Eine bunte Stadt

Drinnen AfD, draußen friedlicher Protest

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Die Gegendemonstration auf der Bossewiese lief anschließend zum Hauptplatz.
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Die Gegendemonstration auf der Bossewiese lief anschließend zum Hauptplatz.
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Die Gegendemonstration auf der Bossewiese lief anschließend zum Hauptplatz.

Landsberg – Während sich die ersten Gäste zur Wahlveranstaltung der AfD im benachbarten Sportzentrum einfinden, versammeln sich am vorgelagerten Bosseplatz ungefähr 400 Menschen. Initiator des Protestes unter dem Motto „Kein Platz für Beatrix von Storch und ihre AfD“ ist „Landsberg bleibt bunt“. Um 19 Uhr macht sich der „Lauf gegen Rechtspopulismus und Menschenfeindlichkeit“ auf den Weg zum Hauptplatz.

Auf der Zufahrt zum Sportzentrum schimmert ‚Landsberg‘, mit Kreide in Regenbogenfarben auf den Teer gemalt. Am Straßenrand sammeln sich Demonstranten. Jeder, der zur Versammlung der AfD im Sportzentrum will, muss sich einem Spießrutenlauf aussetzen: Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Trompeten, Hörner, Saxophone, Trommeln jeglicher Art und nicht zu vergessen Kuhglocken erzeugen ein Lärm-Inferno.

Drei Jugendliche stehen vor dem Eingang des Sportzentrums. „Wir wollen uns mal anschauen, wie so eine Wahlveranstaltung läuft“, erklärt einer. Warum gerade die AfD? Man habe so viel darüber gehört. „Aber wenn man das Wahlprogramm liest, weiß man, wo man sein Kreuz nicht machen sollte.“

Es sind vor allem junge Menschen, auch Familien mit Kindern. Viele selbstgemalte Schilder gibt es, wie „Nazis sind doof“ – wobei das s in ‚Nazis‘ verkehrt herum steht. Das Schild hat ein Kind gemalt. Der Autor von „Bier vom Fass statt Fremdenhass“ ist dagegen sicher älter.

Der Protest ist laut, aber friedlich. Polizeikräfte sind dennoch zahlreich vertreten. „Wir mussten Unterstützung holen“, sagt der Landsberger Polizeichef Alfred Geyer. „Alleine können wir das nicht stemmen. Aber die Kooperation von Landratsamt, Polizei und Veranstaltern war sehr gut.“

Florentine Hoffmann von „Landsberg bleibt bunt“ liest abschließend einen Brief an von Storch vor. Sie habe keine Angst vor einer vermeintlichen Überfremdung: „Wir wollen Traditionen teilen, neue kennenlernen und gemeinsame entstehen lassen.“

Der Zug zum Hauptplatz startet pünktlich in Begleitung von mehreren Ordnern und verläuft wohlorgansiert. Ab und zu skandieren die Teilnehmer Slogans gegen die AfD. Begleitet vom Bass aus den Boxen von ‚Lechtreiben‘. 

Währenddessen im Saal des Sportzentrums: 

Deutschland steht am Abgrund. Nur die Alternative für Deutschland kann den Sturz verhindern. So könnte man die Kernaussage der Wahlkampfveranstaltung der AfD zusammenfassen. Etwa 150 Menschen waren vergangenen Donnerstag gekommen, um die AfD-Mitglieder zu hören. Zwischenapplaus und Standing Ovations zeigten, dass die Äußerungen der AfD-Politiker bei den Anwesenden ankamen. Und noch etwas wurde deutlich: die Menschen haben Angst – eine Angst, die die AfD in ihrem Wahlkampf aufgreift.

Gleich bei der Begrüßung durch Florian Jäger, der für die AfD im Wahlkreis Fürstenfeldbruck antritt, fielen deutliche Worte. So unterstellte Jäger der Kanzlerin, dass sie vorhabe eine sozialistische Diktatur zu gründen. Die Begründung für diese Aussage: Angela Merkel ist in einer sozialistischen Diktatur aufgewachsen und könne daher gar nicht anders. „Sie hat das so gelernt.“

Die Demonstranten vor dem Sportzentrum betitelte er mit „diese Linken“. „Wenn man dem glauben würde, was die da draußen brüllen, dann säßen hier lauter Extremisten, Sexisten und Radikale“, konstatierte Jäger. Die Reaktion des Publikums: Gelächter. Die überwiegende Mehrheit der Anwesenden waren Menschen über 50, darunter viele Männer.

Heike Themel, Jägers Stellvertreterin, sprach von „triebgesteuerten Migranten“, die deutschen Mädchen nachstellten. Merkel und die aktuelle Regierung bezeichnete sie als „Kanzlerdarstellerin und ihre grünen Sektenmitglieder“. Abschließend äußerte Themel: „Wir lassen uns nicht totschweigen und unterdrücken! Wir werden immer mehr!“ Dieser Satz wurde vom Publikum mit lautem Applaus beantwortet.

Die Landtagskandidatin für Landsberg, Edeltraud Schwarz, ging auch auf die Ausschreitungen in Chemnitz ein. Ihrer Meinung nach hätten dort die Menschen nur von ihrem Recht auf Demonstration Gebrauch gemacht. Für sie war es „ein Trauerzug für einen getöteten Deutschen. Die geringe Anzahl an Extremisten unter den Demonstranten wurde medial aufgeblasen.“ Schwarz stellte die Behauptung in den Raum, dass die Extremisten möglicherweise bewusst dorthin geschickt wurden. Eine Erklärung für diese Annahme äußerte Schwarz nicht.

Als letzte Rednerin sprach Beatrix von Storch. Auch sie widmete sich überwiegend dem Thema Migration, bemühte sich allerdings auch, auf andere Themen einzugehen. Zum Thema Klimawandel hatte von Storch eine deutliche Meinung: „Früher gab es auch schon heiße Sommer oder kalte Winter. Die Medien machen daraus halt dann eine Klimakatastrophe und eine Eiszeit.“ Als Beweis dafür berichtete sie von einem Spiegel-Artikel aus den 70er Jahren. Darin stehe, dass es an den Polkappen kälter würde. Im Publikum war gemurmelte Zustimmung zu hören.

Zum Abschluss ihrer Rede kam die AfD-Politikerin nochmal auf Muslime zu sprechen. Ihre Kernaussage: Eine Islamisierung in Deutschland findet definitiv statt. Die Deutschen verleugneten ihre Kultur und ihre Werte. Und der Islam fülle dieses Vakuum aus. Die Teilnehmer der Veranstaltung applaudierten und jubelten, gut ein Drittel quittierte die Rede von der AfD-Politikerin mit Standing Ovations.

Susanne Greiner / Stephanie Novy

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