Facebook-Post - echt oder Hoax?

Ein »Kinderschnapper« in Egling?

Post auf FB Kinderschnapper
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Der Post auf Facebook zu dem „Kinderschnapper“ wurde allein in der Gruppe „Wenn du aus Egling oder Huaschoff kommst“ über 500 Mal geteilt.
  • Susanne Greiner
    vonSusanne Greiner
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Landkreis – In Facebook-Gruppen tauchen immer wieder Warnmeldungen auf, deren Quellen nicht ersichtlich sind. Vergiftete Hundeköder, rasierte Katzen oder auch Warnungen vor Kindesentführern, die sich durch massenhaftes Teilen wie ein Lauffeuer verbreiten. Auch in der Gruppe „Wenn du aus Egling oder Huaschoff kommst“ war letzte Woche ein solcher Post zu lesen. Und wurde allein dort über 500-mal geteilt. Ob sich das geschilderte Ereignis so ereignet hat, wird dabei meist nicht hinterfragt.

Gewarnt wurde darin vor „Kinderschnappern“ in Winkl. Ein „nicht deutsch aussehender“ Mann „im roten VW Golf“ habe vor der alten Schule gehalten und ein Kind mit Süßigkeiten angelockt, das dann weggerannt sei. Daraufhin sei auch der Mann – „dunkelhäutig,
schmal, sehr groß“ – schnell weggefahren.

„Wir haben einen Hinweis darauf erhalten, dass ein Mann ein Kind angesprochen hat“, informiert die Pressesprecherin der Landsberger Polizei Anita Graf. Momentan sei man dabei, den Fall zu prüfen – was man bei solchen Hinweisen generell tue. Indessen gehe der Facebook-Post aber bereits durch sämtliche Eltern-Chats.

Dass ein Mädchen von einem Mann im Auto angesprochen wurde, und zwar am 22. März, bestätigt auch der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord Andreas Aichele. „Ob aber der Mann das Kind nur nach dem Weg gefragt hat oder tatsächlich beispielsweise ein sexueller Hintergrund besteht, ist bisher nicht klar.“ Es habe kein Gespräch stattgefunden, das neunjährige Mädchen sei ohne ein Wort sofort nachhause gelaufen.

Hass und Angst

In den Kommentaren unter dem Post war zu lesen, dass es sich eventuell um ein Hoax, eine Falschmeldung handele. Sie komme regelmäßig, einmal bis zweimal pro Jahr, „lustigerweise ist der VW entweder rot oder weiß“, kommentierte eine Frau. Mit diesen Meldungen wolle man Angst und Hass bei den Eltern schüren. Mit Erfolg: Ein Kommentar unter dem Post lautete: „Wenn ich ihn erwische, vergesse ich meine Kinderstube.“ Aufgrund der Formulierung solle wohl zudem der Hass auf Ausländer geschürt werden.

Der Wortlaut des Post liefere an sich keine Straftat, entgegnet Graf. Würde eine konkrete Person namentlich beschuldigt und sich die Meldung als Falschmeldung entpuppen, sei das hingegen eine falsche Verdächtigung. Dann könne man auch in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft den Post als Falschmeldung bekanntgeben. Und auch gegen den Verfasser ermitteln.

Das Thema Rassismus sehe man bei diesem Post nicht, so Graf. Die Beschreibung „dunkelhäutig, schmal, sehr groß“ treffe ja auf viele Personen zu.

In einem mehrere Jahre zurückliegenden Fall hatte eine Frau auf Facebook gemeldet, sie sei von einem Asylbewerber vergewaltigt worden. Die zuständige Polizei Rosenheim meldete die Nachricht als Hoax, kennzeichnete den Post in Facebook als Falschmeldung und ermittelte gegen die Verfasserin wegen Volksverhetzung.

Flüsterpost

„So etwas machen wir schon“, informiert Aichele vom Polizeipräsidium. Ganz aktuell im Landkreis Fürstenfeldbruck, wo ein Krampfanfall bei einem Kind in Telegram plötzlich zu einem Impfschaden mutierte. In solchen Fällen melde das Social-Media-Team der Polizei auch in den Sozialen Medien, dass es sich um eine Falschmeldung handele, um die Verbreitung zu bremsen. Im Egling-Post sieht Aichele schon allein das Wort „Kinderschnapper“ als Falschmeldung an. Der Mann habe das Kind angesprochen. Mehr sei bisher nicht bekannt. „Was sich über Flüsterpost verbreitet, hat mit der Realität oft nichts mehr zu tun.“

Die Frau, die den Post in der Gruppe „Spottet: Landsberg und Umgebung“ geteilt hatte, antwortete auf Nachfrage des KREISBOTEN, dass sie die das von einer Mutter im Kindergarten geschickt bekommen habe. „Aber das Mädchen, dem das passiert ist, kenne ich nicht.“

Nachtrag: Nach der Online-Veröffentlichung des Artikels meldete sich die Mutter des Mädchens bei der Redaktion. Der Post stamme von ihr, der Vorfall habe sich exakt so wie dort beschrieben ereignet.

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