Penzing gelingt der politische Coup

Peter Hammer soll Penzinger Bürgermeister-Kandidat werden

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Bis vor Kurzem noch Kasernenkommandant, jetzt der Penzinger Bürgermeisterkandidat: Peter Hammer.

Penzing – Der ehemalige Kasernenkommandant des Fliegerhorsts Landsberg, Peter Hammer (47), soll gemeinsamer Kandidat der CSU und der Dorfgemeinschaft für das Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters werden. Das gaben beide Gruppierungen am Montag in einer Pressekonferenz bekannt. Die offizielle Nominierung ist für den Herbst geplant. Hammer, der in Apfeldorf wohnt, ist der erste Nicht-Penzinger, der sich um das Amt bewirbt.

Nach dem Hauptmotiv für diesen Schritt braucht man nicht lange zu fragen: Die Gemeinde hat nach der zu erwartenden Freigabe durch die Bundeswehr ein Vorkaufsrecht für das Gelände des Fliegerhorsts und ist damit Verhandlungsführerin in einem Verfahren, an dem auch der Landkreis und die Stadt Landsberg lebhaft Anteil nehmen. Zwar kann sie das Areal aus finanziellen Gründen nicht allein erwerben. Sie nimmt aufgrund der bestehenden Planungshoheit dennoch eine Schlüsselposition ein.

„Das ist eine Mammutaufgabe und genau der Grund, warum wir glauben, dass Peter Hammer der beste Mann für dieses Amt ist“, sagte Peter Rief, Vorsitzender des CSU Ortsverbandes, bei der Pressekonferenz. Rief und Hammer kennen sich seit über 15 Jahren. Von Hammers Führungsqualitäten ist auch Wolfgang Frei, Sprecher der Dorfgemeinschaft Penzing überzeugt. „Er wird bei den anstehenden Konversionsverhandlungen sicher das Beste für Penzing herausholen“. Die Voraussetzungen dazu bringt Hammer jedenfalls mit: Der Hauptmann war bis zum Herbst 2018, als das Nachkommando des Lufttransportgeschwaders 61 den Fliegerhorst verlassen hat, quasi Chef der Liegenschaft und von der Bewachung bis zur baulichen Instandhaltung für sie verantwortlich. Auch jetzt spricht er noch von „seinem Fliegerhorst“.

Hammer, der momentan seinen Dienstsitz noch in Koblenz hat, aber am Wochenende pendelt, sei auch aus anderen Gründen der richtige Mann zur richtigen Zeit. Als Apfeldorfer habe er keine verwandtschaftlichen Beziehungen nach Penzing; er sei „ein neutraler Mensch“ – das sei vor allem bei Grundstücksverhandlungen von Vorteil, denn „die Schaffung von Baugebieten stehe sicher ganz oben auf der Agenda des neuen Gemeinderats“, sagte Frei dem KREISBOTEN. Auch Rief hat noch ein zweites Motiv für die Nominierung des Offiziers: „ Peter Hammer weiß was es heißt, eine Dienststelle zu leiten und somit eine Verwaltung zu führen“. 

Werner Lauff

Kommentar

Das ist ein Geniestreich der Dorfgemeinschaft und der CSU Penzing: Rechtzeitig vor Beginn der Vertragsverhandlungen zwischen der Gemeinde und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben benennen sie den ehemaligen Kasernenkommandanten Peter Hammer als Bürgermeister. Wird er offiziell nominiert und im März 2020 gewählt, verfügt die Gemeinde über einen Verhandlungsführer wie er im Buche steht.

Vor diesen Gesprächen ist zunächst eine Menge Organisationstalent gefragt, das Hammer hinreichend unter Beweis gestellt hat. Die Konversion in Penzing ist hochkompliziert. Unter Einbeziehung externen rechtlichen und wirtschaftlichen Knowhows gilt es, die Interessen der Gemeinde, der Stadt Landsberg (der ein kleiner Teil des Geländes gehört), des Landkreises und der bereits vor der Tür stehenden Wirtschaftsunternehmen unter Berücksichtigung diverser Förderszenarien „just in time“ so zu bündeln, das Macht entsteht. Ohne eine solche Machtposition kann die finanzschwache Gemeinde Penzing nur wenig ausrichten.

Dabei geht es ohne Übertreibung um die Ausübung historischer Verantwortung. Die zu treffenden Entscheidungen können die Gemeinde auf Jahrzehnte hinaus erfreuen, aber auch belasten. Arbeitsplätze sind nur eine Seite der Medaille; auf der anderen geht es um Wohnungen, Kindergärten, Straßen, Schulen, Verkehr, Umwelt und Lärm. Unternehmen brauchen Infrastruktur, Planungssicherheit und Entwicklungsoptionen. Die Gemeinde braucht Erlösgarantien und die Gewissheit, sich nicht aus dem Augenblick heraus zu übernehmen. 

Peter Hammer bringt dafür gute Voraussetzungen mit. Er kennt das Areal wie seine Westentasche, auch die Tücken von Altlasten und Denkmalschutz. Er ist im Landkreis bekannt und politisch gut vernetzt; er weiß, wie man Allianzen schmiedet. Und er ist ein strategischer Kopf, der selten etwas aus dem Bauch heraus macht oder dem Zufall überlässt. Nachdem die Gemeinde bislang eher konzeptlos wirkte, hat sich Penzing nun zum richtigen Zeitpunkt „munitioniert“. CSU und Dorfgemeinschaft gelingt damit ein politischer Coup.


Werner Lauff

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