Guter Ansatz, fade Ausarbeitung

Django Asül kann in Landsberg nicht überzeugen

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Wenn der Niederbayer Django Asyl zum "offenen Visier" die Bühne betritt, darf das Stammtisch-Weißbier nicht fehlen.

Landsberg – Der Auftakt ist das Weißbier. Wenn der Niederbayerische Kabarettist Django Asül die Bühne betritt, darf das Hopfen-Nass nicht fehlen. Am Sonntagabend zeigte er sein neues Programm „offenes Visier“ in der Mittelschule. Das Publikum applaudierte wohlwollend. Aber nicht überzeugt.

Erzähl den Leuten was über ihre Heimat – das kommt gut. Denkt sich auch Asül, weshalb er oft mit Lokalem startet. Auch in Landsberg. „Für Niederbayern war Landsberg ja schon immer der Inbegriff des Mondänen“, schmeichelt er. Nahezu das „Paris des Allgäus“, mit einer Altstadt, die „schon als Altstadt konzipiert war“. Obwohl Asül nicht wegen des Pittoresken herkommt. Vielmehr hat er geheimes Insiderwissen: über den Werksverkauf bei Rational.

Es funktioniert: Das Publikum ist auf seiner Seite. Und das braucht Asül. Mit dem Programm „Offenes Visier“ sei er noch nicht lange unterwegs, gesteht er. Seit September steht er damit auf den Bühnen. Landsberg sei noch Versuchsbühne.

Dass das Ganze irgendwie unrund ist, merkt man. Der Fluss fehlt, der rote Faden. Man wartet auf Pointen – und es kommen keine. Zumindest nicht die, die einen zum Lachen, zum Nachdenken, zum Entsetzen treiben. Man lächelt, denkt nicht und entsetzt sich kurz, wenn Asül E-Autos, die „rollenden Riesenbatterien“, als Mittel gegen die Überbevölkerung deklariert. Denn immerhin sterben beim Gewinn von Kobalt und Lithium massenweise Kinder. Und Lamas.

Das ist der Biss, den man erwartet. Immerhin durfte er wegen seiner Schärfe nur einmal den Bruder Barnabas mimen, immerhin ist er Starkbierredner, immerhin hat Asül erst letztes Jahr den Bayerischen Kulturpreis bekommen. Das Programm lässt diesen Biss aber missen. Und irgendwie auch das Politische.

Thema des Abends: Asüls Stammtisch in Hengersberg, an dem ihn sein ‚Berater‘ Hans mit Lebensweisheiten schult: „Die Realität da draußen hat schon lang nichts mehr mit der Wirklichkeit zu tun.“ Oder: „Fakten sind wichtig, aber die müssen mit den Tatsachen übereinstimmen. Und dann kommt es auf den Blickwinkel an.“ ‚Ja, genau!‘, denkt man. ‚Wichtiges Thema, lass hören.‘ Aber was dann kommt, verpufft in kleinen Nettigkeiten.

Da geht es um den Urlaub mit den Schwiegereltern, um wahres Glück und Baileysschorle (mit einem Schuss Espresso), um Pausengespräche mit dem Publikum. Um Asüls Schulzeit, den Ostler Karl May, der Western schreibt, um ein bisschen Geschichte anhand der Phönizier – und der Conclusio, dass die Stimmung auf Malta wegen der Mischung aus Bakschisch und Mafia so gut ist. Der historische Abriss könnte spannend sein, wenn er nicht so verworren wirken würde. Und Asül ab und zu noch ein „hab ich vergessen zu sagen“ einschieben muss.

Auch andere Hoffnungsfunken blinken. Wenn Asül gegen Individualismus und Optimierungswahn wettert: „Alle wollen studieren und dann gibt es zu viele Fahrradkuriere.“ Über das Schwarz-Weiß-Denken, den Verlust der Nuancen. Darüber, dass Lebenserwartung nicht vom Alter, sondern von der Erwartung des Einzelnen abhängt. Wenn er das Thema Rassismus pointiert kommentiert: Dass Afrikaner in Afrika „bunt innerhalb des Schwarzbereichs“ sind. Und dass ein Afghane mit Akademikertitel hierzulande schon fast als Schwede durchgeht. Natürlich punktet Asül auch, wenn er in die Rolle des türkischen Onkels schlüpft und vom libanesischen Clan in Berlin berichtet.

Aber bei allem würde man sich mehr Ausarbeitung wünschen, weniger Ausfransen. Und auch mehr Aktualität. Lediglich nach dem Applaus kommentiert Asül Thüringen und die FDP mit einem Satz. Die Kommunalwahlen kommen nicht vor. Aber gerade deshalb, wegen den spitzen Kommentaren, wegen der gekonnten Formulierungen will man doch zu Django Asül. Vielleicht braucht der Kabarettist noch ein bisschen ‚Schmierphase‘ und „offenes Visier“ wird in einem halben Jahr zum Genuss. Wer weiß.
Susanne Greiner

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