Drogengeschäfte per Chat

Cannabis per WhatsApp verkauft: Ein 24-Jähriger muss ins Gefängnis

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Ein 24-Jähriger hat über einen Chat Drogen verkauft. Dafür muss er jetzt ins Gefängnis.

Landsberg – „Eine komplette Verarsche“ hat Richter Alexander Kessler die Aussage des Hauptbelastungszeugen vor dem Amtsgericht genannt. Und vor einer Gefängnisstrafe hat sie den Angeklagten auch nicht bewahrt.

Insgesamt 64 Seiten umfasste der Chatverlauf zwischen dem Zeugen und einem sogenannten Jürgen. Darin wurden über einen Zeitraum von etwa einem Monaten Geschäfte mit Marihuana abgewickelt. Der 19-jährige Zeuge, der selbst unter offener Bewährung steht, hat das vor dem Gericht auch zugegeben. Es galt demnach nur noch zu klären, wer denn dieser Jürgen ist. Der 19-Jährige gab an, er wisse den Klarnamen nicht. Das Äußere konnte er nur grob und allgemein beschreiben. Er war sich jedoch sicher, dass es sich bei Jürgen nicht um den Angeklagten handele. Den habe er noch nie zuvor gesehen.

Doch während der Befragung kam heraus, dass die beiden sich gut eine Stunde vor Verhandlungsbeginn vor dem Inselbad getroffen haben. „Ich wollte wissen, wer er ist und warum ich wegen ihm hierher muss“, erklärte der Zeuge. Bis zur Verhandlung habe er nicht gewusst, um was es überhaupt gehe.

Richter Kessler überzeugte das nicht. „Aus welchem anderen Grund sollten sich ein Angeklagter und ein Hauptbelastungszeuge kurz vor einer Verhandlung treffen, wenn nicht, um ihre Aussagen abzusprechen?“

Hinzu kam, dass die Handy­nummer von „Jürgen“ unter dem Namen des Angeklagten registriert war. Und er selbst hat die Nummer bei früheren Verfahren und bei seiner Bewährungshelferin als die seinige angegeben.

Bei einer Hausdurchsuchung wurden bei dem 24-jährigen Angeklagten zudem 3,5 Gramm Marihuana und 1,7 Gramm Amphetaminen gefunden. Dazu zwei elektronische Feinwaagen mit Anhaftungen und ein künstlichen Penis, mit dem man Urinproben fälschen kann.

Auch die Vorstrafen, insgesamt sechs Stück, sind teilweise einschlägig. All das reichte Richter Kessler, um den Angeklagten, zu verurteilen. Ein Jahr, sechs Monate. „Über Bewährung müssen wir gar nicht diskutieren“, fügte der Richter an. Die zweite Bewährung, die er gegeben habe, sei schon auf der Kippe gestanden. Und nochdazu habe er zwischenzeitlich den Kontakt zu seiner Bewährungshelferin abgebrochen. „Ich habe die Bewährung nicht zurückgezogen, weil ich geglaubt habe, dass Sie es noch hinbekommen.“ Anfangs habe der Vorsitzende noch einen guten Eindruck vom Angeklagten gehabt, aber mit der Zeit habe der sich verschlechtert.

Verteidiger Marcus Becker hatte in seinem Plädoyer noch einen Freispruch nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gefordert. Es sei nicht zu beweisen, dass sein Mandant Jürgen ist. Richter Kessler hielt dagegen: Wenn das Telefon von jemand anderem benutzt wurde und die Drogen in der Wohnung, in der er mit seiner Mutter und seinem Bruder wohnt, nicht ihm gehören, hätte er das vorbringen müssen, statt während des ganzes Prozesses zu schweigen.

Im Hinblick auf die Aussage des Zeugen sagte Kessler noch: „Es würde mich sehr wundern, wenn die Staatsanwaltschaft kein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage anstreben würde.“

Stephanie Novy

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