Ehrenbürger mit Weitsicht

Aus der Hand von Vizebürgermeister Norbert Sepp (links) nahme Dr. Klaus Bühler die Ehrenbürgerwürde entgegen.

Ein emotionaler Abend: Als Dr. Klaus Bühler am Samstag die Ehrenbürgerurkunde aus der Hand des stellvertretenden Bürgermeisters Norbert Sepp entgegennahm, erhoben sich die rund 150 Gäste im Saal des Thomas-Morus-Hauses zu stehenden Ovationen. Die Marktge­meinde feierte ihren scheidenden Bürgermeister, der nach 25 Jahren offiziell die Amtskette an seinen Nachfolger Erich Püttner übergab – genau um Mitternacht.

Und mochte mancher sich wundern, warum Bühler während Püttners anschließender kurzer Ansprache konzentriert an seinem Schlüsselbund herumhantierte, so klärte sich auch das unmittelbar auf: Der frisch gebackene Ehrenbürger übergab dem frisch gebackenen Bürgermeister den Generalschlüssel fürs Rathaus. „Der sperrt fast alles auf, auch die Lechau-Halle“, gab Bühler seinem Nachfolger augenzwinkernd mit auf den Weg, „falls du nachts mal großen Durst haben solltest.“ Die Lechau-Halle gehört zu den vielen Bauprojekten, die während Bühlers Amtszeit verwirklicht wurden. „Ein Glücksfall für Kaufering“ sei der gebür­tige Steinhöringer gewesen, so Sepp in seiner Laudatio. Mit 9361 Tagen im Amt habe Bühler in Kaufering einen neuen Rekord aufgestellt, habe 363 Ge­- meinderatssitzungen geleitet und 478 Millionen Euro bewegt. Der Ort wuchs während Bühlers Amtszeit von 8000 auf fast 10000 Einwohner. Dabei schien die Karriere des Diplom-Ingenieurs zunächst nicht in Richtung Kommunalpolitik zu zielen. Nach dem Abitur hätte er gerne Bergbau und Hüttenwesen studiert, doch dieser Studiengang wurde in München nicht angeboten und Bühler fügte sich dem Wunsch seiner Mutter, er solle sich etwas aussuchen, was er von seinem Heimatort aus studieren konnte. So entschied er sich für Bauingenieurwesen, ein Fach, in dem er später seinen Doktortitel mit Auszeichnung machte. Er wurde Regierungsbaumeister und baute mit Leidenschaft Autobahnen – „Asphalt riecht für mich besser als Parfum“, bekannte er in einem Interview. 1984 zog Bühler mit seiner Familie nach Kaufering, wurde erstmals in den Kreistag gewählt und 1985 als Baudirektor an die Oberste Baubehörde versetzt. 1987 folgte der Wechsel in den Chefsessel des Kauferinger Rathauses. Im selben Jahr baute er den Recyclinghof des Ortes, der prompt mit der Goldmedaille des Bayerischen Umweltministeriums ausgezeichnet wurde. Er erwies sich, so Sepp, als eines der vielen weitsichtigen und zukunftsorientierten Projekte, die der neue Bürgermeister initiierte. Ob Dorferneuerung, Renaturierung des Mühlbachs, Umgestaltung der Albert-Schweitzer- Straße, Verbreiterung der B17 oder Bau des Naturerlebnisbades – immer war Bühler mit hohem Tempo bei der Arbeit, stand als erster in der Schlange, wenn es um staatliche Zuschüsse ging, und schaffte es oft, Projekte für die Gemeinde besonders günstig umzusetzen. Er wies Gewerbeflächen und Baugebiete aus, um die Wirtschaft im Ort zu stärken und das heimische Handwerk zu fördern. Mit der Ansiedlung von Hilti im Jahr 1994 entstanden in Kaufering rund 1400 Arbeitsplätze. Die im Jahr 2010 eingeweihte neue Realschule wertete den Ort zusätzlich auf. Doch nicht immer lief alles rund, und gerade eines der letzten Bühlerschen Großprojekte – das Biomasseheizkraftwerk – steht derzeit in der Kritik. Der 67-Jährige ergriff in seinen Dankesworten die Gelegenheit, es erneut zu verteidigen. „Noch schreiben wir rote Zahlen, doch das liegt nur an den zu günstigen Einstiegspreisen“, erklärte Bühler. „In drei, vier Jahren wird sich das ändern. Dem ökologischen Nutzen wird der ökonomische folgen.“ Durch die Anlage würden 10000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart. Insgesamt blicke er auf erfüllte 25 Jahre zurück, für die er „dem da oben, aber auch allen Irdischen, die dabei geholfen haben“ dankbar sei. Für die Zukunft wünsche er sich, noch lange genug zu leben, um allen seinen Enkelkindern den versprochenen Führerschein finanzieren zu können. Rund ein Dutzend Gemeinderäte waren zur Verabschiedung des Bürgermeisters erschienen, der zum Dank für die Ehrenbürgerwürde jedem persönlich die Hand schüttelte. Nachfolger Erich Püttner erklärte, er gehe voller Kraft und Zuversicht ins Amt und freue sich auf die Aufgabe.

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