KREISBOTEN-Serie Inklusion, aber wie? 

Ehemaliger IWL-Mitarbeiter überbringt Briefe der Lebenshilfe

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Der Mann mit dem Rollkoffer: Hans Strobl ist dreimal pro Woche in Landsberg mit der Post der Lebenshilfe unterwegs.

Landsberg – Die meisten Stadtbusfahrer kennen ihn: jeden Montag, Mittwoch und Freitag ist Hans Strobl mit seiner Rolltasche in Landsberg unterwegs, um die Post von der Geschäftsstelle der Lebenshilfe Landsberg zu den Außenstellen zu bringen. Seit gut zwei Jahren arbeitet der Bewohner von Haus 9 am Eulenweg als Bote und kommt dabei immer wieder mit Menschen ins Gespräch.

Kurz vor acht Uhr leert Hans Strobl die Postfächer in der Geschäftsstelle. Er steckt Briefe in drei Stofftaschen, die die Namen der Einrichtungen tragen: Heilpädagogische Tagesstätte (HPT) 1, HPT2, Krippe. Mit einem „bis später“ verabschiedet er sich von den Mitarbeitern und zieht los zur Bushaltestelle in der Münchener Straße.

An „Posttagen“ steht der 69-Jährige schon um 6.30 Uhr auf. Denn er braucht Zeit, um in Ruhe zu frühstücken und die Zeitung zu lesen. Er lebt seit 18 Jahren in einer Wohngruppe der Lebenshilfe und arbeitete 14 Jahre lang in den IWL-Werkstätten. Nun ist er Rentner.

Trotzdem sagte Hans Strobl spontan zu, als ihm der Postdienst angetragen wurde. „Weil es Spaß macht“ und auch, weil er eine Jahreskarte für den Bus bekommt, die ihm unbegrenzt Fahrten innerhalb der Stadt ermöglicht.

Seine erste Station beim Postdienst ist der Bahnhof. Von dort zieht Hans Strobl seine Rolltasche bis zur Kinderkrippe in der Bischof-Riegg-Straße, in der die Kleinen gerade ihre Morgenkreislieder singen. Heute strahlt die Sonne vom Himmel, aber auch Regen und Kälte schrecken Hans Strobl nicht: „Man muss sich halt gscheid anziehen“, sagt er. Wichtig ist ihm, dass er genügend zu Trinken dabei hat. „Damit der Kreislauf nicht zusammenbricht“, sagt er, und nimmt einen großen Schluck Tee aus der Thermoskanne.

Wieder im Bahnhof setzt sich Hans Strobl zu einem Bekannten und kommt sofort mit zwei Reisenden ins Gespräch. Es geht um den Abbau der Bahnschalter und die zunehmende Automatisierung. Auch innerhalb der Lebenshilfe, freut sich Hans Strobl, lernt er durch den Postdienst viele neue Bereiche und Menschen kennen. Auf seinem Weg grüßt der Rentner fast alle Menschen und wird zumeist zurückgegrüßt.

Mit der Linie 3 fährt Strobl in die Hopfengartenstraße, wo er in der HPT1 freundlich begrüßt und mit Post ausgestattet wird. „Damit hab ich jetzt nicht gerechnet“, freut er sich zurück im Bus und zeigt ein Päckchen Schokolade. Normalerweise bekommt er „an Ostern und Weihnachten“ kleine Geschenke.

Der 3er bringt ihn zum Bahnhof, wird zum 5er und liefert ihn in der Saarburgstraße nahe der HPT2 ab. Zu Beginn, erzählt Hans Strobl, fuhr ein Betreuer mit ihm die Einrichtungen ab. Mittlerweile hat er sich selbst die beste Tour zusammengestellt und weiß bestens Bescheid, welche Geschäfte zu- und neu aufgemacht haben.

In der HPT2 bekommt Hans Strobl Post überreicht und wird mit einem freundlichen „bis Montag“ verabschiedet. Dann geht es über den Bahnhof zurück zum Eulenweg. Der 69-Jährige legt Wert darauf pünktlich im Wohnheim zu sein, weil er mittags meist beim Kochen hilft. Außerdem braucht er Zeit für Spaziergänge, Fernsehen oder seine Modelleisenbahn. Seinen Drei-Tage-Job aber macht er gerne und will ihn auch nicht aufgeben – „solange die Gesundheit es erlaubt“.

Daniela Hollrotter

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