Probleme beim VfL Kaufering

Droht jetzt die Insolvenz?

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Die Gaststätte des VfL Kaufering ist seit Monaten verwaist. Der Pächter hat sich aus dem Staub gemacht und einen Haufen Schulden hinterlassen. Der Vorsitzende des VfL Kaufering, Bernhard Mödl (Foto), hofft, dass die Marktgemeinde das Vereinsheim übernimmt und somit eine drohende Insolvenz verhindert.

Kaufering – Dunkle Wolken hängen über dem VfL Kaufering. Es ist nicht die sportliche Arbeit, die dem Vereinsvorstand Sorgen bereitet. Im Gegenteil, der Verein kann stolz auf seine Arbeit sein. Es ist der ehemalige türkische Pächter des Lokals, der seit September letzten Jahres spurlos verschwunden ist. Ihm war der Vertrag für das Lokal und die darüber liegende Wohnung von Vereinsseite gekündigt worden, unter anderem auch wegen säumiger Zahlungen und anderer Differenzen.

Der Vertrag für die Gaststätte sollte über fünf Jahre laufen. Dementsprechend waren auch die Einnahmen kalkuliert, die nun dem Verein fehlen, denn die Gaststätte steht seit dem 30. September 2016 leer. Ein neuer Pächter war nicht zu finden. Zusätzlich sind Mietschulden für die über dem Lokal liegende Wohnung in der Größenordnung von 2.400 Euro aufgelaufen. Dazu kommen noch die Rechtsanwaltskosten.

Bernhard Mödl, der seit einem Jahr Vorsitzender des VfL ist, hatte die unangenehme Aufgabe, diese Fakten auf der Jahreshauptversammlung vor einigen Tagen den Vereinsmitgliedern zu präsentieren.

„Die ganze Situation bereitet mir schlaflose Nächte“, sagte Bernhard Mödl dem KREISBOTEN. „Wenn sich keine Lösung findet, droht dem Verein langfristig sogar die Insolvenz.“ Die Lösung könnte allerdings sein, dass man das mit viel ehrenamtlichen Engagement gebaute Vereinsheim samt Gaststätte an die Marktgemeinde zurückgibt. Eine entsprechende vertragliche Möglichkeit gibt es. Auf diese Lösung will der Verein nun zurückgreifen. Der Markt Kaufering ist nach diesem Vertrag sogar verpflichtet, das Vereinsheim zum Zeitwert zu übernehmen. Ein mehrheitlich gefasster Beschluss auf der Jahreshauptversammlung soll nun umgesetzt werden.

Im Rathaus ist man von der Idee keineswegs begeistert. Man kennt das Problem und hatte es bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung behandelt und vertagt. Man wollte im Marktgemeinderat erst einmal die Jahreshauptversammlung des Vereins abwarten, bestätigte Bernhard Mödl. Über die Modalitäten muss aber erst noch verhandelt werden.

Die Chancen, an die ausstehende Pacht und die Miete zu kommen, schätzt Mödl als gering ein. Vermutlich hat sich der ehemalige Pächter in die Türkei abgesetzt, resümierte er. Der Türke ist seit dem 1. September 2015 Pächter des Lokals.

„Mit ihm haben wir keinen guten Griff gemacht“, sagte Mödl gegenüber dem KREISBOTEN. Ursprünglich wollte der Pächter zusammen mit seinem Bruder sogar eine islamische Gaststätte aufmachen. Kein Schweinefleisch auf der Speisekarte und kein Alkohol auf der Getränkekarte. Das konnte ihm aber ausgeredet werden.

Mödl gibt aber auch zu, dass es schwierig war und immer noch ist, einen Pächter zu finden. Es rächten sich Fehler aus der Vergangenheit. „Hier wurde manches zu blauäugig angegangen“. Das 2002 gebaute Vereinsheim mit der Gaststätte sei damals viel zu groß gebaut worden. Die Ursprungsplanung der Gaststätte war zwar kleiner, denn auf der Nordseite sollte eine Terrasse entstehen, erzählte Mödl.

Der erste Pächter befand jedoch, es seien zu wenige Sitzplätze und so warf man die Pläne mit der Terrasse über den Haufen und schlug die Terrassenfläche dem Lokal zu. Für den Vorsitzenden ein Fehler. „Dadurch entstand eine ungemütliche Bahnhofsatmosphäre“ und fügt hinzu, „es war nie eine gut besuchte Gaststätte“. Mödl kritisiert weiter die überzogene Ausstattung, die damals angeschafft wurde. „Beispielsweise ist die Thekenanlage mit neun Zapfhähnen total überdimensioniert, vier hätten es auch getan“, sagte Mödl. „Wir hätten damals schon viel Geld sparen können“.

Bernhard Mödl möchte wie der gesamte Vorstand und der Beirat nach vorne schauen. Wir sind ein toller Verein, lobte Mödl und schickte ein Dankeschön für die Top-Sportanlagen in Richtung Marktgemeinde. Er sieht in seiner Funktion als Marktgemeinderat aber auch die Vorteile für Kaufering. „Als Verein bieten wir Kindern und Jugendlichen nicht nur sportliche Aktivitäten, wir leisten hier soziale Arbeit“. Knapp die Hälfte der 1.800 Vereinsmitglieder sind Kinder und Jugendliche. Bernhard Mödl stellte klar, dass der Verein auch weiterhin zahlungsfähig ist. Die Mitgliedsbeiträge würden auch weiterhin nur für sportliche Zwecke verwendet, versicherte er.

Wie es weitergeht, hängt nun von der Entscheidung des Marktgemeinderates ab. Ideal wäre nach Mödls Vorstellung, wenn man die bisherige Gaststätte auf den Thekenbereich reduziert und den großen Raum anderweitig nutzt, beispielsweise als barrierefreien Sitzungssaal.

Sollte die Marktgemeinde die Gaststätte und die darüber liegende Mietwohnung nicht übernehmen, führt an der Insolvenz kein Weg vorbei. Dann müsste der Verein neu gegründet werden. Sicherlich müssten dann auch die bisher günstigen Vereinsbeiträge neu kalkuliert werden. 

Siegfried Spörer

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