Dicke Luft vom stillem Örtchen

Der Dießener Töpfermarkt bekommt einen modernen Toiletten-Container

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Als Dießener Original ist Fischermeister Simon Rauch bekannt wie ein bunter Hund am Ammersee. Mit seinem Verein „d‘Moosdapper“ hat er 13 Jahre lang für das „stille Örtchen“ beim Töpfermarkt gesorgt. Damit ist jetzt Schluss.

Dießen – Ein Sch…thema, über das sich Fischermeister Simon Rauch (73) derzeit richtig ereifern kann. 13 Jahre lang hat der von ihm geleitete Traditionsverein „d‘Moosdapper“ den Toilettenwagen für den Dießener Töpfermarkt bereitgestellt und für Reinigung und Betrieb gesorgt. Damit ist jetzt Schluss. Ab dem nächsten Töpfermarkt (10. bis 13. Mai) wird der umgebaute Bauwagen durch einen modernen Toi­letten-Container sowie durch eine Behinderten-Toilette ersetzt.

„Der Charme des Bauwagens ist einfach nicht mehr zeitgemäß“, wie Geschäftsleiter Karl Heinz Springer von der Marktgemeinde den Wechsel begründet. Ein barrierefreier Zugang sowie geruchsarme Toiletten mit warmen Wasser zum Händewaschen würden ganz wesentlich zum Wohlbefinden der Marktbesucher beitragen. Ein professioneller Reinigungstrupp, der auch die Bahnhofstoiletten in Schuss hält, wird permanent kontrollieren und dafür sorgen, dass man das kleine und große Geschäft sauber erledigen kann.

Das haben auch die Moosdapper bei den vergangenen Töpfermärkten gemacht, wie Simon Rauch entgegensetzt. Acht Mal am Tag hätten sie nach dem Rechten gesehen und dort auch geputzt. Dass es trotzdem zu vereinzelten Beschwerden kam, liege an manch „zu eiligen“ Benutzern. Sogar das Klopapier habe sich bisweilen „in Luft aufgelöst“. Und was das fehlende Warmwasser betrifft, da hätten die Moosdapper ihren Bauwagen gerne nachgerüstet.

Simon Rauch betrauert auch die jetzt fehlenden Mieteinnahmen durch die Absage. „Unser Verein hat stets alle Einnahmen nach Abzug der Unkosten und Versicherungsgebühren für wohltätige Zwecke ausgegeben.“ In den 37 Jahren des Bestehens der Moosdapper hätten sie über 150.000 Euro gespendet und unter anderem den Brunnen am Untermüllerplatz finanziert und den Brunnen am Marienplatz renoviert. Das Geld ist durch die vielfältigen Aktivitäten des Vereins zusammengekommen. Von den legendären Brunnenfesten am Marienplatz über das Fischerstechen bis zur Vermietung des Toilettenwagens.

Der aus einem Stammtisch entstandene Verein „d‘Moos-

dapper“ hat derzeit 26 Mitglieder im Alter von 29 bis 80 Jahren. Es ist nach eigenem humorvollen Bekunden eine Gesellschaft von „Fischern, Jägern und anderen Lügnern“.

Man trifft sich einmal wöchentlich im Vereinsheim in der Fischerei und „politisiert über Leben und Wandel in Dießen“ wie aktuell die temporäre Wochenend-Fußgängerzone oder die unleidige Parkplatzsituation. So hat man sich laut Simon Rauch zuletzt mächtig aufgeregt über die Anliegerversammlung im Unterbräu. „Da hat man uns verschiedene Varianten der Fußgängerzone präsentiert, obwohl doch schon alles entschieden und abgestimmt war.“

Trotz Missmut über die Toilettenwagen-Absage seitens der Marktgemeinde freut sich Simon Rauch auf den kommenden Töpfermarkt. Mit seiner Familie bietet er den Besuchern leckere Fischsemmeln und andere Spezialitäten aus dem See an. Und zwar direkt in seiner historischen Fischerhütte aus dem Jahr 1776, der größten und ältesten dieser Art in ganz Süddeutschland. 

Dieter Roettig

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