Fernwärme bald ohne Verluste?

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Timo Exel hat sich viel vorgenommen. Er will vor allem die verlustträchtige Sparte „Fernwärme“ langfristig in die schwarzen Zahlen bringen.

Kaufering – In der Biowärmeanlage wird derzeit kräftig geschraubt und gemessen, gereinigt und wieder zusammengebaut. Kurzum, die jährliche Revision ist in vollem Gange. Spätestens Ende Oktober soll das Biomasseheizkraftwerk den Normalbetrieb wieder aufnehmen. Frieren müssen die an die Fernwärme angeschlossenen Kauferinger trotzdem nicht. Mittels eines Blockheizkraftwerkes (BHKW) können die Haushalte und Gewerbebetriebe weiterhin mit Wärme und Warmwasser versorgt werden.

Das Biomasseheizkraftwerk erzeugt Strom, der ins Netz eingespeist wird. Außerdem liefert das Werk an rund 350 gewerbliche und private Kunden Fernwärme und Warmwasser. Betrieben wird es im Regelfall mit Holzschnitzel. Bei extremer Kälte kann zusätzlich ein Ölbrenner zugeschaltet werden. Zum Werk gehört ferner ein Blockheizkraftwerk (1200 KW), das sowohl Strom als auch Wärme erzeugt, sowie ein weiteres kleineres BHKW (50 KW), das den Strom für den Eigenbedarf liefert.

Der große markante Baukörper gegenüber der Shell-Tankstelle an der alten B17 signalisiert Kauferings Bestreben nach umweltfreundlicher Energienutzung. Für Kritiker indes ist das Biomasseheizkraftwerk ein „Symbol für Geldverbrennung“, denn bislang ist es nicht gelungen, das Werk kostendeckend zu betreiben.

Diese Aufgabe hat sich Timo Exel gestellt. Er ist seit eineinhalb Jahren als technischer Werkleiter für die Anlage verantwortlich. Exel hat konkrete Vorstellungen zur Kostendeckung entwickelt. Dazu gehört eine Optimierung und Steuerung der technischen Prozesse. Exel weiß, dass der Wärmeverkauf immer von der Witterung abhängig ist. Je kälter es draußen ist, um so mehr Fernwärme wird verkauft und umso wirtschaftlicher wird was Werk.

Derzeit arbeitet der Wirtschaftsingenieur daran, sich die Schwankungen am Regelenergiemarkt zunutze zu machen. Die zunehmende Nutzung von regenerativen Energien wie Windkraft und Solarstrom führt zu Verwerfungen bei den Stromerzeugern. An sonnigen und windigen Tagen wird mehr Strom erzeugt, als gebraucht wird. Die Stromversorger müssen dann kurzfristig Kraftwerke stilllegen. Hier setzt Timo Exel an. Er will den Energieversorgern anbieten, das Blockheizkraftwerk herunter zu fahren, wenn zu viel Strom auf dem Markt ist oder anders herum, bei steigendem Strombedarf das BHKW zuzuschalten.

Für diese Bereitstellungen soll es Vergütungen geben. Ganz so einfach ist es mit der Steuerung nicht, weiß auch Timo Exel. Sowohl bei Heizkraftwerken als auch beim Blockheizkraftwerk wird ja nicht nur Strom, sondern auch Wärme erzeugt. Aber auch hier sieht er Steuerungsmöglichkeiten. So könnte bei einem Überangebot von Strom dieser benutzt werden, um nach dem Tauchsiederprinzip Wasser in den Pufferspeichern für die Fernwäme aufzuheizen und zu speichern.

Rund 1000 Tonnen Hackschnitzel lagern derzeit auf dem Werksgelände an der B17. Die Menge reicht für ungefähr 25 bis 30 Tage. Das Holz kommt aus den heimischen Wäldern zwischen den Alpen und der Donau. Durch die Stürme existiert gegenwärtig ein großes Angebot von Holz auf dem Markt. Die Preise sind leicht gefallen, betonte der Werkleiter. Während der Sommermonate werden keine Hackschnitzel verbrannt. Die Warmwasserzeugung wird über den Erdgasbetrieb sichergestellt.

2012 hat die Marktgemeinde ein Blockheizkraftwerk angeschafft, das mit Erdgas betrieben wird. „Mit der 1200 KW- Anlage sind wir flexibler geworden“, betonte Exel. Das BHKW kann rund 1000 Haushalte mit Strom und zusätzlich 250 Haushalte mit Wärme versorgen.

Die Kommunalwerke Kaufering sind eine Tochtergesellschaft der Marktgemeinde. Zu den Aufgaben der Werke gehören die Wasserversorgung, der Betrieb des Kanalnetzes und die Abwasserentsorgung, die Fernwärme sowie der Betrieb der Photovoltaikanlage. Innerhalb der einzelnen Sparten ist bislang die Fernwärme ein Verlustbringer. Durch den Stromver- kauf aus der Photovoltaikanlage werden diese Verluste allerdings kompensiert. Für das Wirtschaftsjahr 2014 rechnet man mit schwarzen Zahlen.

Siegfried Spörer

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