"Funkstrahlung unbedenklich!"

Der iPerl sorgt weiter für Gesprächsstoff

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Wassermeister Michael Deininger, hier mit den neuen Funkwasserwähler iPerl, hat das Gerät auf Herz und Nieren geprüft und getestet, bevor es in der Marktgemeinde zum Einsatz kam. Die Funkstrahlen seien in jeder Beziehung unbedenklich und der Datenschutz werde penibel eingehalten, sagt er.

Dießen – Die Digitalisierung hat längst auch in private Lebensbereiche Einzug gehalten. Ob Telefonieren in InterCity, Einkaufen und Bezahlen mit dem Smartphone, Lernen mit dem Notebook, Zeitungslesen auf dem Tablet, das Fotoalbum in der Cloud oder ein Face-to-Face Plausch via Skype mit der Oma am anderen Ende der Welt – der digitale Wandel schreitet rasant voran.

Und er macht auch nicht Halt vor ganz unspektakulären Geräten wie dem Wasserzähler, der in jedem Haushalt den Verbrauch dokumentiert. Was bislang mechanisch geschah und jährlich abgelesen werden musste, wird jetzt auch in der Marktgemeinde Dießen zeitgemäß angepasst. Nach der Eichgültigkeitsdauer von sechs Jahren ersetzt man im turnusmäßigen Austausch die Geräte nun durch digitale Wasserzähler mit Funkmodul, wobei von den 6.000 Zählern bereits zwei Drittel umgerüstet wurden.

Wegen der Funkfunktion und den damit verbundenen Strahlen sind einige Dießener Bürger verunsichert und befürchten Auswirkungen auf die Gesundheit, die Geschäftsleiter Karl Heinz Springer als übertrieben bezeichnet: „Nach dem derzeitigen Forschungsstand sowie nach Feststellung der fachlich zuständigen Staatsministerien für Gesundheit, Pflege, Umwelt und Verbraucherschutz ist die von den Geräten ausgehende Funkstrahlung gesundheitlich unbedenklich. Ihre Feldstärke liegt typischerweise noch unterhalb der durch Mobilfunkgeräte erzeugten Feldstärke.“

Zu den Bedenken über das neue Gerät äußert sich auch die Herstellerfirma Sensus. Die Sendeleistung der Funkmodule sei so gering, dass die Gerätebatterie eine Lebensdauer von mehr als 15 Jahre habe. Ein Smartphone habe während eines Telefonats eine Sendeleistung von 1.000 Milliwatt im Vergleich zu den funkenden Wasserzählern mit 25 Milliwatt. Die Zählerwerte würden auch nur für den Bruchteil einer Sekunde, nämlich zwei Millisekunden, übertragen. Der Abstand der funkenden Wasserzähler sei im Vergleich von Smartphones exorbitant hoch. Beim Telefonieren betrage der Abstand vom Handy zum menschlichen Körper ein Zentimeter. Jedoch betrage der Abstand zwischen dem Sender des Wasserzählers zum Körper in der Regel zehn Meter. Bei gleicher Sendeleistung würde das lediglich ein Millionstel der Belastung bedeuten.

Zu den von einigen Bürgern geäußerten Datenschutzbedenken wegen der Funkübermittlung sagt Karl Heinz Springer: „Die übermittelten Daten zum Wasserverbrauch werden von uns lediglich für die Berechnung der Wasser- und Kanalgebührenschuld verwendet und in regelmäßigen Abständen wieder gelöscht. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben.“ Nur der Zählerstand, die Statuswerte sowie die Zählernummer würden per Funk in verschlüsselter Form im „Drive By“-Verfahren von den Gemeindemitarbeitern ausgelesen.

Widerspruch möglich

Trotzdem haben die Haus- und Wohnungseigentümer und auch die Mieter nach aktueller Gesetzeslage noch die Möglichkeit, der Datenerfassung und -übermittlung per Funk zu widersprechen und die Abschaltung der Sendefunktion zu verlangen. Dieser Antrag muss schriftlich (nicht per E-Mail) bei der Marktgemeinde eingereicht werden. Ein Mitarbeiter des Wasserwerks wird dann die Abschaltung der Funkfunktion kostenlos vornehmen. In diesen Fällen ist das verbrauchte Wasser zum Stichtag von den Abnehmern selbst abzulesen und der Gemeinde mitzuteilen.

Der Entscheidung der Gemeinde für das iPerl-Gerät sei eine ausführliche Marktanalyse und Teststrecke vorausgegangen, betont Dießens Wassermeister Michael Deininger. Besonders wichtig war für ihn, dass bei diesen Geräten eine mikrobielle Belastung mit Keimen nicht möglich sei. Das neue Gerät ermögliche nicht nur eine Vereinfachung der Gebührenabrechnung. Die Hygiene der gesamten Trinkwasserversorgung werde substantiell verbessert und die Betriebssicherheit erhöht. Bei einem Leck der Versorgungsleitung kann dieses anhand der per Funk übermittelten Statuswerte wesentlich zeit- und kostensparender lokalisiert und behoben werden. In der Vergangenheit ist dies nur durch aufwendige Rohrnetzüberprüfungen mit sehr viel Zeit- und Kostenaufwand möglich gewesen.

Der Behauptung der Funkwasserzähler-Gegner, Dießen und die Stadt Bochum seien die ersten „Versuchskaninchen für das neue System“, kann Michael Deininger ebenfalls widersprechen. Allein im Umkreis von 60 Kilometern um Dießen würden derzeit in 17 Gemeinden die Funkzähler verbaut. Darunter auch die Mitgliedsgemeinden des Zweckverbandes „Wasserversorgungsgruppe Ammersee-West“ mit Schondorf, Greifenberg, Eching und Utting. Dießens Wassermeister Michael Deininger ist Verbandsrat in diesem Zweckverband und Gemeinderat in Schondorf. Er weiß also wovon er spricht, wenn er hartnäckige Gegner des neuen Systems in persönlichen Gesprächen von der Unschädlichkeit der Funkleistung und dem garantierten Datenschutz überzeugt.

Dieter Roettig

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