Fluch oder Segen?

CSU diskutiert in Finning mit Alt und Jung über Digitalisierung

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Lebhaft diskutierten bei der CSU Alt und Jung über die Digitalisierung. Unser Bild zeigt (v.l.n.r.) Heinz Haaf (Seniorenunion), MdB Michael Kießling, Christoph Heumos, Stephanie Weiss und Matthias Ostner (alle Junge Union), MdL Alex Dorow, Abt Dr. Notker Wolf, MdL Dr. Thomas Goppel und Software-Unternehmer Andreas Maslo.

Finning – Die spannende Frage, ob die fortschreitende Digitalisierung Alt und Jung spaltet, muss man nach der lebhaften Diskussionsrunde der CSU im Finninger „Staudenwirt“ wohl mit „Jein“ beantworten. Eingeladen hatten die Junge Union Ammersee-Westufer und die Seniorenunion Landsberg im Rahmen der JU-Seegespräche.

Für die ältere Generation stiegen zwei prominente Vertreter in den Ring: Dr. Thomas Goppel (71), Ex-Minister und dienstältester Parlamentarier im Bayerischen Landtag sowie Abt Dr. Notker Wolf (78), früher Erzabt des Klosters St. Ottilien und Abtprimas der Benediktiner mit 7.500 Mönchen und 16.500 Nonnen und Schwestern. Die Jugend war selbstsicher vertreten mit dem erfolgreichen Software-Unternehmer Andreas Maslo (30) und der Studentin Stephanie Weiss (20). Sie bekannte sich offen als zuhause in den sozialen Netzwerken und als Konsumentin der Kaufangebote im Internet. Wie die meisten der knapp 60 Millionen deutschen Smartphone-Nutzer.

Andreas Maslo steuert vom Handy aus sogar seine ganze Firma, während Thomas Goppel bis zu drei Stunden täglich nicht gerade begeistert seine Facebook- und Email-Nachrichten studiert, wobei ihm dabei „das Persönliche“ abgehe. Er habe nichts gegen die Netzwerke, ihn störe aber die „Entblößung“ vieler Nutzer.

Auch Abt Notker Wolf empfindet es als einen „Angriff auf die Würde der Menschen“, wenn man alle Details des täglichen Lebens über die Netzwerke kundtut. Überhaupt vergeude man zuviel Zeit im Internet, wo man von den großen Konzernen manipuliert und ausspioniert werde. Es sei ein alarmierendes Zeichen, dass es bereits Einrichtungen wie die Psychosomatische Klinik im Kloster Dießen gebe, wo man „Digital-Junkies“ von ihrer Sucht heilt.

Andreas Maslo räumte mit dem Missverständnis auf, dass Digitalisierung nur aus Facebook, WhatsApp, Google und Amazon bestehe. Das Thema sei unendlich komplexer und gehe von der Vereinfachung und Beschleunigung von Prozessen in Industrie oder Haushalt über die digitale Krankenakte und autonomes Autofahren bis hin zur künstlichen Intelligenz. Selbst Abt Notker Wolf benutzt einen Staubsauer- und Fensterputzroboter, wie er einwarf.

Man dürfe nicht nur die negativen Seiten ansprechen, so Maslo. Die Digitalisierung, verantwortungsvoll eingesetzt, biete ungeheure Chancen, Leben und Arbeit besser zu gestalten. Leider fehle es in Deutschland vielfach an Willen, Know-How und an der Infrastruktur als dringende Voraussetzung.

In Europa stehe Deutschland diesbezüglich auf dem vorletzten Platz. Wir seien scheinbar noch nicht reif für ein digitales Wirtschaftswunder. „Obwohl unser Alexander Dobrindt CSU-Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur im letzten Kabinett Merkel war“, wurde da an einem Gästetisch getuschelt. Heidrun Hausen von der CSU-Mittelstandsunion besänftigte die älteren Digi-Skeptiker: „Der Fortschritt ist genauso wenig aufzuhalten wie einst die Industrielle Revolution. Digitalisierung ist weder gut noch schlecht. Wir müssen die Problematik nur gut lösen. Und wir hören genau hin auf die gesunde Skepsis unserer Senioren.“

Bundestagsabgeordneter Michael Kießling betonte, es gebe sogar eine eigene Regierungskommission, die sich explizit mit der Digitalisierung auseinandersetze: „Man muss sich dem Wandel stellen und nicht gleich alles verteufeln.“ Alex Dorow, Abgeordneter im Bayerischen Landtag und auch eifriger Nutzer von digitalen Kommunikationsmedien, sah das aus Sicht seiner Familie entspannt und vor allem positiv: „Meine hochbetagte Mutter benutzt mit Begeisterung ihr Smartphone und bleibt so stets mit ihren Enkeln in Verbindung.“

Dieter Roettig

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