Jeden Tag ein Grämmchen

Drogendelikt: auf Bewährung trotz Vorstrafen

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Ammersee – Mindestens neunmal bestellte ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Drogen übers Darknet. Weil er nicht dauerhaft auf Lieferanten angewiesen sein wollte, betrieb er in seinem Kleiderschrank auch noch eine Aufzuchtanlage für Cannabispflanzen. Inzwischen hat der Ingenieur aber mit dem Thema Rauschgift abgeschlossen, wie er vor dem Schöffengericht Landsberg beteuerte.

Mit Beginn seines Studiums im Jahr 2013 hatte der Mann öfter mal zum Joint gegriffen. Sein Konsum habe sich im Laufe der Jahre gesteigert, gab er vor Gericht zu. Zuletzt genehmigte er sich „jeden Tag ein Grämmchen“. Nachschub besorgte er sich übers Darknet. „Das ist nicht viel anders, als wenn man über Amazon was bestellt“, behauptete der Angeklagte. Richter Alexander Kessler und die Schöffen vermuteten allerdings, dass er eher die Mühe herunterspielen wollte, die er sich gemacht hatte, um zum Beispiel an einen speziellen Browser fürs Darknet zu kommen. Oder an die Bitcoins, mit denen er seine Einkäufe bezahlte. Geliefert wurden Marihuana und Haschisch – jeweils zwischen 20 und 100 Gramm – mit der Post.

Auf die Schliche gekommen waren die Behörden dem 26-Jährigen, nachdem die Polizei in Dortmund einen Online-Drogenhändler hochgenommen hatte. Eine der Bestellungen führte zum Angeklagten. Bereits einige Monate zuvor – im August 2019 – war er am Augsburger Hauptbahnhof mit 8,6 Gramm Haschisch im Rucksack erwischt worden.

Bei der darauffolgenden Wohnungsdurchsuchung stießen die Beamten im Schlafzimmerschrank schließlich auf die Aufzuchtanlage, in der drei Cannabispflanzen wuchsen. Die notwendigen Kenntnisse habe er sich aus Büchern angeeignet, berichtete der 26-Jährige. Außerdem habe er daheim bei seinen Eltern früher viel im Garten mitgearbeitet „und in Biologie aufgepasst“.

Anfang dieses Jahres hat der Angeklagte nach eigener Aussage seinen Drogenkonsum eingestellt. Den entscheidenden Anstoß gab die Anklageschrift, die ihm einen Schock versetzt habe. Außerdem hat er mittlerweile sein Studium abgeschlossen und einen guten Job gefunden, den er nicht gefährden will. Gespräche mit Freunden hätten ihm geholfen, ohne Drogen klarzukommen und die Entzugserscheinungen – Schlafstörungen und Unruhe – auszuhalten. Mittlerweile ist der 26-Jährige sich sicher, dass er es ohne Rauschgift schafft. „Eine Rückfallgefahr würde ich ausschließen.“

Das Gericht glaubte ihm und stellte eine positive Sozialprognose. Deshalb kam der Mann trotz zweier Vorstrafen mit einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung davon. Das entsprach dem Antrag von Staatsanwalt Benjamin Junghans. Er würdigte, dass der Angeklagte reinen Tisch gemacht habe. Negativ fielen die großen Drogenmengen ins Gewicht und die Tatsache, „dass das alles recht professionell abgelaufen ist“. Verteidigerin Dr. Silke Ackermann hätte es gern bei einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten belassen, da es sich um eine „unterdurchschnittliche Drogentat“ handele.

Die Bewährungszeit setzte das Gericht auf drei Jahre fest. Außerdem muss der Verurteilte 1.200 Euro an eine Suchthilfeeinrichtung zahlen und ein Jahr lang mit Drogentests auf eigene Kosten nachweisen, dass er nicht mehr konsumiert.

Das Urteil ist rechtskräftig.
Ulrike Osman

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