Älteste Bürgerin Dießens stirbt mit 102

Grande Dame Anneliese Wirsching ist tot 

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Anneliese Wirsching ließ sich noch im Dezember 2017 zu ihrem 102. Geburtstag feiern; auch Dießens Bürgermeister Herbert Kirsch hatte sich unter die Gratulanten gereiht.

Dießen – Sie wirkte über 50 Jahre im Bayerischen Roten Kreuz, führte mit sicherer Hand die Geschicke des Kunsthandwerk-Pavillons am See, galt als „Klammer, die die Gemeinschaft im Ort zusammenhält“ – und war nebenbei die älteste Bürgerin der Gemeinde Dießen: In ihrem 103. Lebensjahr ist Anneliese Wirsching nun verstorben. Noch am 20. Dezember 2017, als Anneliese Wirsching ihren 102. Geburtstag gefeiert hat, zeigte sie sich von ihrer agilen Seite, und rückte im Gespräch mit Bürgermeister Herbert Kirsch ein paar historische Fehlgriffe der Ortsgeschichte ins richtige Licht. Nach dem Jahreswechsel zog sich Dießens älteste Bürgerin zurück; am 18. März hat Anneliese Wirsching in ihrem Haus in der Fischerei die Augen geschlossen.

Geboren in Köln, ist sie als Anneliese Gondos mit den Eltern nach München gezogen, um sich bald darauf in Dießen niederzulassen, im sogenannten Gondos-Haus zwischen Bannzeile und Buzallee. Einige Jahre pendelte sie noch nach München, um die Schule abzuschließen und dann in der Lehrlingsklasse einer Frauenarbeitsschule die Schneiderei zu lernen. Als junge Frau heiratete sie Sebastian Wirsching, der Holzintarsien fertigte und als Fassadenmaler tätig war. 

Am 11. November 1936 ist Anneliese Wirsching Mitglied beim Roten Kreuz geworden. Zunächst ließ sie sich dort zur Schwestern-Helferin ausbilden. Dann ging es Schlag auf Schlag: Sie gehörte zur Frauenbereitschaft, die in Dießen übrigens schon vor den männlichen Rot-Kreuz-Helfern Hilfeleistungen erfüllte. 1955 wurde sie Bereitschaftsführerin. 1965 schließlich stieg sie zur Kreisbereitschaftsführerin auf und gehörte von Stund‘ an zur Vorstandschaft im Bayerischen Roten Kreuz Landsberg. Als sie nach 55 Jahren den Aktivdienst quittierte, besaß sie eine Schatulle voller Orden, Ehrenzeichen und Urkunden. 

Auch das Kunsthandwerk in Dießen hat sich stets zu den runden Geburtstagen vor der Grande Dame der Arbeitsgemeinschaft Dießener Kunst – kurz ADK – verneigt. Über 40 Jahre lang hatte sie als „Hüterin der Schätze“ den Pavillon am See geleitet, die Geschäfte geführt und die tägliche Ausstellung mit stilsicherer Hand geordnet und gestaltet. Sie kannte all die bekannten Dießener Maler, Keramiker, Goldschmiede, Holzbildhauer, Textilgestalter, Fotografen, die Zinnwerkstätten und alle, die für kürzere oder längere Zeit Mitglied in der ADK waren, oder es heute noch sind. 

In diesem Sinne hat sich ADK-Vorsitzender Wolfgang Lösche vor Anneliese Wirsching immer wieder verneigt: „Anneliese Wirsching hat das Diessener Kunsthandwerk durch schwierige aber auch äußerst erfolgreiche Zeiten begleitet. Von 1969 bis 1987 war sie neben ihrer Tätigkeit im Pavillon am See zusätzlich auch in der Münchner Galerie Handwerk tätig und für den Verkauf und die Vermittlung internationalen Kunsthandwerks verantwortlich. Als sie diese Tätigkeit schließlich beendete, widmete sie sich wieder ganz dem Pavillon am See, der in gewisser Hinsicht eine zweite Heimat für sie war.“ 

Wenn sich am kommenden Donnerstag Familie, Freunde und langjährige Wegbegleiter um 16 Uhr zum Abschied auf dem Friedhof St. Johann treffen, schließt sich der Kreis des Dießener Kunstschaffens zum letzten Mal, um eine große Persönlichkeit genau an jenem Ort, wo vor und nach dem Zweiten Weltkrieg legendäre Künstlerfeste, deren Jahresessen und Veranstaltungen über Jahrzehnte stattgefunden haben: Im Café Vogel an der Johannisstraße.

kb/Beate Bentele

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