In den Seeanlagen:

Dießen will den "Showroom Gottes" aufhübschen

+
Die maroden und nicht mehr verkehrssicheren Ufermauern in den Dießener Seeanlagen sollen bald erneuert und teilweise durch begrünte Sitzstufen ersetzt werden.

Dießen – Iren Dornier, Enkel des Flugzeugkonstrukteurs Claude Dornier, nannte den Ammersee 2009 nach der Bilderbuchlandung mit seinem Wasserflugzeug liebevoll „Badewanne Gottes“. Davon inspiriert bezeichnete Gemeinderat Michael Lutzeier (Die Partei) die Dießener Seeanlagen als „Showroom Gottes“, bei dessen Sanierung viel Fingerspitzengefühl gefragt sei. Denn darum ging es bei der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates.

Die Dießener Seeanlagen gehören zu den beliebtesten Nah­erholungszielen am Ammersee. Vor allem in der Sommersaison und an den Wochenenden kommen unzählige Tagestouristen per Auto, Regiobahn oder Dampfer in die Marktgemeinde und flanieren durch die Anlagen mit Spielplatz und Kiosk sowie den sich anschließenden Boxler­park mit Minigolfplatz und Tretbootverleih. Auf den Ruhebänken genießen sie den grandiosen Blick über den See bis rüber nach Herrsching und Andechs. Und bei Großereignissen wie Töpfer- oder Flohmarkt sind hier Zehntausende unterwegs – abgesehen von der Corona-bedingten Pause in diesem Jahr.

Jetzt endlich sollen die gefühlt schon ewig geplanten Sanierungs- und Umgestaltungspläne der in die Jahre gekommenen Seeanlagen mit den Ausschreibungen umgesetzt werden. Bei der aktuellen Sitzung ging es unter anderem um die Neuge­staltung der maroden Ufermauern und die Erneuerung der „Rialto-Brücke“ über den Mühlbach.

Vorgesehen ist, die nicht mehr verkehrssicheren schrägen Ufermauern zwischen Dampfersteg und Mühlbach sowie in den Boxleranlagen zu erneuern und teilweise durch Sitzstufen aus Stein zu ersetzen. Sie sollen in einigen Abschnitten mit Uferstauden begrünt werden, um den Erholungscharakter zu verstärken. Mit dem Bau der neuen Ufermauer könnte nach erfolgreicher Ausschreibung schon im Herbst in den Boxler­anlagen begonnen werden, um den Dampfer-Anlegebereich nicht zu beeinträchtigen. Der bekäme dann in der schifffahrtsfreien Zeit über den Winter eine neue Uferbefestigung, die idealerweise zum Töpfermarkt im Mai 2021 fertig wäre.

Mit Lümmelbalken

Zweiter Schwerpunkt bei der Neugestaltung der Seeanlagen ist die Erneuerung der Rialto-­Brücke über den Mühlbach zwischen Seeanlagen und Boxlerpark. Damit sie künftig auch von Rettungs- und Gemeindefahrzeugen benutzt werden kann, wird sie auf eine Breite von vier Metern angelegt. Der prägende Schwung der Betonbrücke wird mit einer minimalen Steigung beibehalten, damit sie auch Menschen mit Behinderung benutzen können. Die Stahlgeländer bekommen Holz­auflagen als sogenannte „Lümmelbalken“ zum Abstützen.

Die Fraktionen von Freie Wähler sowie UBV/Die Partei/Bayernpartei hatten für den Erhalt der bestehenden Rialto-Brücke als „Wahrzeichen“ plädiert. Was aber laut Bauamtschefin Johanna Schäffert nicht möglich ist. Die alte Brücke sei zu schmal, sanierungsbedürftig und nicht barrierefrei. Dies sei aber eine Maßgabe bei der Städtebauförderung. Da die neue Brücke von der Breite her auch von Fahrzeugen benutzt werden kann, könnte man auf die ebenfalls sanierungsbedürftige Überführungsbrücke am Bahndamm bei der Unterführung Mühlstraße/Seeanlagen verzichten. Dies sei aber laut Schäffert nicht Gegenstand der derzeitigen Planungen. Der Grund dort gehöre der Bahn und dort mahlen die Mühlen bekanntlich sehr langsam.

Förderfähige Geheimsache

Die Gesamtkosten fürs „Aufhübschen“ der Seeanlagen hat die Gemeinde auf 5,45 Millionen Euro taxiert. Laut Bescheid der Regierung von Oberbayern werden davon 5,28 Mio Euro als förderungsfähig angesehen. Damit bekäme Dießen 3,7 Mio Euro. Darin sind 600.000 Euro Fördermittel aus dem Haushaltsjahr 2017 enthalten. Wenn man die vom alten Gemeinderat verabschiedeten Planungen teilweise – wie von einigen Fraktionen gefordert – umwerfen und neu skizzieren würde, käme man unter Zeitdruck. Die Summe verfällt, wenn die Maßnahmen nicht bis 31. Dezember 2023 fertiggestellt und vollständig abgerechnet sind.

Wenn sich die Dießener fragen, warum sich die Planungen für das Projekt Seeanlagen solange hinziehen: Allein für die „wasserrechtliche Genehmigung“ mussten alle Belange berücksichtigt werden – unter anderem von Naturschutzbehörden, Wasserwirtschaftsamt, Landesamt für Denkmalpflege, Seenschifffahrt, Ammersee-Verwaltung, Stegbesitzer und vom Fischereibeauftragten.

In der Juli-Ratssitzung werden die Planungen konkretisiert und „Nägel mit Köpfen“ gemacht – hinter verschlossenen Türen, warum auch immer.
Dieter Roettig

Auch interessant

Meistgelesen

Wenn die Zeugin vor Gericht Details verschweigt
Wenn die Zeugin vor Gericht Details verschweigt
Die goldenen Regeln der Metzgerei Boneberger
Die goldenen Regeln der Metzgerei Boneberger
Exhibitionisten am Ammersee, in Gilching und Dachau
Exhibitionisten am Ammersee, in Gilching und Dachau
Am Klinikum Landsberg ist fair parken angesagt
Am Klinikum Landsberg ist fair parken angesagt

Kommentare