Doktor in Kalkutta – Landsberger Ärzte beim Einsatz in Indien

Im Sommer vergangenen Jahres haben sie zwei Monate in den Slums von Kalkutta verbracht und im Herbst wollen sie wieder dort hin: Das Landsberger Ärzte Ehepaar Drs. Anne-Imke und Eckhart Clapier halfen dort, wo sonst fast keine Hilfe ankommt. Im Rahmen der deutschen Organisation „Ärzte für die Dritte Welt“ behandelten sie kostenlos bis zu 200 Menschen am Tag.

Sechs „German Doctors“ sind permanent vor Ort. Jeder bleibt sechs Wochen. „Für zwei, die gehen, kommen zwei Ärzte neu dazu“, erklärt Anne-Imke Clapier das Prinzip. „So lassen sich immer Zweierteams mit einem vor Ort bereits erfahrenen Arzt bilden.“ Montag bis Freitag tun sie ihren Dienst in den Ambulanzen – meist einfache Hütten in den verschiedenen Slums im Großraum Kalkutta. Ein Team besteht immer aus zwei Ärzten und etwa zehn indischen Helfern: unter anderem Übersetzerinnen, Impf-, Verbands- und Apothekenschwester und Fahrer. Vor den Ambulanzen warten zwischen 150 und 300 Patienten, oft schon seit Sonnenaufgang. An manchen Samstagen haben Anne-Imke und Eckhart Clapier Tuberkulosekranke in ihren Wohnungen besucht. Ein Health Worker, der aus dem Slum kommt, begleitete die Mediziner, „sonst würde man sich dort hoffnungslos verlaufen“. Tuberkulose ist zwar gut heilbar. Die Behandlung dauert aber Monate. Und die Einnahme der Medikamente muss überwacht werden, damit die Patienten die Behandlung nicht zu früh abbrechen und nicht mehr heilbare, Antibiotika resistente Formen entwickeln. In Indien gibt es keine Krankenversicherung. „Damit sind unsere Patienten, die oft nicht das Nötigste zu essen haben, trotz der sehr guten medizinischen Möglichkeiten in Kalkutta praktisch von einer ärztlichen Versorgung ausgeschlossen“, erklärt Anne-Imke Clapier. Und das, obwohl Medikamente und diagnostische Maßnahmen aus unserer Sicht recht preisgünstig wären. Eine Masernimpfung etwa kostet nur 50 Cent, eine Röntgenuntersuchung fünf Euro und die Tuberkulose-Behandlung für Monate zwischen zehn und 20 Euro. „Neben der Tuberkulose ist das drängendste Problem aus medizinischer Sicht die chronische Lungenerkrankungen wegen der schlechten Luft. Fast 50 Prozent der Patienten leiden darunter. Außerdem gibt es viele Fälle von Durchfallerkrankungen, Diabetes mellitus sowie die Mangelerscheinungen durch die extreme Unterernährung“, berichtet Eckhart Clapier. Kinderambulanz im Aufbau Neben der Behandlung akuter Krankheiten sind vor allem präventive Maßnahmen vordringlich, wie Impfungen oder die Versorgung mit Vitaminen, Eisen, Zink oder Jod sowie die Betreuung und Beratung von Schwangeren. So versorgen die Ärzte jedes Kind und jede schwangere Frau mit Vitaminen und Mineralstoffen. Gerade die Kinder und ihre Mütter liegen den Clapiers besonders am Herzen: „Es kommen jeden Tag so viele Menschen, dass wir nicht alle behandeln können. Manche Mütter reagieren tief verzweifelt, wenn sie wieder nach Hause geschickt werden müssen. Wir suchen nach Wegen, dies zu verbessern“, verrät Eckhart Clapier. Geplant ist eine eigene Kinderambulanz und Mütterberatung. Die Organisation arbeitet derzeit an der nötigen Finanzierung von monatlich 2000 Euro. Am Ende ihres Aufenthalts in Indien haben die Clapiers auch das Projekt von Dr. Mascarenhas besucht, das der Landsberger „Eine Welt Verein“ seit über 20 Jahren unterstützt. Auch er behandelt bis zu 200 Menschen am Tag, allerdings in abgelegenen Dörfern. Anne-Imke Clapier: „Dort haben wir auch viele schwer kranke Patienten gesehen. Bei ‚Mac‘ haben aber am Ende des Tages alle, die gekommen sind, eine Behandlung erhalten. Und durch seine liebevolle Grundhaltung liegt über seiner Arbeit eine unglaubliche Ruhe und Freude, trotz des Leids und der Armut der Patienten.“ Vortrag am Freitag Von beiden Projekten berichten Anne-Imke und Eckhart Clapier am Freitag, 20. März, ab 19.30 Uhr im Gemeindesaal der Christuskirche in der Von-Kühlmann-Straße 39 in Landsberg.

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