Ein Mann mit vielen Talenten

Egon Stöckle erhält den Herkomer-Preis der Stadt Landsberg

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Eine ganze Palette an Werken, die die Stadt zieren: Bildhauer Egon Stöckle (links) bei der Vernissage zu den Ausstellungen im Rathausfoyer und in der Zedergalerie mit Oberbürgermeister Mathias Neuner.

Landsberg – Egon Stöckle ist hier in aller Auge. Aber nicht in aller Munde. Denn wer der Urheber der zahlreichen Kunstwerke im Stadtgebiet ist, weiß nicht jeder, und sollte er noch so oft vorbeiflanieren. Zum Beispiel am Heiligen Martin, einem Relief in der Ludwigstraße. Oder der Fritz-Beck-Büste bei der vhs. Eine Stöckle-Plastik steht mitten im Grün: im Herkomer-Park vor dem Mutterturm. Zu sehen ist Hubert von Herkomer – in zweifacher Ausfertigung: einmal mit baumstammähnlichem Bart, einmal ohne in Denkerpose. Den gleichnamigen Preis bekommt der 83-Jährige nun von der Stadt Landsberg am kommenden Donnerstag verliehen. Passend dazu eröffnete gestern eine Ausstellung seiner Arbeiten im Rathausfoyer und in der Zedergalerie.

„A Man of Many Parts“ titelte das Herkomer-Museum nach der Neueröffnung 2015. Vielseitigkeit war einer der Hauptaspekte des erfinderischen Künstlers. Eine Vielseitigkeit, die man auch dem in Hohenfurch lebenden Stöckle zuschreiben kann. Da sind die ernsthaften Werke wie beispielsweise die Büste zu Ehren des Ehepaars Maria und Alois Elsner, die KZ-Inhaftierten in Landsberg beistanden. Oder der Brunnen auf dem Pater-Rupert-Mayer-Platz, den er gemeinsam mit Josef Lang gestaltet hat. Wobei der inzwischen gespaltene 'Keilmann', der sich dort dem Wasserfall entgegenstellt und ‚zerbricht‘, zuerst einer war, erzählt Kunsthistorikerin Dr. Gudrun Sczcepanek bei der Vernissage im Rathausfoyer. Erst später habe Stöckle in Anbetracht des Schicksals Mayers – KZ-Haft und spätere Internierung im Kloster Ettal – den Keil gespalten.

Aber da sind auch „leichtere“ Arbeiten in der Stadt. Zum Beispiel die Schattenfiguren an der Platanen-Schule: Vier Tiere, unter anderem eine Schnecke, die einen ‚eingebauten‘ Schatten aus dunkleren Pflastersteinen haben. Der mit dem realen Schatten spielt. „Schatten sind für Stöckle ein wichtiges Thema“, sagt Sczcepanek. Der Schattenaspekt ist auch bei Stöckles Arbeiten in der benachbarten Zedergalerie zu sehen. Dort im ‚optischen Dialog‘ mit den Landschaftsbildern Gerd Eisenblätters unter dem Titel „schweigsam beredt“.

Zum Beispiel Stöckles Bronze-Plastik „Mann und Frau“, eigentlich zwei Plastiken: Die eine besteht aus langen Streben und rechteckigen Formen, die Licht durchscheinen lassen. Die andere ist aus einem Guss, mit weichen Formen, lichtdicht – ein weiblicher Torso. Auch der „Große Läufer“ wirft differenzierte Schatten, der Kopf eine Relief-Scheibe, die Gliedmaßen schwere Rohrkonstruktionen. Licht und Schatten und damit Schwere und Leichtigkeit wiederholen sich in den deutlichen Oberflächenbearbeitungen: im Vergleich zum goldfarbenen Gesicht tragen Arme und Beine ein verbranntes Guss-Schwarz. Stöckle gieße seine Bronzeplastiken noch selbst, archaisch im Kohlefeuer, erzählt einer der Vernissagebesucher. Eher selten heutzutage.

In der Zedergalerie hängen zudem einige Skizzen von Stöckle Auch hier fällt eine gewisse ‚Oberflächenbearbeitung‘ durch ausgearbeitete Schraffuren auf.

Eisenblätters Arbeiten stehen dazu in starkem Kontrast: Gedeckte Farben bilden Farbflächen, die zusammen stark reduzierte Landschaften ergeben. Es seien keine konkreten Landschaften, so die Kunsthistorikerin. Eher abstrakte Landschaften. Die Linien, die die Farbflächen trennen, scheinen auf den ersten Blick wie mit dem Lineal gezogen. Sind sie aber nicht. Eisenblätter hat sie entlang gerissenen Papiers gemalt. Sodass sich weiche Kanten ergeben, die die Landschaften erst zum Leben erwecken.

Eisenblätter und Stöckle studierten beide von 1958 bis 1963 an der Münchener Kunstakademie – Stöckle Bildhauerei, Eisenblätter Kunstpädagogik. Wobei Stöckle auch noch Philosophie und Theologie studierte, was auch seine zahlreichen sakralen Arbeiten wie das Tabernakel in Heilig-Kreuz oder das Kreuz im Sitzungssaal des Landsberger Stadtrats erklärt. Zu Letzterem schicke er manchmal ein Stoßgebet, gibt OB Mathias Neuner bei der Vernissage zu. Eine weitere Verbundenheit von Stadt und Künstler.

Der mit 7.000 Euro dotierte Preis wird Stöckle am Freitag, 22. November, im Rathausfestsaal verliehen. Stöckle ist erst der neunte Preisträger. Die erste Herkomer-Preisträgerin war Luise Rinser 1991.

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