Werbefotograf Felix Baab aus Apfeldorf 

Ein Kreativer auf dem Land

Felix Baab
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Die Kamera hat er immer dabei: Felix Baab, der sich auf Werbefotografie spezialisiert hat.
  • vonKlaus Mergel
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Apfeldorf – Kreative Köpfe zieht es meist in die Großstädte. Dort ist die Szene, dort gibt es Aufträge. Doch das ändert sich – auch durch Corona. Der Fotograf Felix Baab etwa hat sich gegen das urbane Leben entschieden.

Aus der Masse sticht er heraus, schon allein durch seine flammend rote Haarpracht und den roten Bart. Und indem er seinen eigenen Weg geht. Felix Baab aus Apfeldorf-Wies hat sich seinen Berufswunsch Fotograf früh erarbeitet. Auf dem Weiler, wo er aufwuchs, baut er gerade die alte Scheune vom Bauernhaus seiner Oma zum Wohnen und Arbeiten aus.

Wer nach Apfeldorf-Wies fährt, muss in die Einöde: vier Häuser, zwölf Bewohner, 65 Kühe, zehn Katzen und ein paar Ponys. Bis vor kurzem gab es noch zwei Enten, aber die hat der Fuchs geholt. Die Anfahrt führt über eine kurvige Landstraße und eine enge Flurstraße. „Was ich hier schätze, ist die Ruhe. Ich mag es, wenn richtig was los ist – aber ich brauch auch meinen Rückzugsort“, sagt Baab. Gegenüber von seinem Elternhaus steht das alte Bauern­haus seiner Oma. Dort hat er seit einiger Zeit sein Büro eingerichtet. Mit der Oma kommt er gut zurecht, sitzt fast täglich bei ihr zum Kaffeetrinken in der Küche. Die Landwirtschaft selbst wurde vor über zehn Jahren aufgegeben.

„Stimmt, wir leben hier ländlich und abgelegen“, sagt er. Er fügt hinzu: „Dafür haben wir Highspeed-Internet dank Glasfaserkabel.“ In digitalen Zeiten ist es schließlich egal, wo man arbeitet.

Mit 15 fängt Baab zu fotografieren an, vor allem Landschaft und Natur. Innerhalb weniger Jahren macht er sich so in der Region einen Namen. Der heute 23-Jährige ist noch nicht volljährig, als er für die Brillenmanufaktur „Funk Eyewear“ in Kinsau eine Kampagne fotografiert. Inhaber Dieter Funk erinnert sich: Der junge Fotokünstler sei da in seinem Microcar mit Tempo 40 angeknattert: „Das Equiment hat nur mit Ach und Krach in diese kleine Kiste gepasst.“

Nach dem Abitur geht es Schlag auf Schlag: Baab knipst Musikbands, Sportler und Restaurants. Er findet sein Thema: Werbefotografie. „Ich bin recht glücklich mit diesem Segment.“

Und eigentlich schien klar, dass er mal in die Großstadt geht: als Assistent eines etablierten Fotografen – wie man das in der Branche so macht. Er schreibt zahlreiche Bewerbungen nach Hamburg und Berlin. „Aber ich bekam nur Absagen. Bei einem Gespräch wurde mir dann gesagt, ich sei zu jung“, sagt er. Nachdem aber immer mehr Angebote reinkommen – darunter aus der Autoindustrie und der Reisebranche –, stellt er sich die Frage: „Wozu eigentlich?“

Auch die Coronakrise spielt mit. „Als ich 2020 mitbekam, dass so viele Kreative in den Städten sitzen, in kleine Wohnungen eingesperrt und existenziell an der Wand, da hab ich mir gedacht: Was will ich da?“

In die alten Scheune baut er nun ein Loft und ein Fotostudio auf 116 Quadratmetern als „Haus-in-Haus“. In Holzbauweise und großzügig verglast. „Der Wohnbereich ist komplett in einem Raum, da hat man einen tollen Blick in die Natur“, schwärmt er.

Ende 2020 landet sein Eingabeplan beim Apfeldorfer Gemeinderat. Bürgermeister Gerhard Schmid war beeindruckt, dass die Gebäudeansichten mit Fotomontagen visuell umgesetzt waren. „Da merkt man gleich den Profi “, sagt er in der Sitzung. Das Abstimmungsergebnis: klare Zustimmung.

Ende 2021 möchte Baab einziehen. Die Balken und Maschinen sind schon angeschafft, es kann bald losgehen. Und auch wenn die Eltern finanzielle Unterstützung zusagten, will er das alleine stemmen. „Wir begrüßen es sehr, wenn jemand eine aufgelassene Hofstelle wieder mit Leben erfüllt “, sagt Bürgermeister Schmid. Vor allem sei schön, dass ein Kreativer am Ort bleibt: „Das macht unsere ohnehin lebendige Gemeinde bunt.“ In Zeiten der Digitalisierung werde auch das Dorf für junge Leute immer attraktiver zum Wohnen und Arbeiten.

Dennoch: Baab ist kein Landei. „Ich bin schon gern in München. Da muss ich gelegentlich hin, da dort Jobs stattfinden “, sagt er. „Aber ich bin auch froh, wenn ich wieder rauskomme.“ Natürlich frage er sich, ob er am Land eventuell etwas verpasse. „Das Schöne ist: Ich kann jeder­zeit weg. Und kann ich kann jederzeit wieder kommen. Hier ist einfach die Lebensqualität hoch.“

Felix Baab rechnet damit, dass die „Stadtflucht“ in seiner Branche weiter zunimmt. Und das findet er auch gut. „Mein Fotostudio werde ich sicher nicht die ganze Zeit nutzen“ sagt er. „Wenn ich sehe, was so etwas in München kostet, können das künftig gerne andere Fotografen mieten.“

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