Ein Dorn im Auge?

Seit eh und je gehört der Blumenladen am Klostereck zu Landsberg – doch der Stadt ist er wohl ein Dorn im Auge und so kündigte sie Inhaberin Anita Kaiser-Schmid. Bis zum 31. März im kommenden Jahr muss die junge Mutter nun für ihren Laden und ihre beiden Angestellten eine neue Bleibe finden. Fotos: Kruse

Wenn Mathias Neuner ab und zu davon spricht, dass er sich bei den Landsbergern demnächst auch einmal unbeliebt machen wird, denkt der Oberbürgermeister dabei vor allem an finanzielle Einschnitte, die er seinen Bürgern angesichts der Kassen-lage zumuten muss. Jetzt steht er aber aus einem ganz anderen Grund im Gegenwind: Neuner hat der Inhaberin des Blumenladens am Klostereck die Kündigung zustellen lassen. „Das bedroht meine Existenz“, so Anita Kaiser-Schmid, die vor allem über die Begleitumstände verärgert ist.

Die Nachricht über das Aus für den Traditionsladen, der seit über 70 Jahren in der ehemaligen Leonhardikapelle firmiert (Kaiser-Schmid übernahm ihn vor neun Jahren), sorgte in den vergangenen Tagen für mächtig Wirbel in der Stadt. Neuner war sich dessen bereits im Vorfeld bewusst, sagt aber: „Das muss ich eben durchstehen.“ Für den Laden hat die Stadt Eigenbedarf angemeldet und – fristgerecht – zum 31. März gekündigt. Künftig soll dort ein Kulturbüro untergebracht werden, dem Vernehmen nach wird es der Arbeitsplatz der neuen Mitarbeiterin, die für die Abteilung „Kultur und Bildung“ eingestellt werden soll. OB Neuner lässt durchblicken, dass ihm die „extrem günstige“ Miete für den Laden ohnehin ein Dorn im Auge gewesen sei, die Stadt könne kein privates Gewerbe in dieser Weise „hoch subventionieren“. Eine Argumentation, die Anita Kaiser-Schmid als „Unverschämtheit“ empfindet. „Der Laden hat 50 Quadratmeter und ich bezahle 855 Euro kalt, das ist eine absolut übliche Miete.“ Mehr als diese 17 Euro werden in Landsberg auch in 1A-Lage tatsächlich kaum bezahlt, Neuner hält dagegen „mindestens 30 bis 40 Euro“ für erzielbar. Relevant ist das aber ohnehin nicht, da die Stadt durch die Eigennutzung künftig gar keine Mieteinnahmen mehr haben wird. Noch dazu werden weitere Kosten in erheblicher Höhe auf die Stadt zukommen, denn an dem denkmalgeschützten Raum muss erst einmal kräftig saniert werden, bevor man dort Büroarbeit verrichten kann. Das Deckenfresko sei „durch die ständige Feuchtigkeit“ wegen der mit Wasser gefüllten Blumenkübel in schlechtem Zustand, hat Neuner von Stadtbaumeisterin Annegret Michler erfahren. „Letztmals sind da vor fünf Jahren Sicherungsdübel angebracht worden“, wundert sich Kaiser-Schmid, „danach habe ich von Frau Michler und der Stadt nichts mehr gehört. Der Blumenladen existiert auch seit über 70 Jahren, ich weiß nicht, warum das jetzt auf einmal gefährlich werden soll.“ Die Arbeitsbedingungen im Klostereck scheinen ohnehin eher für hartgesottene Floristinnen denn für sitzende Angestellte geeignet: Auf maximal 15 Grad bringt die voll aufgedrehte Heizung den Laden im Winter, Boden und Wände sind dennoch kühl bis kalt. Keller, Lager, Toiletten oder Sozialräume sucht man vergeblich. Die Ladeninhaberin stellt klar, dass das für sie kein Grund zur Klage ist: „Dass es kühl ist, ist gut für die Ware und wir haben uns eben immer warm angezogen. Wir haben uns auch nie über die fehlenden Räume beschwert. Dann allerdings zu sagen, dass die Miete zu niedrig ist, passt dazu, wie der gesamte Vorgang abgelaufen ist.“ Damit spielt sie auch auf die Zustellung der Kündigung an. „Die wurde am Montag Abend kommentarlos in den Briefkasten geworfen. Bei der Stadt ist da natürlich dann erstmal niemand zu erreichen.“ Was sie noch mehr ärgert: Das Scheiben beginnt mit den Worten „...wie Ihnen bereits im Rahmen eines persönlichen Gesprächs mit Herrn Oberbürgermeister Neuner mitgeteilt wurde...“ – dieses Gespräch hat es allerdings gar nicht gegeben. „Das war ein Versehen“, räumt der OB auf Nachfrage ein, „ich hatte einen Abteilungsleiter hingeschickt.“ Der betreffende Mitarbeiter hatte sich allerdings bei Anita Kaiser-Schmid nach deren Auskunft als „privat und im Urlaub hier“ vorgestellt, um sie lediglich „vorzuwarnen, dass da mal was kommen könnte.“ Auch in einem persönlichen Gespräch zwischen Ladenbesitzerin und OB änderte sich nichts an der Sachlage, ein weiteres Treffen sollte in dieser Woche stattfinden. Allerdings scheint die Kündigung unumstößlich. Neuner berief sich gegenüber Anita Kaiser-Schmid auch auf einen „einstimmigen Stadtratsbeschluss“. Den gibt es nach Informationen des KREISBOTEN allerdings gar nicht: Der Stadtrat wurde über die von der Verwaltung bereits ausgesprochene Kündigung am 19. September lediglich informiert. Auf das Alternativangebot, das von seiten der Stadtbaumeisterin bereits vor einiger Zeit ins Spiel gebracht wurde (Umbau im Untergeschoss der Musikschule), wollen indes weder Neuner noch Anita Kaiser-Schmid eingehen. Der OB fürchtet „horrende Umbaukosten“, die Ladenbesitzerin fürchtet die schlechte Lage. Die junge Mutter wird sich deshalb in den nächsten Wochen lieber selbst nach geeigneten Räumen in der Nachbarschaft umsehen. Und ihre beiden Angestellten werden bis Ende März weiterhin die Toiletten der umliegenden Gaststätten aufsuchen müssen. Denn die Bitte, – wie in früheren Jahrzehnten üblich – die Sanitärräume der angrenzenden Volkshochschule mitnutzen zu dürfen, beantwortete die derzeitige Leiterin damit, dass sie wenige Tage nach der Anfrage die Durchgangstür zwischen Laden und VHS mit Brettern zunageln ließ.

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