Für volle Gigabit-Bandbreiten

Papierbach: Glasfaser in jede Wohnung

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Zufrieden über den Vertragsabschluss: Stadtwerke-Vorstände Christof Lange und Norbert Köhler, ehret+klein-Projektleiter Andreas Bertsch und M-net-Geschäftsführer Dr. Hermann Rodler.

Landsberg – Oft wird prognostiziert, dass Architekten in das Papierbach-Quartier pilgern werden, um sich über die Ergebnisse der städtebaulichen Wettbewerbe sowie die Lösungen zu Car-Sharing, E-Mobilität und Energieeffizienz zu informieren. Nun kommen wohl Besucher aus dem Bereich Telekommunikation (TK) hinzu. Denn Projektentwickler ehret+klein, die Stadtwerke Landsberg und M-net haben vereinbart, jede einzelne Wohnung im Areal mit einem eigenen Glasfaseranschluss auszustatten. Damit sind Gigabit-Bandbreiten in nahezu beliebiger Höhe garantiert.

Die Nachricht als solche ist bereits spektakulär. In einer Zeit, in der marktführende TK-Unternehmen noch großflächig an der Kupfer-Doppelader festhalten und langsames DSL mit der Vectoring-Technik aufbohren, setzen die drei Partner am Papierbach auf FTTH, also Fibre to the Home. Während bei den anderen Formen des Glasfaser-Einsatzes, insbesondere dem gängigen Fibre to the Curb (FTTC), eine „letzte Meile“ im Spiel ist, die das Tempo und die Kapazität ausbremst, bekommen die Eigentümer und Mieter im ehemaligen Pflugfabrik-Gelände Bandbreiten ohne Flaschenhals. Davon profitieren sollen auch die Händler, Restaurants und das geplante Boarding-House.

Bei einem Pressegespräch am vergangenen Mittwoch wurde zusätzlich klar, dass dadurch keine frühzeitige Bindung der Bewohner entsteht. Sie müssen sich nicht verpflichten, Verträge mit bestimmten Diensteanbietern zu schließen. Auch hängt das Projekt nicht von einer Min­destbeteiligung ab. M-net sicherte zu, dass jeder TK-Anbieter, zum Beispiel auch ein „Reseller“ wie 1&1, die Glasfaser für eigene Dienste nutzen darf. Eigentümern und Mietern bleibt daher die Wahl, welche Anbieter sie auswählen und welche Verträge sie schließen. Lediglich beim Kabelfernsehen besteht keine Alternative; aller­dings ist der Empfang von Fernsehen und Video auch via Internet-TV möglich.

Eigentümer "Stadtwerke"

Auf Fragen des KREISBOTEN, welche Vertragsmodelle dieser Lösung zugrunde liegen, reagierten die Vertreter der Stadtwerke und von M-Net zurückhaltend; wer etwas an wen zahle, sei ein Geschäftsgeheimnis. Aus den Äußerungen der Anwesenden ging aber hervor, dass die Stadtwerke das Netz bis in die Wohnung erstellen und vorfinanzieren; es bleibt in ihrem Eigentum. Für zunächst zehn Jahre wird es an M-Net verpachtet. Das Unternehmen bietet Endkunden eigene Internet-Zugänge an, fungiert aber auch als Großhändler gegenüber weiteren Diensteanbietern. Die Preisgestaltung unterliegt in diesem Fall der Aufsicht der Regulierungsbehörde.

Projektentwickler ehret+klein profitiert von der Glasfaser-Erschließung offenbar nur insoweit, als sich das Unternehmen eigenen Aufwand zur Verkabelung erspart. "Keine Vergütung" gilt wohl sogar für das klassische Kabelfernsehen; hier erhalten Wohnungsbauunternehmen normalerweise Provisionen, weil sie die Versorgung ihrer Eigentümer und Mieter in "Gestattungsverträgen" ermöglichen. Freilich darf ohnehin bezweifelt werden, dass dieses Angebot in einer schnellen Glasfaser-Infrastruktur noch auf große Nachfrage stoßen wird.

Aus weiteren Äußerungen der Beteiligten ist zu entnehmen, dass offenbar alle Wohnungen im Areal, auch die Sozialwohnungen, mit dem Glasfaseranschluss ausgestattet werden sollen. An eine Veräußerung von Gebäuden an dritte Investoren sei vor Fertigstellung nicht gedacht, so dass die Glasfaser auch in Wohnkomplexen verfügbar sein wird, die später nicht mehr im Eigentum des Ursprungsinvestors sind.

Ein Gigabit

Während heute in Landsberg Bandbreiten zwischen 16 und 200 Megabit üblich sind, denken die drei Partner für den Anfang offenbar an einen Startwert von „bis zu einem Giga­bit“ pro Haushalt. Allerdings: Technisch ist die Bandbreite fast unbegrenzt; durch die heute absehbaren Nutzungen Cloud-Computing, Spiele mit ausgelagerter „Intelligenz“ und paralleles Schauen und Aufzeichnen von Videos, auch durch mehrere Bewohner gleichzeitig, wird die Kapazität bei Weitem nicht ausgeschöpft.

Glasfaserleitungen sind Punkt- zu-Punkt-Verbindungen. Ihre aktuelle Kapazität und Latenz bleibt von parallelen Nutzungen, etwa in Nachbarwohnungen, unbeeinflusst. Allerdings muss ein ausreichend starker Internet-Backbone vorhanden sein. Hierzu steht der nahezu fertige „Bayernring“ zur Verfügung, den M-net im Pressegespräch als „derzeit schnellsten Backbone in Europa“ bezeichnete.

Während des Gesprächs ließen die Beteiligten erkennen, dass sie die bereits im Juni 2019 erfolgte Vertragsunterzeichnung mit ehret + klein auch als „Grundlage für weitere künftige Infrastruktur-Entwicklungen im Stadtgebiet“ betrachten. In einem konkreten Fall wurde bereits eine Einigung erzielt; um welches Neubaugebiet es sich handelt, wollten die Sprecher jedoch zunächst nicht öffentlich machen.

Werner Lauff

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