Snowdance Independent Filmfestival

"Ich konnte nicht mehr aufhören"

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84-Minuten Kampf gegen die Zwangsneurose: „Eight“ wurde zum besten Film des Snowdance-Festivals gekürt.

Landsberg – Die Überraschung gab’s bei der Preisverleihung: „Eight“, für den der KREISBOTE die Patenschaft übernommen hatte, erhielt nach einer turbulenten Jury-Sitzung die Auszeichnung als „Bester Film des Snowdance-Festivals 2015“.

Als Favoriten ins Rennen gegangen waren andere Filme, da das Werk des Australiers Peter Blackburn beeindruckend, aber auch durchaus sperrig ist. „Er hat unsere Jury gespalten wie kein anderer Film“, so Festival-Direktor Tom Bohn in seiner Laudatio. „Es wurde hart und trefflich gestritten und es gab überhaupt nur eine Einigung, weil diejenigen Kollegen, die ihn absolut nicht wollten, am Ende nachgegeben haben.“

Mehr Besucher, mehr Party, mehr Beifall

Für die Macher des Festivals hat das durchaus Konsequenzen, wie Bohn mit einem Lächeln erklärte: „Wenn uns jemand fragt, was wir beim Snowdance so machen, müssen wir jetzt diesen Film zeigen und damit leben, dass ein Drittel der Zuschauer aus dem Kino geht, während zwei Drittel total begeistert sind. Damit können wir aber sehr gut leben.“

Bei der Premiere im Landsberger Stadttheater waren es allerdings nur zwei Zuschauer, die nach einer halben Stunde genug hatten und den Saal verließen. Alle anderen setzten sich dem „bedingungslos konsequenten Kunstwerk“ (Bohn) aus und sahen der Hauptakteurin Sarah Prentice in einer 84-minütigen einzelnen Darstel- lung beim Kampf gegen ihre Zwangsneurose zu. Kalt gelassen hat das beklemmende und verstörende Werk wohl keinen der Besucher, wie lange Gespräche über das Gesehene nach der Vorführung belegten.

Bohn berichtete von seiner eigenen Erfahrung beim ersten Betrachten von „Eight“: „Ich habe mir gedacht, ich schaue mir das zehn Minuten an, damit ich wenigstens weiß, warum ich das für das Festival ablehne. Dann konnte ich nicht mehr aufhören. Es ist eine einzige Einstellung, aber mir war nicht eine Sekunde langweilig.“

Weniger Diskussionsstoff gab es für die Jury in den weiteren Kategorien. Bohn: „Das ging sehr schnell, da waren sich praktisch alle einig“. Als beste Dokumentation wurde „Happiness – Promised Land“ von Laurent Hasse ausgezeichnet, ein „Roadmovie im Schritttempo“ durch Frankreich.

Umbenannt

Für den dritten Gewinner wurde sogar die Kategorie leicht umbenannt, denn als Nachwuchsfilmer geht der Amerikaner Brian Schmidt nicht mehr ganz durch. „Aber was soll man machen, wenn der Film leider so geil ist, dass man nicht daran vorbei kann“, erklärte Bohn. So wurde aus „Young Blood“ dann „First Blood“, damit Schmidt mit seinem zauberhaften Werk „The incredible adventures of Jojo“ zur verdienten Ehre kam. „Hinreißend vom Vor- bis zum Abspann“ fand die Jury den Film, „kaum zu glauben, dass er praktisch komplett von zwei Personen erstellt worden ist.“ Schmidt selbst eroberte die Herzen des Landsberger Publikums auch mit seinen erfrischenden Statements nach der Premiere im Olympia-Filmtheater (siehe Interview unten).

Interview: Kinderfilm mit viel Spannung

Mit Applaus auf offener Szene wurde „The incredible adventures of Jojo“ gefeiert und später als bestes Erstlingswerk des Snowdance-Festivals ausgezeichnet. Regisseur Brian Schmidt (seine Frau Ann-Marie produzierte) hat seinen Film irgendwo zwischen Abenteuer-, Märchenfilm und Komödie angesiedelt und fast ausschließlich mit Hilfe von Freunden und Familie gedreht, seine Tochter Avila spielte die Hauptrolle. Nach der Europapremiere stellte er sich den Fragen von Zuschauern und Presse.

Sie bewerben den Film als Kinderfilm. Ist das so richtig? Teilweise jagt er einem doch ganz schön Angst ein.

Schmidt: „Das ist eine interessante Frage. Bei den Festivals, wo wir ein gemischtes Publikum aus Kindern und Erwachsenen hatten, haben wir scheinbar zwei komplett unterschiedliche Filme gezeigt. Die Kinder haben das als lustige und spannende Abenteuerreise gesehen, den Eltern standen dagegen teilweise vor Furcht die Haare zu Berge.“

Die Kinder sind in vielen gefährlichen Situationen zu sehen. War das echt oder haben Sie mit Tricks gearbeitet?

Schmidt: „Das war alles echt, aber nur manchmal ein bisschen gefährlich. Die Kinder machen draußen außerdem dauernd so gefährliche Dinge, das war also nichts Neues, wir haben es nur diesmal gefilmt.“

Wie lange haben Sie gedreht und was hat der Film gekostet?

Schmidt: „Gedreht haben wir sechs Monate, aber nicht durchgehend. Über die Kosten kann ich eigentlich gar nichts sagen, wir hatten viel Hilfe. Geld kostete neben der postproduction vor allem, die Wölfe zu mieten.“

Wo ist der Film denn schon gelaufen?

Schmidt: „Wir haben ihn bis jetzt nur auf Festivals in den USA gezeigt und in Boston schon einen Preis gewonnen. Wir sind das erste Mal mit ihm in Europa und hier in Landsberg ist das natürlich ein besonders schöner Rahmen.“

Warum haben Sie gleich mit einem Langfilm angefangen und nicht zuerst etwas Kleineres gemacht?

Schmidt: „Wir wollten das machen, was wir uns leisten können und dabei ist dann dieses Format herausgekommen.“

Haben Sie schon Pläne für weitere Projekte?

Schmidt: „Es gibt schon Interesse von einigen Seiten an einer Zusammenarbeit. Wir hoffen jetzt, dass wir diesen Film gut verkaufen, damit wir dann etwas Neues angehen können.“

Christoph Kruse

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