Auftragsvergabe war vor 4 Jahren:

Gutachten im Dornröschenschlaf

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Rund die Hälfte des von der Karolinenbrücke kommenden Verkehrs auf dem Hauptplatz ist "Binnenverkehr".

Landsberg – Das hat gedauert: Christian Fahnberg vom Ingenierbüro Ingevost präsentierte jetzt im Bauausschuss seine Mobilitätsstudie – in Auftrag gegeben hatte sie die Stadt vor inzwischen fast vier Jahren. „Die Präsentation der Ergebnisse hätte schon im April 2011 stattfinden sollen“, stellte Dieter Völkel (SPD) anhand des beiliegenden Terminplans sichtlich überrascht fest.

An Ingevost lag die Verzögerung offenbar nicht, die Ergebnisse lagen bei der Stadt bereits seit längerem vor. „Die Daten haben ja auch schon bei Professor Knoflacher Verwendung gefunden“, widersprach Fahn- berg einigen Ausschussmitgliedern, die nachfragten, ob „hier wirklich vier Jahre lang nichts passiert ist“. Fahnberg weiter: „Ich bin ja froh, dass ich jetzt überhaupt vortragen darf.“

Die Befragung der Haushalte sei bei einem „sehr ordentlichen Rücklauf“ von 16,6 Prozent repräsentativ und „in jeder Hinsicht verwendbar“, so der Ingenieur weiter, für den auch der lange Zeitraum seit der Erhebung kein Problem ist, „Verkehrsbewegungen sind eine extrem zähe Masse, das dauert sehr lange, bis da was passiert.“ Traudl Lüßmann (Grüne) sah das anders, „was den Hauptplatz angeht, ist doch das alles inzwischen überholt.“

Gerade dieser Einzelaspekt war nach Auskunft von Tiefbauamtschef Hans Huttenloher ursächlich für die späte Präsentation. „Wie Sie selbst wissen, hat 2011 der Hauptplatzumbau begonnen, da war wenig zeitliches Potenzial da, sich damit zu beschäftigen.“

Verwies mit Blick auf die Verzögerungen auf die Amtszeit seines Vorgängers: OB Mathias Neuner (CSU).

„Seitdem wir den Platz wieder geöffnet haben, ist aber auch schon wieder ein Jahr vergangen“, sagte Petra Kohler-Ettner (CSU). Lüßmann („Das ist bedauerlich, dass wir hier so überrascht werden, wenn wir das so lange vorher hätten haben können.“), wunderte sich ebenso wie Wolfgang Neumeier (UBV), dass die Ausschussmitglieder die umfangreichen Unterlagen erst zur Sitzung als Tischvorlage erhielten. „Wir hätten uns gerne etwas besser eingearbeitet, dann hätten wir vielleicht auch die richtigen Fragen dazu stellen können“, meinte Neumeier. Fahnberg brach dagegen eine Lanze für dieses Vorgehen. Oft sei es besser, sich Zusammenhänge zunächst erläutern zu lassen, „denn dann verfestigen sich nicht schon im Vorfeld Meinungen, die sich dann nur schwer wieder ändern lassen.“ Oberbürgermeister Mathias Neuner (CSU), der darauf hinwies, dass die Verzögerung „in der Zeit meines Amtsvorgängers geschah“ und er deshalb nichts dazu sagen könne („Wir sollten nach vorne schauen.“), erinnerte die Ausschussmitglieder daran, dass es „lediglich um Kenntnisnahme der Inhalte“ gehe.

Eben diese Ergebnisse sind durchaus interessant, wenn auch nicht gänzlich überraschend. Auch kurze und sehr kurze Wege werden einerseits in Landsberg mit dem Auto erledigt, andererseits wird viel zu Fuß gegangen. „Und die subjektive Verkehrssicherheit ist nicht sehr hoch, sonst gäbe es nicht so viele Bring- und Hol-Fahrten“, so Fahnberg.

Während sich die meisten Kennzahlen in ähnlichem Rahmen wie in vergleichbaren bayerischen Städten bewegen, gibt ihm der ÖPNV in Landsberg Rätsel auf. „Dafür, dass Sie ein gutes Angebot haben, wird es nicht sehr stark genutzt“, hat er festgestellt, „der Stadtbus ist noch nicht in den Köpfen der Landsberger angekommen, ich frage mich, warum.“

Er räumte dann auch mit einem „Ammenmärchen“ auf, dass „wahnsinnig viele unnötige Wege gemacht werden“. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, Bus oder Auto – insgesamt bewegen sich die Landsberger pro Tag im Schnitt 3,73 Mal irgendwo hin, „das liegt knapp unter dem Durchschnitt“.

Planspiele

Welche Maßnahmen man aus den aufgearbeiteten Daten angesichts knapper Kassen ableiten könne, wusste Fahnberg ebenfalls. So wäre etwa eine Förderung des Radverkehrs kostengünstig möglich, „da sind die Potenziale noch nicht ausgeschöpft“.

Um den stark frequentierten Hindenburgring zu entlasten, gebe es am „Schongauer Dreieck“ ebenfalls eine einfache Möglichkeit. „Wenn der Danziger Platz (offizielle Bezeichnung, d. Red.) nicht mehr auf den Hindenburgring führt und sie da zu machen, werden sie eine Entlastung bekommen, das zeigt die Erfahrung klar.“

Diese und weitere Planspiele aus dem ebenfalls von Ingevost erarbeiteten Verkehrsentwicklungsplan sind bislang allerdings eher Zukunftsgedanken. Zwar enthält der Plan etwa mehrere Varianten, die Breslauer Straße mit mehr Grün und besseren Rad- und Fußwegen umzugestalten, eine aufkeimende Debatte über Einzel- heiten erstickte Neuner aber schnell: „Wenn wir mal so weit kommen, dass wir über die Kosten für so etwas reden, ist die Diskussion vielleicht schnell wieder erledigt.“

50% Binnenverkehr

Aktuell interessanter, gerade für die umstrittene verkehrliche Zukunft auf dem Hauptplatz, dürften wohl einige Zahlen sein, die Ingevost bei gesperrtem und offenem Platz erhoben hat. Sind beide Lechbrücken für den Verkehr frei, fahren demnach pro Tag insgesamt knapp 28000 Fahrzeuge darüber. Rund 60 Prozent davon, also über 16000, gehen über die Karolinenbrücke und damit über den Hauptplatz. Rund die Hälfte davon ist durch „Binnenverkehr“ der Landsberger verursacht. Dieser Teil der Studie wurde allerdings lediglich mündlich präsentiert und war in der Sitzungsvorlage für die Ausschussteilnehmer nicht enthalten…

Christoph Kruse

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