"Sie war einzigartig"

Dießener Unterbräu-Wirtin Gabi Götzfried sagt leise Servus

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Unterbräu-Wirtin Gabi Götzfried ist tot.

Dießen – Eine berühmte, bekannte und manchmal auch berüchtigte, aber meistens lachende Wirtin ist weitergewandert. In ihrem Fall wohl besser weitergereist: Die Fischerei, der alte und authentische Ortsteil von Dießen, trauert um eine Persönlichkeit, die jahrzehntelang im Blickpunkt der öffentlichen Wahrnehmung stand. „Sie war einzigartig“, sind die Fischereier sicher und ziehen traurig den Hut vor Gabi Götzfried, die am Freitag, 3. Januar, in den Morgenstunden in ihrem Haus ganz leise Servus gesagt hat.

Es gibt eine Überschrift, die das vermeintlich nur wilde, bunte und abwechslungsreiche Leben der Unterbräu-Wirtin beschreibt: „Sie hat ihr Leben lang immer hart gearbeitet.“ Dass es ihr dennoch gelang, zwischendurch Freiräume zu schaffen, ist ihrer Liebe zu Freiheit und Abenteuer, zum Genießen und Erleben und ihrer reichen Lebensfantasie und Lebensfreude entsprungen. Das Wirtshaus war ihre Arbeitsquelle von fünf Uhr in der Früh bis Mitternacht.

Es war aber auch ihre ganz persönliche Bühne, auf der sie regierte und agierte. Ihr Eintritt ins Erwachsenwerden gestaltete sich wie bei den meisten jungen Frauen in Dießen: Sie hat bei den Schwestern die Mittelschule absolviert. Danach drängte sie raus aus dem engen Dorf am Ammersee und verbrachte zwischen ihren beruflichen Stationen jede freie Minute am Wörthsee, wo sie den Gastl Peter an seinem Kiosk, beim Fischverkauf und Bootsverleih unterstütze und natürlich das „Dolce Vita“ am Strand und beim Segeln in vollen Zügen genossen hat. Ihrem Beruf als Bürofachfrau ging sie im Pelzhaus Nagl an der Mühlstraße in Dießen nach, eine Zeitlang arbeitete sie in München – dann ging‘s ab nach Rom. Als Aupair-Mädchen. Ein Jahr mediterrane Lust, die sie zeitlebens begleitet hat. Wieder daheim gab‘s einen Büro-Job bei Espe in Seefeld und 1980 übernahm sie das Schuhhaus Rottner an der Hofmark – jetzt wollte sie einfach mal Schuhe verkaufen.

1983 heiratete sie den jungen Franz Götzfried, den Braumeister beim Kaltenberger Prinzen und „Thronfolger“ vom Red-Fränz im Unterbräu. 1984 kam Anna auf die Welt. Von 1988 bis 1993 bewirteten die Götzfrieds das Sportlerheim am MTV-Sportplatz – das seitdem die Zeiten der Gabi Götzfried sucht, die jeden Tag im Morgengrauen aufsperrte und hunderte von Wurstsemmeln schmierte. Ab Mittag kam dann der Franz und blieb bis Mitternacht. 20 Stunden Wirtshausbetrieb – und ganz Dießen war da.

Richtig aufwärts ging‘s dann im Bräu, als der Red-Fränz in Ruhestand ging. Eine unbeschreibliche Ära mit arabischen Nächten, glamourösen Faschingsbällen, da ist schon mal nach Erdöl gebohrt worden im Saal, eigenkonstruierte Bierbrunnen sprudelten, die Kapelle Krach und Fürchterlich ist plötzlich dagewesen – im Unterbräu ging es zur Sache. Und die Gabi hat wortgewaltig ausgeteilt und auch eingesteckt. Sie war nie beleidigt und hat sich auch nie, niemals verbiegen lassen.

Auch Redakteur Dr. Alfred Böswald, der 2010 die Laudatio auf den Bräu zur Übergabe an die junge Generation hielt, wusste das: „Ist dir, liebe Gabi, eigentlich schon mal aufgefallen, dass am Ende einer Saison jeder deiner Küchenhilfen neben der Fähigkeit zur Herstellung von ‚Gabi Götzfrieds Gaumengiganten‘ genannt Fleischpflanzerl, ein dermaßen ausgeklügeltes bayerisches Schimpfwortvokabular hatte, dass du eigentlich den Orden des Goethe-Instituts für angewandte Dialektverbreitung verdient hättest? Das alles, liebe Gabi, wird uns künftig beim Unterbräu fehlen, aber du bist ja nicht aus der Welt und irgendwo werden wir dich schon wiederfinden. 17 Jahre Unterbräu, liebe Gabi, und kein bisschen heiser – das verdient ein großes Dankeschön und einen Heidenrespekt.“

Mit dem Wiederfinden ist es jetzt vorbei. Aber eines bleibt: Die Erinnerung an eine Frau der Zeit, die mit Röntgenblick Menschen und Situationen einschätzen konnte. Ihre letzten Jahre musste sie mit Krankheiten leben. Dabei hat sie stets ihre Würde bewahrt. Sich im Leid gepflegt, um ihren Mitmenschen zu ersparen, wie schlecht es ihr ging. Kraft und Freude hat sie geschöpft aus dem Zusammensein mit ihren Enkeln Franz und Leopold. Dabei entstand auch das Foto wenige Tage, bevor sie sich leise verabschiedet hat.

Die Beisetzung ist am Donnerstag, 9. Januar, 10.30 Uhr, Friedhof St. Johann.
Beate Bentele

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