Drogen für die Jugend, Fäkalien für den Gemeindechef

Vize-Bürgermeister zu Haftstrafe verurteilt

Geltendorfer – Weil er mit einer Gruppe Jugendlicher zusammen Marihuana geraucht hat, ist der stellvertretende Geltendorfer Bürgermeister Thomas H. zu einer Bewähungsstrafe von neun Monaten verurteilt worden.

Der 40-Jährige gab vor dem Schöffengericht Landsberg zu, dass er sich im Februar 2013 in seiner Wohnung mit fünf Jugendlichen zwischen 15 und 17 Jahren getroffen hatte. Sie hätten Mariuhana mitgebracht, die Joints gingen von Hand zu Hand.

Der Vorwurf lautete auf unerlaubte Überlassung von Betäubungsmitteln als Person über 21 Jahre an eine Person unter 18 Jahren. Konkret ging es um vier Gramm Marihuana. Es sei „eine Riesen-Eselei“ gewesen, dass er sich an der Kifferrunde beteiligt habe, erklärte der Anklagte reumütig. Er habe noch nie mit Drogen zu tun gehabt und nicht gewusst, dass er durch die Weitergabe eines Joints bereits ein Verbrechen begehe. Verteidiger Joachim Schwarzenau sprach von einem Augenblicksversagen und sagte, nicht H. habe die Jugendlichen zum Drogenkonsum verführt, sondern sie ihn. „Aber er ist der Erwachsene und hätte es besser wissen müssen.“ Einer der Jugendlichen ist bereits wegen eines Drogendelikts verurteilt worden.

Warum die Burschen am fraglichen Abend bei ihm zu Besuch waren, dazu wollte der Angeklagte nichts sagen. Einer der Schüler habe ein Praktikum beiRadio Lechtal absolviert, wo auch Thomas H. tätig ist. So habe man sich kennengelernt.

Einer der Jugendlichen behauptete im Zeugenstand, von dem Ankeklagten zum „Fäkalterrorismus“ angestiftet worden zu sein. Der 40-Jährige habe Personen bestrafen wollen, die auf einer „Racheliste“ standen, unter anderem angeblich den Geltendorfer Bürgermeister Wilhelm Lehmann. Ihm habe man eine mit Kot gefüllte Zeitung vor die Rathaustür gelegt. Dafür habe H., Bürgermeisterkandidat der SPD, 50 Euro bezahlt. Mit dem Geld will der 17-Jährige sein Handy aufgeladen haben, was seinen Vater misstrauisch machte. So sei die Sache aufgeflogen. Der 17-Jährige schrieb später an Lehmann einen anonymen Entschuldigungsbrief, der vor Gericht verlesen wurde.

Rechtlich gilt ein solcher Tatbestand als „Anstiftung zur tätlichen Beleidigung“. Weil eine mögliche Strafe nicht ins Gewicht gefallen wäre, wurde das Verfahren in diesem Punkt eingestellt. So musste auch Lehmann nicht mehr als Zeuge erscheinen.

Der Vorwurf des „unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln“ wurde ebenfalls nicht weiterverfolgt. Die Aussage des Jugendlichen, der im Auftrag des Vize-Bürgermeisters das Marihuana gekauft haben wollte, zeichnete sich vor allem durch Erinnerungslücken aus. Ein weiterer Jugendlicher blieb dem Gerichtstermin unentschuldigt fern, ein dritter lag im Krankenhaus.

In seinem Urteil ging das Schöffengericht von einem „minder schweren Fall“ aus. Berücksichtigt wurden auch die weiteren Konsequenzen, die dem 40-jährigen Beamten nun drohen. Er sieht einem Disziplinarverfahren entgegen. Seine kürzlich erfolgte Beförderung werde mit Sicherheit zurückgenommen, sagte der Angeklagte. Nachdem der Drogenvorwurf im Vorfeld der Kommunalwahl erstmals publik geworden war, habe er Drohanrufe erhalten und sei beschimpft worden. Dies sei extrem belastend gewesen.

Zusätzlich zur neunmonatigen Bewährungsstrafe muss Thomas H. 2400 Euro an eine soziale Einrichtung zahlen und 240 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Ulrike Osman

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