Dießener Ur-Gestein ist verstorben

Adieu, Clemens Schmid!

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Immer aktiv und hilfsbereit: Clemens Schmid.

Dießen – Am Samstag, 21. April, wollte er mit den Ammersee Actors zum zweiten Mal in seinem Leben auf die Theaterbühne steigen und bei der Komödie „Le Pavillon“ mitspielen – aber diese Freude durfte er nicht mehr erleben: Eine Woche zuvor – vergangenen Samstag – ist Clemens Schmid von der Bühne des Lebens nach langer Krankheit abgetreten und im Krankenhaus gestorben. „Mit ihm ist ein Stück Dießen verloren gegangen“, sagt Gemeinderat Jürgen Zirch, der ihn dort mit seinem Besuch Trost gespendet hat.

Clemens Schmid war ein echter Dießener. Für alle zwischen Riederau, St. Alban und der Fischerei (vor allem östlich der Ortsdurchfahrt) gehörte er Jahrzehntelang zum täglichen Leben. Er war allgegenwärtig präsent, dennoch stets allein. Clemens, Jahrgang 1942, ist im Kinderheim St. Alban groß geworden. Mit 14, nach der Schule in Riederau, wurde er auf einem Bauernhof zwischen Windach und Riederau landwirtschaftlich ausgebildet. Nach seiner Rückkehr erhielt er im Kloster St. Alban Festanstellung und Wohnung.

1973 übersiedelte er dann in die Fischerei, den alten Ortsteil von Dießen. Zeitgleich stellte ihn die Baufirma Franz Müller ein, wo er bis zur Rente blieb. Er hatte nie eine eigene Familie, seine Familie waren das Kloster, die Fischereier und die Vereine. Ursprünglich bei der Feuerwehr Riederau daheim, verankerte er sich dann in der Dießener Feuerwehr und beim Soldaten-, Reservisten- und Kameradschaftsverein.

Neben seinen Vereinsaktivitäten hat er Hand angelegt, wo man ihn brauchte. Für zahlreiche Grundstücke erledigte er den Winterdienst, räumte Schnee und befreite die Zuwege vom Eis, er mähte Rasen, arbeite – zur der Zeit als es noch Bauern im Ort gab – bei der Stallarbeit mit, „und“, fasst Jürgen Zirch zusammen, „wer ihn rief, dem hat er geholfen.“

Vor fünf Jahren zog er noch einmal um und lebte im Kreisseniorenheim am Färbergassl. immer wieder sah man ihn beim Computerdoktor in der Fischerei. Allerdings hat er nie ein digitales Gerät benutzt, zum Chris Filser und seinen Ammersee Actors fühlte er sich hingezogen, weil sie ihm bei ihrem ersten Theaterstück „Tschurangrati“ einen Platz auf der Bühne einräumten. Zwei Stunden begleitete er das Spiel auf der Bühne – und sahnte bei allen Aufführungen den meisten Applaus ab.

So durfte er im fortgeschrittenen Alter nie geahnte Freude und öffentliche Wahrnehmung erleben– jetzt kann er nur noch von Oben zuschauen.

Beate Bentele

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