Positive Bilanz auch dank aufgehobenem Bierverbot:

Rückzug ins Private mit Dießens Jugendtreff verhindert

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Sozialpädagoge Ralf Kleeblatt (links) geht im Frühjahr als Leiter des Dießener Jugendtreffs in den Ruhestand. Unser Bild zeigt ihn bei einem Arbeitsmeeting mit Michael Fuchs-Gamböck, dem ­Jugendreferenten im Dießener Marktgemeinderat.

Dießen – Er hat viel bewegt und erreicht in seiner 20-jährigen Tätigkeit als Leiter des Dießener Jugendtreffs. Nur eines wurmt Ralf Kleeblatt, der zum Ende des ersten Quartals 2018 in den wohlverdienten Ruhestand geht: Sein Lieblingsprojekt, ein selbstverwaltetes Schüler- und Jugendcafé, ist gescheitert. „Es hätte vielfache Chancen geboten, das seit Jahren existierende Vakuum der Beteiligung von Jugendlichen am Gemeinwesen in der Marktgemeinde zu beenden“, bedauert er.

Kleeblatt hat die Café-Idee schon seit Jahren konzeptionell durchstrukturiert, wobei der jetzige Jugendtreff in Trägerschaft der Marktgemeinde als Angebots- und Veranstaltungszentrum weiterhin bestehen sollte. Das Café als „offener Treffpunkt“ in Selbstverwaltung der jugendlichen Nutzergruppen, aber begleitet von Sozialpäda­gogen, würde den Bedürfnissen der heutigen Jugend „zum Chillen“ entsprechen und dem Trend zum „Rückzug ins Private“ entgegenwirken. „Jugendarbeit ohne Mut und Risikobereitschaft wird niemals seine gewollt positive Wirkung auf Jugendliche erfahren können“, schreibt Kleeblatt in seinem letzten Jahresbericht für den Gemeinderat und die Verwaltung. Und er hegt die Hoffnung, dass sein Nachfolger Simon Brieger (31) die Idee weiterverfolgt. Der Erzieher mit Bachelor-Abschluss aus Dießen wird den Jugendtreff im Frühjahr 2018 nahtlos übernehmen.

Der Dießener Jugendtreff konzentrierte sich im abgelaufenen Jahr 2017 weiterhin auf die Altersgruppe zwischen sieben und 17 Jahren, wobei Jugendliche ab 16 wieder eine größere Rolle spielten, unter anderem wegen der Aufhebung des seit 2009 bestehenden Bierverbots. Ralf Kleeblatt war und ist bestrebt, den Jugendtreff als eine funktionierende Einrichtung und als Bestandteil der Dießener Freizeitinfrastruktur darzustellen. „Der Jugendtreff wirkt da, wo die Angebote und Möglichkeiten von Vereinen und Organisationen ihre Grenzen erfahren“, so Kleeblatt. Pro Woche fanden im Schnitt sechs Angebote für Kinder und Jugendliche statt. Für die Durchführung hat Kleeblatt nach Möglichkeit immer Jugendliche eingebunden: „Besonders in diesem Punkt erfüllt der Jugendtreff konzeptionelle Vorgaben, da die Übernahme von Verantwortung durch Jugendliche eine zentrale Aufgabe und Zielsetzung ist.“ Gruppenangebote, offene Aktivitäten und die beliebten Ferienprogramme würden zeigen, dass sich der Jugendtreff nahtlos in das Gemeinwesen einfüge.

So waren die Ammersee-West Ferienprogramme das Aushängeschild der offenen Jugendarbeit in Dießen, wobei die Marktgemeinde laut Kleeblatt „der Motor dieser anspruchsvollen Programme“ sei. Benachbarte Aktionen seien häufig reine Kinder- oder Gutschein-Programme, was für Dießen nicht in Frage komme. Allein das Sommerferienprogramm umfasste 59 Angebote, wovon 39 vom bzw. über den Jugendtreff organisiert wurden. 1.010 Buchungen von Kindern und Jugendlichen in den Oster-, Sommer, Herbst- und Winterferien zeigen, dass hier Bedarf bestehe. Höhepunkt war im Sommer die Zirkus-Woche in den Seeanlagen unter der Leitung von Zirkus- und Theaterpädagogen, Lehrern und älteren Jugendlichen. 120 Kinder und Jugendliche konnten sich unter fachlicher Anleitung dem Thema Zirkus nähern. Auch Ausflüge standen auf dem Programm wie Fahrten in Freizeitparks, in die Therme Erding oder in die neue Jochen Schweizer-Arena mit Bodyflying und Surfen als Highlights.

Selbst Präventionsthemen wie Alkohol und AIDS wurden aufgegriffen. So fand am Welt-AIDS-Tag wieder ein Hallen-Fußballturnier mit zehn Mannschaften in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Landsberg statt. „Halt – Hart am Limit“ hieß das Projekt zum riskanten Umgang mit Alkohol. Das gilt übrigens auch im Jugendtreff. Nach der Aufhebung des restriktiven Alkoholverbots in diesem Jahr wird der Jugendtreff wieder vermehrt von der Gruppe „Ü 16“ besucht, die bei Musik, Spiel und Spaß jetzt auch ein Bierchen schlürfen dürfen. Der Kidz-Club für die Kleinen hatte 2017 nur eine marginale Bedeutung, weil es eine stärkere Hinwendung zur Gruppe der Jugendlichen über 15 gab. Trotzdem bleibe laut Kleeblatt der Kidz-Club eine feste Größe im Angebotsgefüge des Jugendtreffs und könne jederzeit mit neuen Inhalten versehen werden.

Als weiteren Schwerpunkt seiner offenen Jugendarbeit bezeichnet Ralf Kleeblatt die Musik. Tanz- und Disco-Veranstaltungen oder die Beteiligung an der Dießener Musiknacht würden Menschen von sieben bis 20 erreichen. Hier würde sich die umfangreiche Ausstattung im Jugendtreff an der Johannisstraße 22 bewähren – von der ausgereiften Tontechnik über Lichteffekte bis zu einer Nebelmaschine. Die Geräte kann man übrigens ausleihen, was auf der Homepage näher erläutert wird. Ebenso wie die Anmietung des Jugendtreffs für private Geburtstagsfeiern.

Überhaupt ist der Dießener Jugendtreff umfassend in der virtuellen Welt vertreten. Ob mit eigener Homepage (www.jugendtreff.diessen.de), auf facebook, Twitter und YouTube oder einem Newsletter-System, mit dem mittlerweile über 500 Eltern und Jugendliche regelmäßig „Neues aus dem Jugend­treff“ erfahren.

Dieter Roettig

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