Und doch nicht ganz vergessen

Da kommt Freude auf imMalura Museum: Landrat Walter Eichner (rechts) überreichte auf der Vernissage zur Loher-Sonderausstellung einen Scheck der Sparkassenstiftung. Monika Groner (links), 1. Vorsitzende des Malura-Freundeskreises, und Museumsdirektor Andrew Malura (Mitte) nannten als mögliche Verwendungszwecke eine dringende Mauerwerkssanierung, die Anschaffung eines Klaviers und die Förderung der Jugendarbeit. Foto: Pönitzsch

Sie zählen zur so genannten „verschollenen Generation“: der Maler Joseph Loher (1907 - 2002) und seine Ehefrau, die Malerin Gretel Loher-Schmeck (1907 - 2003). Im Dritten Reich wurde ihre Kunst als „entartet“ bezeichnet, nach 1945 als „überholt“, sodass sie wie viele andere Künstler fast in Vergessenheit gerieten. Jetzt hat das Malura Museum in Oberdießen dem Münchener Malerehepaar eine Sonderexposition gewidmet.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir die Ausstellung in unser Haus holen konnten“, sagt Museumsdirektor Andrew Malura. Es sei ein vorrangiges Anliegen, nicht nur zeitgenössische Künstler, sondern auch Zeitgenossen des Vaters, des Malers, Galeristen und Kunstförderers Oswald Malura (1906 – 2003), zu präsentieren. In zwei Räumen und im Foyer sind derzeit 30 Gemälde, darunter vier von Gretel Loher-Schmeck, zu sehen. Landschaften, Stillleben, Porträts und auch Akte, munter und kraftvoll, kommen auf den weißen Wänden des mehrere Jahrhundert alten Bauernhauses des Malura Museums voll zur Geltung. Man könnte meinen, die Männer mit einem Buch in der Hand sitzen genau in diesem Zimmer, die jungen Frauen halten sich auf dem Hof auf, zum Fenster hinaus schaut man auf die Wiesen und Felder. Die Lohers traten als Zweite Expressionisten-Generation mit viel Farbigkeit und klaren, einfachen Formen das Erbe von Barlach, Chagall und Feininger, über Kandinsky, Kokoschka bis Rohlfs oder Schmitt-Rottloff an. Die Geburt deren künstlerischen Nachfahren fiel um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Nach der Ausbildung setzte der Nationalsozialismus ersten künstlerischen Erfolgen ein jähes Ende. Wenn die Arbeiten nicht gleich der Vernichtung zum Opfer fielen, wurden sie diffamiert, verhöhnt und abgestempelt. So erging es auch dem jungen Malerehepaar Loher, deren Bekanntheit als Meisterschüler keinen Wert mehr hatte, als sie 1937 mit ihrem prominenten, verfehmten Lehrer, Prof. Karl Caspar, die Akademie der Bildenden Künste München verließen. Sie teilten das Schicksal vieler Zeitgenossen, mussten sich ins Privatleben zurückziehen und unter dem Ausstellungs- und Malverbot im Verborgenen arbeiten. Die Lohers bezogen ein altes baufälliges Bauernhaus in Frotzhofen bei München. Gretel Loher-Schmeck beschränkte ihre künstlerische Tätigkeit ab 1940 nur noch auf Skizzen und Zeichnungen, hatte sie doch mit der Eigenversorgung der Familie alle Hände voll zu tun. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich das Drama fort: Der Kunststil der figurativexpressionistischen Malerei galt als gestrig, altmodisch. Sohn Martin Loher und die Kunsthistorikerin Dr. Natascha Niemeyer-Wasserer haben sich mit der Gründung des „Loher-Archivs“ der Aufarbeitung des Nachlasses des Malerehepaars Loher verschrieben und für eine späte Würdigung der künstlerischen Arbeit gesorgt. In die Winterpause Mit der Loher-Exposition beendet das Malura Museum das Ausstellungsjahr 2010. „Unser erfreulicher Trend hat sich fortgesetzt. Wir können wiederum eine erfreuliche Saison verbuchen“, bilanzierte Museumsleiter Andrew Malura. Das Museum geht am 25. Oktober in die bis 1. Mai 2011 währende Winterpause. Bis dahin ist es weiterhin mit seinem Café Samstag und Sonntag von 12 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung geöffnet. Kontakt: Malura Museum Mühlweg 2, Oberdießen, Telefon 08243/36 38.

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