Dießens mutiger Müller

Die Erdarbeiten zur Straße in das Gewerbegebiet Romenthal haben gerade erst begonnen, der Name steht schon fest: Sie wird nach Georg Gröbl (1864 bis 1948) benannt, dem Gründer der Dießener Elektrizitätswerke.

Gröbl war Visionär, Unternehmer, Wegbereiter. Nach der Dampfmaschine war der Einsatz elektrischer Energie gegen Ende des 19. Jahrhunderts die zweite Voraussetzung für die Industrialisierung. Neben großen wie Edison und Siemens waren es viele kleine Pioniere, die die Vision einer Licht- und Kraftstromversorgung für alle Bürger umsetzten. Mit 30 Jahren fasste der Dießener Klostermüller Georg Gröbl von dieser Begeisterung den Entschluss, die neuartige Energie in seinen Ort zu bringen. Er begann, die Wasserkraft des Mühlbaches für die Elektrizitätserzeugung nutzbar zu machen. Den Anfang machten Stromerzeugungsanlagen in der Klostermühle, geht aus der Festschrift hervor, die zum 110. Geburtstag Gröbls herausgegeben worden war. Nacheinander baute der Erfinder drei Kraftwerksstufen entlang des Mühlbachs: die Klostermühle etwa 1895, das Schönherrwerk (Hammerschmiede) folgte 1902 und 1910 das Marktwerk, das von der Gemeinde gebaut wurde. Die ersten Stromabnehmer des Klostermüllers waren Dießener Gastwirte – in den Wirtschaften wurde der Betrieb von Kohlenfadenlampen aufgenommen. Auch die Buchdruckerei Jos. C. Huber machte sich den Strom schnell zunutze: Dort konnte bald ein Motor von einem PS für eine Schnellpresse betrieben werden. Nach und nach wurde in Dießen ein komplettes Stromversorgungsnetz angelegt. Dem Wagemut Gröbls sei nicht nur der frühzeitige Siegeszug der neuen Energie zu verdanken, sondern auch der wirtschaftliche Aufschwung Dießens, begründet die CSU-Fraktion ihren Antrag, die Erschließungsstraße in das neue Gewerbegebiet Georg-Gröbl-Straße zu nennen. Der Vorschlag wurde jüngst im Gemeinderat von allen Fraktionen gelobt. „Dem kann ich mich nur anschließen, auch wenn es nicht von mir ist“, kommentierte Bürgermeister Herbert Kirsch. Wolfgang Salzmann (CSU) bat allerdings darum zu prüfen, ob nicht doch irgendwelche Schatten auf dem Lebenslauf Gröbls liegen. Im letzten Jahr musste eine Straße in St. Georgen umbenannt werden, weil sie seit 1993 unwissentlich den Namen des SS-Funktionärs Erwin Metzner trug. Damals hatte niemand Anlass gesehen, Nachforschungen anzustellen.

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