Söder gratuliert zum 75-Jährigen

Ein Dreivierteljahrhundert CSU im Landkreis Landsberg

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Der Wahlvorschlag des CSU-Kreisverbands 1948. Hatte die CSU in Bayern 1946 bei den ersten Kommunalwahlen noch 60 Prozent, rutschte sie 1948 auf 38,4 Prozent ab.

Landkreis – Seit dem 28. Oktober 1945 existiert der Kreisverband der CSU. Und nur ein paar Wochen später, am 19. Dezember, wurde der Ortsverband aus der Wiege gehoben. Für beide Daten gibt es aber noch ein zweites Gründungsdatum – das, nachdem die amerikanische Militärbesatzung ihr OK gegeben hatte. Während die Oberbürgermeister der Stadt Landsberg zu Beginn noch parteilos waren, stellte die CSU bei den ersten Stadtratswahlen bereits im Januar 1946 die absolute Mehrheit. Und den Posten des Landrats kann die Partei seit 75 Jahren durchgehend besetzen.

Italienisches CSU-Feeling mit der Vespa: Ein Wahlplakat aus früheren Zeiten.

Die ersten zwölf Jahre besetzte Rechtsanwalt Otto Gerbl den Landrats-Posten, 1945 von der US-amerikanischen Kontrollregierung eingesetzt und später durch den Kreistag bestätigt. Ihm folgte Bernhard Müller-Hahl, der den Posten ganze 26 Jahre halten konnte. Er ist der Landrat, der bei der Gebietsreform 1971 bis 1980 für den Erhalt des Landkreises gesorgt habe, erzählt Kreisvorsitzender Michael Kießling. „Und sogar dafür, dass unter anderem Denklingen 1972 noch dazukam.“ Ebenfalls dazu kam damals die bis dato freie Kreisstadt Landsberg selbst. Und durfte sich ab da Große Kreisstadt nennen. Auf Eichner folgte bis 2002 Erwin Filser, den Walter Eichner ablöste, bis Thomas Eichinger 2014 übernahm.

„Bei den OB-Kandidaten durfte die CSU pausieren, aber Neuner hat den Posten ja zurückerobert“, schmunzelt Kießling. In der Stadt Landsberg sei die Wahl immer knapp gewesen. Dr. Rudolf Engshuber besetzte den OB-Posten seit 1958, kam aber erst 1967 zur CSU. Bis 1988 war CSUler Hanns Hamberger OB, bevor mit Franz-Xaver Rößle und Ingo Lehmann die Christsozialen wieder zeitweise abgedrängt wurden. Mathias Neuner ist seit 2012 Landsberger OB.

Ein wichtiges Ereignis, das Kießling vor allem dem Einwirken der CSU zuschreibt – „natürlich sind da auch die jeweiligen Kommunen beteiligt“ – , sei der Bau der A96 gewesen. So wurden 1988 erstmals drei Kilometer der Rennstrecke eröffnet, ein Jahr später weitere vier Kilometer von Landsberg-Ost aus Richtung München. Und mit Fertigstellung des Tunnels Etterschlag sei die A96 in Oberbayern ab 1998 durchgehende befahrbar gewesen. Weitere Errungenschaften seien das Klinikum samt Mangfall-Klinik, der MVV-Bahnhof in Geltendorf sowie das Halten des Agrarbildungszentrums im Landkreis: „Der Zulauf an Landwirten war hier nicht immer so groß. Da gab es schon Überlegungen, die Schule zu verlegen.“

Den Kreisvorsitz prägte vor allem Dr. Thomas Goppel, der von 1982 bis 2011 das Amt besetzte. „Da war dann 1984 die Frage ‚Wer wird Kreisvorsitzender?‘“, erzählt der nach 44 Jahren 2018 aus dem Bayerischen Landtag ausgeschiedene Politiker. Denn eigentlich hätte Filser den Posten weiterhin besetzen sollen. Man entschied sich jedoch dann für die Trennung von Landrat und Kreisvorsitzendem, somit für Goppel, worauf Filser 1984 zum Landrat gewählt werden konnte. „Das war damals eine schwierige Geschichte“, erinnerst sich Goppel. „Aber es hat 30 Jahre gehalten.“

