Ehrung für hervorragende Arbeit

Einmal Herkomer-Preis, zweimal der Goldene Ehrenring

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Egon Stöckle (rechts) wurde mit Landsbergs bedeutendstem Kultur- und Kunstpreis, dem Herkomer-Preis, ausgezeichnet. Am Freitagabend überreichte ihn OB Mathias Neuner (links).

Landsberg – Ehrungen der öffentlichen Hand sind oft eine recht gediegene, manchmal gar einschläfernde Angelegenheit. Aber es gibt Ausnahmen. Die Verleihung des Goldenen Ehrenrings an Axel Flörke und Christoph Jell, gekoppelt mit der Verleihung des Hubert-von-Herkomer-Preises an Egon Stöckle am Freitagabend punktete mit Leichtigkeit, Nähe zu den Ausgezeichneten und mit einer leicht schrägen, aber ungemein gutgelaunten Musik.

Wie das bei Ehrungen so ist: Am Anfang steht der Sekt. Und gerne verratscht man sich da auch mal. Hilfreich, dass die beiden Musiker Pit Holzapfel und Erwin Rehling mit Posaune und Kuhglocke resolut die Gäste aufrufen, sich in den Festsaal des Rathauses zu begeben. Ein Anfang, der gleich zeigt, dass ein Augenzwinkern einer gediegenen Ehrung nicht schadet.

Die „spannende Musik“ entging auch Oberbürgermeister Mathias Neuner nicht. Er startete mit den Goldenen Ehrenringen der Stadt Landsberg – eine Auszeichnung, die für „hervorragende Dienste“ im öffentlichen Leben verliehen wird. Sowohl Axel Flörke als auch Christoph Jell sind seit über 20 Jahren im Stadtrat vertreten, Jell inzwischen als Fraktionsvorsitzender der UBV, Flörke als 3. Bürgermeister – der sogenannte Kulturbürgermeister – für die Landsberger Mitte. Beide Geehrten sind auch in zahlreichen Ausschüssen vertreten.

Zweieinhalb Jahre sei Jell bei ihm in die Lehre gegangen, berichtet Alt-OB Franz Xaver Rößle, bei Jells Stadtrat-Premiere 1998 noch aktueller OB. Der UBVler sei „einer, der genau und kritisch hinschaut – aber in einem sehr guten Stil.“ Ein Lob, das Jell mit Charme annimmt: „Alles gelogen, aber gehört hab ich‘s trotzdem gern.“ Sein Anlass, in die Politik zu gehen, sei die Absicht gewesen, einen Jugendbeirat zu kreieren, erzählt Jell im Gespräch mit Rößle und Neuner. In seiner Zeit als Stadtrat habe es einige Themen gegeben, bei denen er nicht gewusst habe: „Mach ich‘s richtig?“. Bei denen er aber immer nach seiner Überzeugung gehandelt habe.

Für das Gespräch mit Kulturbürgermeister Flörke holt sich Neuner dessen Vorgängerin Sigrid Knollmüller auf die Bühne. Flörke startete die Stadtrat-Karriere 1990, legte aber von 2000 bis 2008 eine Pause ein. Die Position als Kulturbürgermeister hat er seit 2014 inne. Eigentlich in der Wirtschaftswissenschaft zuhause, habe er sein Schlüsselerlebnis mit Kultur in Italien gehabt. Einer seiner Lehrer – mit ein Grund, warum Flörke selbst Lehrer wurde – habe ihn in den Chor geholt. Und mit dem ging es auf Reise nach Italien, wo dann die Matthäuspassion gesungen wurde.

Er sei „sehr umtriebig in der Kultur“ konstatiert Neuner. Ob er denn jeden Morgen mit dem Gedanken aufstehe: „Heute gründe ich einen Verein?“ Wenn er etwas sehe, dann müsse er es machen, antwortet Flörke. Der gerade dabei ist, im Rahmen seiner „Untergrund-Umtriebe“ einen Förderverein fürs Ursulinenkloster zu gründen. Zahlreiche kulturelle Projekte habe er mit „Energie und Beharrlichkeit“ angestoßen, ergänzt Knollmüller. Auf was er am meisten stolz sei? „Auf das Gerät zu meiner Linken“, grinst Flörke mit Blick auf den Steinway für die Rathauskonzerte. Wobei er sich besonders gerne an den Moment der Anlieferung übers Treppenhaus erinnert: als der Flügel mit Sekt und Klaviermusik in seinem neuen Zuhause begrüßt wurde.

Herkomer Preis

Zur Einführung in Egon Stöckles Werke präsentiert Kunsthistorikerin Dr. Gudrun Szczepanek einen Vortrag: erst in Form eines virtuellen Stadtrundgangs zu Stöckles Landsberger Arbeiten im Auftrag der Stadt, dann mit Bildern aus Stöckles Garten, der mit Skulpturen geschmückt ist, die Stöckle ohne Auftrag erstellt hat. Auftragskunst sei gut für den Künstler, so Stöckle. Aber immer ein Kompromiss der eigenen Ideen mit denen des Auftragsgebers. Der mit Landsbergs wichtigstem Kunst- und Kulturpreis Ausgezeichnete dankt vielen, darunter – „ein neuer Satz in meinem Manuskript“ – seiner Frau Franziska, „dass sie mir die Rede so gut getippt hat“. Auch seinem Künstlerkollegen Josef Lang, der den Preis bereits 2009 erhalten hatte, gilt sein Dank. „Er hat mich mit dem Herkomer Preis zwar überholt, aber jetzt können wir uns wieder auf Augenhöhe begegnen“, sagt Stöckle verschmitzt.

Dass viel feiner Humor bei dem 73-Jährigen mitspielt, zeigt sich – und hier sind wir wieder am Anfang – an der Musik. Stöckle hat sie ausgesucht, die Musiker sind Freunde. Ihre Musik beginnt tastend, schleicht sich in eine Melodie und dreht auf – zur Freude des Publikums. Eine Musik voller Humor und Herzlichkeit. „Sie passt zu mir“, sagt Stöckle. Zu Recht.
Susanne Greiner

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