Keine Einbahnstraße, keine Sackgasse

Dießens Mühlstraße: Alles bleibt, wie es ist

Mühlstraße in Dießen mit Motorrad
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Auf Beibehaltung der jetzigen Verkehrsführung in der Mühlstraße hat sich der Marktgemeinderat geeinigt. Die Vorschläge von Einbahnlösungen und Sackgasse wurden verworfen.

Dießen - Seit ihrer aufwendigen Sanierung wird über die Mühlstraße heftig diskutiert: Zu viele und zu schnelle Fahrzeuge trotz Verkehrsberuhigung, zu wenig Parkplätze für Gewerbe und Gastronomie oder Falschparker auf den Ausweichplätzen erregen die Gemüter. Speziell an den schönen Wochenenden in der Sommersaison machen sich Autos, Motorräder, Radler und Flaneure gegenseitig das Leben schwer. Kein Wunder, dass der Ruf nach einer Einbahnregelung immer lauter wurde. Die aber wurde jetzt vom Marktgemeinderat endgültig abgeschmettert ebenso wie die Alternative einer Sackgasse. Der Grund war eine ausführliche Simulation der Auswirkungen in der Mühlstraße, auf dem Untermüllerplatz und in den anschließenden Straßen.

Der von Gemeinde beauftragte Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer vom Büro „Stadt Land Verkehr“ erläuterte vor dem Gremium die Vor- und Nachteile der möglichen Einbahnvarianten Richtung See und Richtung Rathaus. Seine Verkehrsanalyse ergab, dass beide Möglichkeiten keine nennenswerte Entlastungen bringen würden. Die Fischerei laufe dagegen Gefahr, vom Verlagerungsverkehr deutlich mehr belastet zu werden. Vor allem der Abschnitt zwischen Untermüllerplatz und Reitstege sei durch seinen engen Straßenraum und die Nutzung durch die Gastronomie für Mehrbelastungen ungeeignet. Auch in der Bahnhofstraße zwischen Brunnenstraße und dem Café Sixt müsse aufgrund des hohen Fußgänger- und Radfahreraufkommens ein sogenannter „Mehrverkehr“ vermieden werden.

Das Staatliche Bauamt Weilheim kam in seiner Einschätzung zu folgendem Ergebnis: Bei einer Einbahnregelung der Mühlstraße in Richtung See würde die ohnehin stark belastete Kreuzung am Rathaus entlastet, was der Leistungsfähigkeit der anderen Staatsstraßen-Äste zugutekäme. Höher belastet würde folglich vor allem die Einmündung der Bahnhofstraße in die Prinz-Ludwig-Straße. Umgekehrt über die Mühlstraße Richtung Marktplatz würde laut Straßenbauamt die Kreuzung am Rathaus zusätzlich belastet, da sich die einzelnen Ampelphasen nicht wesentlich optimieren lassen. In Folge würde der Verkehr aus der Herrenstraße und hier insbesondere der Linksabbiegerverkehr in die Prinz-Ludwig-Straße von den aus der Mühlstraße kommenden Fahrzeugen beeinträchtigt.

Keine Entlastung

Bei den Planspielen einer Einbahnregelung hat sich auch eine mögliche Sackgassenlösung herauskristallisiert. Durch die Einführung einer Sackgasse vom Maibaum bis zum Untermüllerplatz mit dortiger Wendemöglichkeit könnte die Bahnhofstraße im Bereich des Café Sixt bis auf die Anwohner fast völlig verkehrsfrei gehalten werden. Die Brunnenstraße wäre nur noch über die Mühlstraße angebunden. Verkehrsplaner Robert Ulzhöfer sah durch die Herausnahme des Durchgangsverkehrs eine erhebliche Verbesserung der Aufenthaltsqualität. Auch das Geschwindigkeitsniveau würde sich bei der Suche nach einem freien Parkplatz verringern. Dieser Suchverkehr könnte durch Einbau von Parksensoren und einer entsprechenden elektronischen Anzeige vor der Rathauskreuzung minimiert werden. Im Gegensatz zu Robert Ulzhöfer sieht das Staatliche Bauamt in Weilheim bei dieser Lösung keine nennenswerte Entlastung des Verkehrs.

Gemeinderat Johann Rieß (Freie Wähler) warnte hier vor gefährlichen Wendemanövern beim Lieferverkehr durch Sprinter und Lastwagen und gab zu bedenken, dass Navis bezüglich der Sackgasse erst sehr zeitversetzt aktualisiert werden. Er und auch Kollege Thomas Hackl plädierten für eine Einbahnregelung abwärts, um riskante Ausweichmanöver beim Begegnungsverkehr zu verhindern. Hackl schlug zudem einen fest installierten Blitzer gegen die Temposünder vor. Hannelore Baur (SPD) sieht die Verringerung des Verkehrs in einem zügigen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Gabriele Übler (Grüne) wiederum appellierte an die Vernunft der Dießener, nicht jeden kurzen Weg mit dem Auto zu fahren. Michael Lutzeier (Die Partei) und Vize-Bürgermeister Roland Kratzer (CSU-Fraktion) sprachen sich gegen Einbahn- und Sackgassenlösung aus und dafür, dass die Mühlstraße so bleibt wie sie ist.

Letztendlich kamen die Verwaltung als auch mehrheitlich Marktgemeinderat zu dem Schluss, dass weder eine der beiden Einbahnstraßenregelungen noch eine Sackgasse „überzeugend positive Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung in der Mühlstraße“ bringen würden. Darum wird die derzeitige Verkehrsführung in der als Spielstraße ausgewiesenen Mühlstraße beibehalten. Weitere Untersuchungen gibt es nicht.

Bislang hat die Gemeinde für Untersuchungen, Verkehrszählungen, Fragebogenaktion und Auswertung rund 50.000 Euro ausgegeben. Darin ist auch die testweise Einführung einer Wochenend-Fußgängerzone enthalten.
Dieter Roettig

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