Wenn Dollars vom Himmel fallen

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Dramatische Gesellschaft und Hoftheater spielen gemeinsam in „Frühere Verhältnisse“. Der Einakter ist am kommenden Wochenende noch einmal im Theaterzelt am Seehof zu sehen.

Dießen/Wengen – Im Seehof kommt das Gute von Oben: Anfangs kesse Ladies in Lack und Tiger. Am Ende gar ein kräftiger Dollar-Regen, weniger ein Dollar-Segen, weil der Chef hinterher gleich mit der Kalaschnikow hineinballert. Was da passiert ist? Die Dramatische Gesellschaft Dettenhofen (seit 1975) hat sich in die Dramatische Gesellschaft Seehof verwandelt und gibt zusammen mit dem Hoftheater ihr Debüt auf dem Gelände der Tierklinik Seehof im Dießener Ortsteil Wengen. Regisseur Stefan Rattenhuber hat sich wieder mal für einen Nestroy entschieden, „weil wir ihn posthum in die heutige zukünftige Zeit versetzen können.“

Wer sich an die berühmten Komödianten-Zeiten im Maurerhansl zu Dießen erinnert, dem wir auch gleich „Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl“ einfallen. Das letzte Stück, das Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy (1801-1862) vor seinem Tode verfasste. Die indianische Faschingsburleske wurde am 1. Februar 1862 im Theater am Franz-Josefs-Kai in Wien uraufgeführt. Nur vier Wochen vorher ging „Frühere Verhältnisse“ an den Start. 

Rattenhuber schwärmt von dem Theaterstück, das sich mit satirischer Sozialkritik und sarkastischen Bemerkungen über das Theaterleben im Allgemeinen und die zwischenmenschlichen Beziehungen im Besonderen auseinandersetzt. Es sei immer wieder das gleiche, schmunzelt er in seiner Begrüßung im neuen Theatersaal, der sich als Sauna Club Bunny präsentiert: „Was sich früh trifft, dann wieder aus den Augen verliert, findet oft später wieder zu- sammen.“ Dies umso mehr, seitdem die Gesellschaft „gendert“. 

Schlagworte für den gegenwärtigen Wandel der Lebensformen scheinen Nestroy schon bekannt gewesen zu sein, denn von nichts anderem handeln seine Possen und Acts: vom Generations and Gender Survey. Das setzen die Seehof-Protagonisten genial in Szene. Bekannte Komödianten aus der Fuchs- und Has-Zeit und der Maurerhansl-Ära sind dabei und junge Talente aus dem Hoftheater. Sie schaffen es, den Spannungsbogen von Anfang bis Ende durchzuhalten und senden aus dem Sauna Club Bunny ihre Botschaften in den Bühnenraum, der mit einem riesigen Sofa am Ende gemütliches Lümmeln erlaubt, und zwischen den nummerierten Plätzen immer wieder mit kleinen Tischchen für kühle Getränke in der warmen Sommernacht aufwartet. 

"Reich und dumm" 

Es gibt nur wenige Rollen, die meisten sind Hauptrollen, wie zum Beispiel die des Ivan, der seit seiner Hochzeit mit Josephine versucht, seine einfache Herkunft zu verbergen. Schließlich stammt seine coole Blondine aus einer sehr bekannten Professorenfamilie. Der Schwindel droht aufzufliegen, als Josephine ihren Dienstboten kündigt. Als neues Dienstmädchen bewirbt sich Peppi Amsel, die schon Köchin bei Josephines Vater war und dort die vielen Liebschaften ihrer neuen Arbeitgeberin miterlebt hatte. Josephine stellt sie ein und klagt sofort, dass ihr Gatte zwar reich, aber etwas dumm sei, was Peppi sofort positiv einschätzt: „Reich und dumm?! – Sie sind ja ein Glückskind!“ 

Noch schlimmer wird es, als ausgerechnet der heruntergekommene Anton Muffl, bei dem der jetzige Hausherr einst selbst Hausknecht war, auch noch einen Job von Josephine bekommt. Die Situation spitzt sich zu, als Muffl auf Peppi trifft und sich erinnert, dass er mit ihr auch einmal eine Affäre hatte. Gegenseitiges Wissen führt zu gegenseitiger schamloser Erpressung. Sofort erkennt Muffl: „O, ich will euch ein furchtbarer Hausknecht sein.“ Ein ungewöhnliches Bühnenstück, fast 150 Jahre alt und trotzdem hypermodern, an einem ungewöhnlichen Ort. Chef Stefan Rattenhuber hat ein Theaterzelt angekündigt. Wer jetzt an Traumzelte wie Roncalli denkt, irrt. Es ist viel schöner: der Seehof ist das Zelt. Es gibt zwar ein kleines Pausenzelt, aber drum herum viel Natur und Sitzgelegenheiten zwischen Koppeln und Teichen, mit den Pferden auf du und du. 

Und es gibt eine Bar mit Häppchen und Sekt, bewirtet von den Damen des Innerwheel Clubs Ammersee. Das Theater selbst erkennt man erst wirklich, wenn sich das Auge an die Dunkelheit gewöhnt hat: Ein puristischer Raum mit knapp 100 Plätzen. Gespielt wird nochmal am kommenden Freitag, 19. Juni und am Samstag, 20. Juni, Beginn 20 Uhr. 

Stiller Diener 

Die Schauspieler verkörpern ihre Rollen großartig, dafür gibt es auch reichlich Applaus. Einer von ihnen soll kurz erwähnt werden, weil er seine stumme Rolle großartig interpretiert: Jerome, der stille Diener alias Pumi von Schweinitz besticht durch seine schweigende Ausdruckskraft und zeigt pantomimische Kraftakte. Weiter dabei Kathrin Oberberger als Josephine, Rebecca Mack von Elmenau als Peppi Amsel, Thom Nollau spielt den Ivan und Thomas Honsberg den Anton Muffl. Dominik Bukoll ist der letzte Gast, Roserl vom Seehof hat sich Bühnenbild und Kostüme ausgedacht, Dr. Irmgard Rieger ist die Souffleuse und der Mann am Klavier – wie könnte es anders sein – ist Reinhard Mack.

Beate Bentele

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