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„Dinner Party“ in Landsberg: landsberger bühne feiert Premiere

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Von: Alois M. Kramer

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Dinner Party labü Stadttheater Landsberg 2022
Die „Dinner Party“ im Stadttheater gaben (v.l.) Harald Dolliger (André Bouville), Götz Hofmann (Albert Donay), Daniela Echterbruch (Gabrielle Buonocelli), Juri Olbrich (Claud Pichon), Constanze Günther (Mariette Lemieux) und Rubina Lichtenstern (Yvonne Fouchet). © Kramer

Landsberg – „Die Liebe ist ein seltsames Spiel, sie kommt und geht von einem zum anderen“, sang Connie Francis im Jahr 1960. Damals war das ein Schlager und kein „Hit“ oder „Song“, wie man heute sagt. So trivial der Satz über die Liebe ist, er hat etwas Wahres an sich. Das zeigte auch die neueste Produktion der landsberger bühne, die am Freitagabend im Stadttheater unter großem Beifall des nahezu vollen Hauses Premiere feierte. Die Geschichte der „Dinner Party“ von Neil Simon ist ein absoluter Klassiker. Und sie ist eine Momentaufnahme der Liebe. 

Drei Männer und zwei Frauen treffen sich zu einem Abendessen, wissen jedoch nicht, wer sie eingeladen hat und welchem Zweck die Einladung folgt: ein Antiquariatsbesitzer, ein verhinderter Künstler, ein Modezar sowie eine erfolgreiche Schriftstellerin und eine einfache Hausfrau. Verlassensein, Wiederverheiratetsein, Gefühle noch füreinander spüren, das sind Inhalte der Gespräche, die sich entfalten. Die innere Dynamik des Stücks ergibt sich durch die Frage, wer mit wem mal zusammen war und wer überhaupt der Gastgeber ist. Und sie kreisen immer wieder um das stärkste aller Gefühle: „Auch der Skrupelloseste ist der Liebe fähig“, heißt es an einer Stelle.

Was wie ein lustiger Abend daherkommt, entpuppt sich während des Spiels als eine Art Psychodrama. Mit großem Gespür für die leisen und lauten Töne eines Stücks hat das Regie-Duo Diedke Moser und Claudia Dlugosch das Werk von Neil Simon inszeniert – einem Drehbuchautor, der vielen noch im Gedächtnis ist durch die Filme „Barfuss im Park“ und „Ein seltsames Paar“. Wo er in diesen Spielfilmen durch Originalität und Wortwitz glänzt, sind in der „Dinner Party“ die Dialoge leider gewollt geistreich, lahm und zünden nicht so recht. Das Lachen der Zuschauer ist auch meistens eher verhalten.

Bühnenpräsenz

Die männlichen Darsteller – Juri Olbrich (Claude Pichon), Götz Hofmann (Albert Donay) und Harald Dollinger (André Bouville) – sowie die weiblichen – Constanze Günther (Mariette Levieux), Rubina Lichtenstern (Yvonne Fouchet) und Daniela Echterbruch (Gabrielle Buonocelli) – sind wunderbar textsicher und schauspielerisch alles andere als Laiendarsteller. Götz Hofmann sticht durch seine Bühnenpräsenz besonders hervor, wogegen Juri Olbrich allerdings leicht hölzern wirkt.

Harald Dollinger gibt den verruchten und beziehungstechnisch eher flexiblen Modeladenbesitzer so lässig und cool wie sein unangepasstes Outfit. Rubina Lichtenstern ist an den lauten Stellen leider kaum zu verstehen, weil sie zu schnell spricht. Sie hat Szenen, in denen sie hektisch und expressiv agieren muss. Der Altersunterschied zwischen ihr und Albert Donay, von dem sie zwei Mal geschieden ist, gerät ein bisschen zu groß, sodass man diesem Paar die Ehe nicht ganz glaubt. Constanze Günther sollte ruhig ein bisschen lauter sprechen. Gelungen sind die innigen Szenen zwischen Götz Hofmann und Rubina Lichtenstern, in denen sie über ihre beiden Ehen reflektieren. Daniela Echterbruch müsste in ihrer Rolle als Gastgeberin und zentrale Figur des Stücks wesentlich mehr Wirkung entfalten.

Das angenehm spärliche, aber doch mit großem Geschmack gestaltete Bühnenbild (verantwortlich: Maria Sedelmayr) gibt den Blick frei auf einen vornehmen Nebenraum in einem Hotel. Rechts steht ein gedeckter Tisch – gut der Einfall mit den Plexiglasstühlen, die somit nicht zu sperrig und ‚füllend‘ wirken. In der Mitte sticht ein riesiger, knallroter Sessel ins Auge und links steht ein Buffet, auf dem Häppchen und Champagner zum Essen und Trinken locken – insegsamt also viel Raum für die Darsteller, um sich zu bewegen und den gesamten Bühnenraum einzunehmen.

Mit dieser Inszenierung hat die landsberger bühne gezeigt, zu welchen Leistungen das gesamte Team fähig ist, auch wenn das Stück nicht unbedingt der Brüller ist. Wohlverdienter Beifall und Bravorufe.

Das Stück ist nochmals zu sehen am  Mittwoch, 15. Juni, am Donnerstag, 16. Juni, und am Freitag, 24,. Juni, jeweils 20 Uhr. Tickets im Reisebüro Vivell und im Theaterbüro. Mehr Infos unter www.landsberger-buehne.de.

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