Sie hat doch nur helfen wollen

„Vieles ist im Dunklen geblieben in dieser Verhandlung“, musste der Vorsitzende Wolfgang Daum am Ende des Prozesses gegen eine 32-jährige arbeitslose Buchhalterin feststellen, die wegen Betrugs vor dem Schöffengericht stand. Ungeklärt ist zum Beispiel der Verbleib von 10000 Euro, die unauffindbar verschwunden sind. Das Geld stammt aus einem Kredit, den die Angeklagte einem nicht geschäftsfähigen, blinden Mann besorgt hatte.

Die Angeklagte lebte gemeinsam mit dem 54-Jährigen und seiner Mutter als Mieterin in deren Haus im zentralen Landkreis. Obwohl beide unter der Obhut gesetzlicher Betreuer standen und eigenständig keine größeren Geldgeschäfte vornehmen durften, startete die 32-Jährige für sie eine Serie von Kreditanfragen. Im Sommer 2007 gewährte die Deutsche Bank tatsächlich ein Darlehen von 4000 Euro. Später flossen noch einmal 10000 Euro von Easy Credit. In allen weiteren Fällen wurden die angefragten Banken misstrauisch und dem Betreuer gelang es, Kredite zu verhindern oder direkt zurückbuchen zu lassen. Sie habe Mutter und Sohn nur helfen wollen, beteuerte die Angeklagte vor Gericht. Beide hätten ständig Streit mit den Betreuern gehabt und dringend Geld für die Renovierung ihres Hauses gebraucht. Sie habe weder selbst über die Beträge verfügen wollen, noch irgendwelche Zahlungen erhalten. Der 54-Jährige, der als Zeuge gehört wurde, bestätigte das. Die 10000 Euro aus einem der Kredite wollte er selbst ausgegeben haben. Nicht alles passte jedoch ins Bild der reinen Hilfsbereitschaft. So war die 32-Jährige häufig die Miete schuldig geblieben und wurde von den Betreuern per Räumungsklage zum Ausziehen gezwungen. Dass ihr schriftlich die Einmischung in die Angelegenheiten von Mutter und Sohn untersagt wurde, ignorierte sie. „Sie verkehrt noch heute bei den Leuten“, wusste die Betreuerin der Mutter. Diese gehe im Ort betteln, obwohl ihr 90 Euro Wirtschaftsgeld pro Woche zur Verfügung stünden. Ein weiterer Punkt stand zwar nicht zur Anklage, machte aber auf das Gericht einen denkbar schlechten Eindruck. Im Sommer 2008 bot die 32-Jährige gelernte Buchhalterin das Haus ihrer Bekannten im Internet zum Verkauf an. Interessenten meldeten sich und führten bereits Finanzierungsgespräche mit ihrer Bank, die aber wegen des niedrigen Kaufpreises von 160000 Euro misstrauisch wurde. Wiederum schritten die Betreuer ein. Auch wurde der Angeklagten vorgeworfen, Waren aus dem Internet bestellt und nicht bezahlt zu haben. Sie selbst hatte Uhren, Wein und Parfum zum Kauf angeboten und Zahlungen kassiert, ohne die Waren liefern zu können. Insgesamt kamen 22 Fälle von Betrug und versuchtem Betrug zusammen. Da die Angeklagte einschlägig vorbestraft war, verhängte das Gericht eine Haft-strafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Zudem muss sie 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

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