich und wandte sich hilfesuchend an Marktleiter Lösche – und der bekam große Augen, als er „das sagenhafte Stück“ zu Gesicht bekam.

Die Fayence stammt aus dem Jahr 1708 und wurde von einem Dießener Hafner in der Mühlstraße 22 mit den Initialen IL gefertigt. Zu der Zeit lebte in Dießen der Hafnermeister Johann Losch. Es gebe sichtbare Fingerabdrücke, die – hätte man die Nachweise – sicher keinen Zweifel ließen. „Er hatte die Initialen IL“, weiß Lösche. „Ein Glück, dass die Madonna von Kirsch gerettet wurde“, freut sich der Kunsthistoriker.

Der Marktleiter ist sich sicher, dass die Figur innerhalb weniger Stunden weg gewesen wäre, sobald sie offiziell angeboten worden wäre – auch wenn sie „nur“ die Arbeit eines einfachen Landhafners war. „Sammler aus Amerika hätten sie sich sofort geschnappt.“ Sie gehört in eine Reihe mit Fayencegefäßen, die 2002 in Ingolstadt gefunden wurden. Auch deren Herstellung wird in Dießen, dem Ort mit der großen keramischen Tradition vermutet. Lösche, der aus einer bekannten Dießener Keramiker-Familie stammt, weiß gewiss, dass die Herstellung einer Figur in der Größe sehr schwer gewesen sein muss. „Man kann davon ausgehen, dass der Künstler auch Kachelöfen gebaut hat. Das sieht man am Sockel.“

Dies bestätigt auch Elena Agnini. Die Restauratorin mit italienischen Wurzeln ist spezialisiert auf derlei Figuren. Sie hat die Madonna aufwändig wiederhergestellt, nachdem sie offensichtlich in früheren Zeiten mit Plakafarben und Gips behandelt worden war. „Gips ist schlimm für Keramiken“, erklärte die Expertin, weil Gips sich mit Wasser vollsaugen und alles sprengen kann. „Da musste man richtig Hand anlegen“. Die Restauratorin ist der Madonna auf diese Weise ganz nah gekommen, hat sie zerlegt und fachmännisch wieder zusammengesetzt. Sie ist so gut restauriert, dass sie mindestens 200 bis 300 weitere Jahre hier stehen kann“, freuten sich Lösche und Kirsch. Die Kosten für Ankauf und Restaurierung gab der Bürgermeister mit „im niedrigen fünfstelligen Bereich“ an. Gemeinde und – dank einer großzügigen Spende – Sparkassenstiftung teilen sich die Kosten. Die genaue Summe und auf deren Wunsch auch der ehemalige Eigentümer bleiben ein Geheimnis.

Die Madonna ist nun eines von insgesamt rund 50 keramischen Exponaten, die sich seit 17 Jahren, seit Bestehen des Dießener Töpfermarktes im Rathaus angesammelt haben.

Ursula Nagl

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