Neues Leben für alten Laden

Im ehemaligen Wagner-Haus gibt es wieder einen Laden – von und mit Therese Grosswiele

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Therese Grosswiele hat den ehemaligen Eisenwarenladen von Ludwig Schuster wieder belebt – allerdings mit ganz anderen Inhalten.

Egling – Das ehemalige Wag­ner-­Haus gegenüber der Kirche St. Vitus steht seit fast 150 Jahren in Egling. In dieser Zeit hatte es wechselnde Besitzer – einer lebte besonders lange dort: Spenglermeister Ludwig Schuster, der hier eine Werkstatt und einen Laden betrieb. Ältere Eglinger erinnern sich noch an das Klimpern von der Decke herabhängender Kochtopfdeckel, die man hier kaufen konnte. Diesen Laden gibt es schon lange nicht mehr, dafür aber seit wenigen Tagen einen neuen. „Bücher und Dinge“ heißt er und befindet sich im selben Raum, in dem Ludwig Schuster einst Nägel und Fahrradspeichen anbot.

Die Idee, den ehemaligen Geschäftsraum wiederzubeleben, hatte Therese Grosswiele. Ihr gehört das Wagner-Haus seit über 30 Jahren. Damals kaufte sie das Gebäude von einem Münchener Architekten. Ludwig Schuster, der über 100 Jahre alt wurde, war damals bereits einige Jahre tot. Grosswiele hat das Gebäude behutsam saniert und dabei möglichst viel Historisches bewahrt. So blieben alte Steinfußböden, Zimmerdecken und Türen erhalten, die nicht nur das Denkmalamt begeisterten. Auch Schusters Ladenschild, das ihn als Spenglermeister und „geprüften Blitzableitersetzer“ ausweist, prangt bis heute über den Fenstern im Erdgeschoss.

„Ich habe ihn ja leider nie kennengelernt“, bedauert Therese Grosswiele. „Aber er muss ein Unikum gewesen sein – bärbeißig, mit einem guten Herzen. Er war sehr anerkannt hier im Ort.“ Immer hatten sie und ihre beiden Töchter das Gefühl, dass „der gute Geist von Herrn Schuster“ noch im Hause wohnte. Freunde ihrer Kinder hätten sich manchmal nicht getraut, zu Übernachtungsbesuchen zu kommen, weil sie befürchteten, es könnte spuken. Die 62-Jährige lacht, wenn sie davon erzählt. „Wir haben hier viele glückliche Jahre verlebt.“

Das Haus ist groß - und seit ihre Töchter erwachsen und ausgezogen sind, stellte sich die Frage, was tun mit dem vielen Platz. Eine Antwort darauf ist die Zimmervermietung via Internet. Zwei Räume bietet die umtriebige Eigentümerin auf Portalen für Bed&Break­fast-Gäste an und hatte auf diesem Wege bereits russische, ukrainische und amerikanische Besucher im Haus. „Gerade die Länder, die in der großen Politik aktuell so viel diskutieren“, sagt Grosswiele und lacht. „Aber hier bei mir haben sie sich gut verstanden.“

Eine weitere Nutzungsmöglichkeit für das Gebäude ist der Laden, den Therese Grosswiele nun eröffnet hat. „Bücher und Dinge“ hat sie das Geschäft genannt – ein kleines Schatzkästchen in ihrem ehemaligen Wohnzimmer. Hier gibt es antiquarische Bücher aus den Bereichen Architektur, Kunst, Kochen und Handarbeit, außerdem kleine Antiquitäten, DVD, Karten und originelle Geschenkideen.

„Ich führe hier verschiedene Dinge zusammen“, sagt die gebürtige Münsteranerin, die es schon als Studentin nach Bayern verschlug. Zum Sortiment gehören auch die Pubklikationen ihres eigenen kleinen Verlags, den sie seit ein paar Jahren betreibt. Zwei Bücher rund um die Themen Pferde und Reiten hat sie veröffentlicht. Eines beschreibt die Geschichte des Familien-Pferdes, das sie und ihre Töchter sich eines Tages kauften. Das andere plädiert dafür, Pferde wieder mehr in der Landwirtschaft einzusetzen. Grosswiele hat mit vielen Bauern gesprochen, die das tun, und ihre Geschichten aufgeschrieben. Das Thema hat in ihren Augen auch einen nicht unerheblichen Umweltaspekt: „Pferdekraft ist erneuerbare Energie.“

Ihr eigener beruflicher Hinter­grund könnte von den Waren in ihrem Laden kaum weiter entfernt sein. Therese Grosswiele war jahrzehntelang im IT-Bereich tätig, ist viel gereist, hat viel unter Hochdruck gearbeitet. Damit soll nun endlich Schluss sein. „Ich möchte meine letzten Berufsjahre mit Dingen füllen, die mir Spaß machen“, sagt die Eglingerin. 

Ulrike Osman

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