Goppel beschreibt seine Zeit als Kreisvorsitzender als „Auf und Nieder“, insbesondere bei den Bürgermeisterwahlen hätte man nicht so gut abgeschnitten. Denn das Ammersee-Westufer sei durch den Zuzug von Münchenern und Augsburgern „zur Spielwiese anderer politischer Richtungen“ geworden. Er erinnere sich noch gut an den Beginn der Auseinandersetzung mit den Grünen vor 40 Jahren: „Das war aufreibend.“ Es habe heftige Diskussionen wegen des Süduferradweges geben, auch wegen der Wiedervernässung des Ampermooses: „Damals haben wir uns drei Jahre lang gestritten.“ Auch „unnötige Personalkonflikte“ seien aufgekommen, „zum Teil waren da welche eingeschnappt“.

Die Partei habe sich zwar um „die Damen“ gekümmert, wie Goppel formuliert. Die hätten sich aber wohl bei anderen Parteien wohler gefühlt, weshalb es in der CSU „unangenehm wenige“ Frauen gebe. Dennoch ist Goppel überzeugt, dass die Fraktion im Landkreis „an der Gesamtentwicklung positiv mitgewirkt“ habe. Momentan hat der CSU-Kreisverband 1.065 Mitglieder.

Mit rund 190 Mitgliedern ist der CSU-Ortsverband der größte in der Stadt Landsberg. Der momentane OB Mathias Neuner ist seit 2011 dessen Vorsitzender – und besetzt den Posten damit am zweitlängsten nach Ernst Müller (1975–1987) Seines Wissens sei die CSU durchgehend die stärkste Kraft im Stadtrat gewesen. „Mit Mehrheiten kann man auch was weiterbringen.“ Und die CSU habe „den Mut, Entscheidungen zu treffen“.

Die Partei habe in Landsberg zwar ‚nur‘ drei Bürgermeister gestellt, deren Amtszeit zähle aber insgesamt knapp 30 Jahre. Hamberger habe damals das Industriegebiet im Norden neu angelegt, „in seiner Zeit kam auch Rational, das Sportzentrum ist entstanden, auch das Inselbad“, erzählt Neuner. „Insgesamt sind die wichtigsten Infrastrukturprojekte unter CSU-Ägide entstanden.“

In Hambergers OB-Zeit gab es aber auch eine schwierige Phase: die von der CSU befürwortete und von Hamberger vorangetriebene Ansiedlung des internationalen Pharmakonzerns Eli Lilly, der 1973 auf 50 Hektar ein gigantisches Chemiewerk errichten wollte. Alles sei eigentlich schon unter Dach und Fach gewesen, aber dann habe sich die Bevölkerung gewehrt. 4.000 Menschen demonstrierten auf dem Hauptplatz. „Damals war die Stadt in Aufruhr“, erinnert sich Neuner. Mit der Seveso-Katastrophe drei Jahre später war Eli Lilly dann endgültig vom Tisch. Ein Aufruhr, der den Austritt der CSU-Mitglieder Georg Eschenlohr, Max Doll und Schillinger zufolge hatte – die Gründer der Landsberger UBV. „Größere Verwerfungen“ habe es auch gegeben, als Dr. Reinhard Steuer OB-Kandidat werden wollte, aber nicht gewählt wurde. Auch er gehört heute zur UBV.

Heute sei der Ortsverband „eine tolle Mannschaft“ mit starkem Zusammenhalt – und mit „viel Liebe zur Stadt“, sagt neuner. Ein verband, der wahrgenommen werde, so durch Ministerpräsident Markus Söders, der zur Jubiläumsfeier am 17. Februar kommen wird.
Susanne Greiner

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