Glosse

Himmel oder Hummel

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Vielleicht ein Doppelname?

Als ob nicht der zumeist ausgetrocknete Hungerbach in Seestall schon genug hohe Wellen schlägt. Nein, jetzt erlangt im Fuchstal noch ein ganz anderes Thema fundamentale Bedeutung. Es geht darum, dass die Räte für zwei Straßen im neuen Baugebiet an der Kreuzstraße Namen vergeben haben. Die eine heißt Gans­äcker, der südliche Weg soll den Namen Himmelbach tragen.

Letzterer gefällt dem Bürgermeister „richtig guat“. Karg hat ihn einer Flurkarte entnommen. Rucki zucki war das Thema im Gemeinderat durch; einstimmig wurde die Bezeichnung durchgewunken. Eine ungewöhnlich schnelle Einigung, von der sich Ratsmitglied Johannes Wolffhardt gar überrascht zeigte: „Ich hab mich schon auf eine drei Stunden lange Debatte gefreut.“ Weit mehr als die von Wolffhardt angesprochen drei Stunden werden jetzt wohl im Nachgang des Beschlusses in gründliche Recherche oder gar in eine Korrektur zu investieren sein. Denn es gibt Stimmen in der Gemeinde, dass anstelle des „I“ ein „U“ gesetzt werden muss – statt Himmelbach also Hummelbach.

Wasser auf die Mühlen der Karg-Kritiker ist wohl diese Einschätzung: „Himmelbach gibt’s koan“. Das bekundet Chronist und Altbürgermeister Franz Haibl. Da hätten die bloß a alte Flurkarte anschauen müssen, fährt der frühere Rathauschef seinem Nachfolger Karg just bei diesem zentralen Thema in die Parade. Er werde den Bürgermeister schon noch anrufen und ihm sagen, dass vor der Flurbereinigung 1934 der Hummelbach, der bei Schäfmoos entspringt, unter der Straße nach Denklingen durchgeflossen und im Osten von Leeder an den früheren Krautgärten entlang Richtung Asch verlaufen war.

Seit Jahrzehnten aber läuft der Hummelbach von Südwesten her nach Leeder über die Hin­ter­ried- in die Hauptstraße und verbindet sich an der Kreuzung Aschthaler Straße mit dem Schmidbach. Beide sind im Ortsbereich verrohrt und münden am Nordende von Leeder in den Wiesbach, der mehrere Kilometer über Unterdießener und Landsberger Flur fließt, ehe er in den Lech mündet. So viel Heimatkunde muss sein!

Erwin Karg, von der Redaktion noch am Sonntagabend in fröhlicher Stimmung beim Schongauer Schockerberg (Starkbierfest der CSU) in gnadenloser Recherche zum Beweis gedrängt, legte dem KREISBOTEN am Montagvormittag zur Ernüchterung der Kritiker den Auszug einer Flurkarte vor. Aus der geht hervor: Die Lagebezeichnung im Amtlichen Liegenschaftsbuch der jeweiligen Grundstücke beläuft sich im Bereich des Baugebietes auf Gäns­äcker und Himmelbachäcker.

Doch Gemeinderätin Franziska Welz aus Seestall fühlt dem Bürgermeister bei diesem geschichtlich-geografischen Thema auf den Zahn. Nachdem man sich im Gemeinderat aufgrund eines Schreibfehlers in einer alten Flurkarte für eine falsche Namensbezeichnung im Baugebiet Kreuzstraße entschieden habe, stellt sie den Antrag, dies in der nächsten Sitzung zu korrigieren.

Von Karg erging daraufhin an Welz die Bitte, sie möge den Sachverhalt mit dem Vermessungsamt abklären. Doch die Antwort folgte am Montag prompt. Den Kontakt mit dem Vermessungsamt nehme sicherlich nicht sie auf; das sei schon Sache der Verwaltung, ließ die Gemeinderätin aus Seestall, zugleich dritte Bürgermeisterin, den Rathauschef wissen. Da habe sich nun mal ein Fehler eingeschlichen, der mit wenig Aufwand korrigiert werden könne.

Wie es weitergeht? Die Mitarbeiter des Vermessungsamts können sich schon mal auf einen gut gelaunten Besucher aus dem Fuchstal einstellen (der wohl mit Motorradkluft in der Bürostube erscheinen wird). Und das Landratsamt möge Nachsicht walten lassen, wenn wegen der zeitaufwändigen Recherchen zu diesem gewichtigen Thema der ohnehin in Verzug geratene Haushalt für die Gemeinde Fuchstal noch ein paar Wochen auf sich warten lässt. 

Johannes Jais

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