Bis 2023 müssen sie fertig sein

Dießener Seeanlagen: Tempo ist angesagt

Seeanlagen Dießen mit vielem Menschen im Sommer
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Die Dießener Seeanlagen gehören zu den beliebtesten Ausflugszielen im Fünfseenland. Der Westufer-Hotspot wird ab 2021 behutsam saniert.

Dießen – Nicht wenige Dießener witzeln schon lange, dass der Berliner Flughafen schneller fertig wird als die Dießener Seeanlagen, an deren Umgestaltung seit gefühlt 20 Jahren herumgedoktert wird. Und sie haben recht. Am 31. Oktober soll in Berlin die Eröffnung stattfinden, während in Dießen der See an die unverändert maroden Ufermauern plätschert. Mit dem ursprünglich geplanten Baubeginn noch in diesem Jahr ist nicht zu rechnen.

Unzählige Gemeinderats- und Bauausschusssitzungen, Ideenwettbewerbe und ein Bürgerbeteiligungsverfahren und zuletzt ein Workshop der Marktgemeinderäte haben aktuell kaum entscheidend Neues, aber dafür ein strenges Zeitlimit zu Tage gebracht. Denn der Bewilligungszeitraum der von der Regierung von Oberbayern zugesagten Zuschüsse von rund 3,17 Millionen Euro endet am 31. Dezember 2022. Endgültig verfallen 600.000 Euro Fördermittel aus dem Haushaltsjahr 2017, wenn die Maßnahmen nicht bis Ende 2023 fertiggestellt und vollständig abgerechnet sind. Die Zeit der endlosen Diskussionen und „Wunschkonzerte“ dürfte jetzt also vorbei sein. Zumal alle wasserrechtlichen Genehmigungen vorliegen und im Falle einer Frist­überschreitung nochmals beantragt werden müssten.

Durch die im Workshop herausgearbeiteten aktuellen Änderungen entstehen immerhin Mehrkosten in Höhe von bislang 87.700 Euro brutto, wie Bürgermeisterin Sandra Perzul in der jüngsten Gemeinderatssitzung bekannt gab.

Unscheinbar und verwittert: die Boxler-Gedenktafel.

Die jetzt verabschiedete und von Ursula Lohrer-Hochrein vorgestellte Planung sieht als ersten Bauabschnitt vor, die maroden Ufermauern entlang der Boxer-Anlage mit teilweise bepflanzten Sitzstufen zu erneuern. Der Uferbereich der Seeanlagen beim Dampfersteg wird allerdings erst nach Ende der Schifffahrtssaison 2021 in Angriff genommen. Die verbindende „Rialto-Brücke“ über den Mühlbach wird durch eine 4,30 Meter breite Brücke ersetzt, die 15 Tonnen Gewicht und damit Bauhof- und Rettungsfahrzeuge trägt. Die Geländer mit „Lümmelbalken“ erhalten eine dimmbare und insektenfreundliche Beleuchtung. Wie auch die übrige Lichtgestaltung in den Anlagen.

Nahezu unverändert bleiben die Fläche vor dem denkmalgeschützten ADK-Pavillon und auch der Platz für die Boule-Spieler. Der ursprünglich vorgesehene Bohlenweg zwischen Dampfersteg und Kiosk entfällt zugunsten einer Pflasterung mit Großsteinen. Die Wiese vor dem Dampfersteg, wo der geschützte „Kriechende Sellerie“ wächst, wird etwas nach Süden erweitert. An der Nordseite sollen drei Bäume mit kleinen Kronen und wenig Schattenwurf gepflanzt werden.

Die Bachüberführung von der Seeanlage zum Boxler-Park neben den Bahngleisen und hinter dem Kiosk bleibt für Fußgänger zunächst unsaniert erhalten, bis man sich mit der Bahn geeinigt hat. Die darunter liegende Unterführung aber wird tiefer gelegt, damit Radfahrer nicht mehr den Kopf einziehen müssen. Die Wegeführung durch die Boxler-Anlage wird für Fußgänger und Radler nicht geändert. Minigolfplatz und Kneipp-Wassertretbecken bleiben unverändert. Für Schachfreunde ist bei der neuen Mühlbachbrücke ein Schachfeld vorgesehen.

Alles in allem bleibt der Charakter der Dießener Seeanlage und des Boxler-Parks erhalten, obwohl rund 5,5 Millionen Euro investiert werden. Auf Grundlage der beschlossenen Ausführungsplanung bereitet die Rathaus-Verwaltung nunmehr die Ausschreibung der Baumaßnahmen vor. Der Baubeginn ist im Anschluss an den Töpfermarkt 2021 vorgesehen, falls er Corona-bedingt überhaupt stattfinden kann.

Der Gründer Boxler

Die Entstehung der Seeanlagen ist übrigens dem damaligen Landgerichtsvorsteher Friedrich Boxler (1815 – 1890) zu verdanken. Er erkannte 1866 das hohe touristischen Potential Dießens, das aber zum See hin mit Schilf und sumpfigen Wiesen nicht gerade einladend war. Der 1868 gegründete Verschönerungsverein begann die Schilf- und Sumpflandschaft zu kultivieren, legte Spazierwege an und pflanzte Alleen. Anstelle der heutigen Ammersee-Segelschule entstand eine Badeanstalt, die bis in die 1930er-Jahre betrieben wurde.

Um Dießen 1879 für die Dampfschiffe erreichbar zu machen, wurde der seichte Seebereich aufgefüllt und ein Steg wurde gebaut. Zwischen 1906 und 1908 erweiterte man die Promenaden und verschob sie um zehn Meter weiter in den See hinein.

Weitere Vergrößerungen erfolgten 1927 und 1951. 1965 schließlich präsentierten sich Seeanlagen und der nach dem Visionär benannte Boxler-Park in ihrer heutigen Form. An Friedrich Boxler erinnert eine am Zaun des Minigolfplatzes versteckte und verwitterte Gedenktafel aus dem Jahr 1895. Auch sie gehört dringend aufgefrischt und hat einen besseren Standplatz verdient.

Dieter Roettig

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