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Ein Libeskind-Museum für Kaufering VII?

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Von: Susanne Greiner

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Jüdisches Museum Berlin
Das Jüdische Museum in Berlin ist ebenfalls von Architekt Daniel Libeskind. Er soll jetzt auch für die Holocaustgedenkstätte Kaufering ein Museum oder ein Dokumentationszentrum gestalten – wenn es nach Wunsch der Gedenkstättenstiftung geht. © Libeskind

Kaufering – Der Architekt Daniel Libeskind hat einen großen Namen. Das Jüdische Museum in Berlin, das National Holocaust Monument in Ottawa oder auch das Contemporary Jewish Museum in San Francisco tragen seine Handschrift – und vielleicht bald auch ein Gebäude bei der Europäischen Holocaustgedenkstätte in Kaufering VII, dem ehemaligen Außenlager von Dachau? Das zumindest wünscht sich deren Mitglieder, der Präsident der Gedenkstättestiftung Manfred Deiler und auch die Kuratorin der Stiftung Gabriele Triebel, Grünen-Abgeordnete aus Kaufering und erinnerungspolitische Sprecherin im Landtag. Eine Anfrage an den Architekten ging raus – und wurde positiv beschieden. Noch gibt es keinen Vertrag. Und auch die Realisierung könnte schwierig werden. 

Dass in Kaufering VII, einem der wenigen Orte in Deutschland, an dem mit den dortigen Tonröhren noch Originalbauten der Lager erhalten sind, ein Dokumentationszentrum oder ein Museum entstehen soll, ist seit zehn Jahren Thema. 2019 gab es eine Machbarkeitsstudie der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, seit 2019 beschäftigt sich auch der Bildungsausschuss des Bayerischen Landtags mit dem Thema. Bisher ohne Erfolg für die Gedenkstätte. So bekam Gabriele Triebel erst vor Kurzem von dort eine Absage seitens CSU und Freien Wähler für ihren Antrag auf Einstellung von Planungsmittel im Haushalt „Bayerische Gedenkdenkstätten“ in Höhe von 300.000 Euro – Planungskosten für das Projekt. Offenbar schrecke der berühmte Name eher ab – wegen eines zu erwartenden hohen Honorars.Dabei würde Libeskind nicht teurer als ein anderer Architekt sein, weiß Triebel. „Er hat sich schon bereiterklärt, zu den in Deutschland üblichen Honorarsätzen zu arbeiten.“

Triebel hatte das Büro des amerikanischen Architekten wegen eines Baus für die Gedenkstätte Kaufering VII schon vor rund drei Monaten angeschrieben. „Wir dachten, wir versuchen es einfach mal.“ Wichtig sei ihr die „jüdische Perspektive“, die der polnisch-jüdische Libeskind (er wurde 1946 im polnischen Lodz geboren) erfüllen könne. Als dann tatsächlich schon nach zehn Tagen eine erste Antwort kam und diese sogar recht positiv ausfiel, sei sie selbst äußerst überrascht gewesen, erinnert sich Triebel.

Laut Süddeutscher Zeitung habe das Architekturbüro Libeskind mitgeteilt, dass man „Interesse bekundet“ habe. Man könne mit der großen Erfahrung in Bezug auf die Gestaltung von Orten der Erinnerung der Aufgabe, in Kaufering einen „einzigartigen Gedenk- und Lernort zu schaffen“, sicher gerecht werden. Noch gebe es aber keine konkreten Überlegungen, was die Gestaltung betreffe.

Das wissenschaftliche Konzept für diese Gedenkstätte, ob nun Dokumentationszentrum, Museum oder eine andere Form, ist aber in Arbeit, informiert Manfred Deiler. Verfasst wird es von der Landsberger Historikerin Edith Raim. Man könne wohl in ganz Bayern keine geeignetere Wissenschaftlerin für das Konzept für Kaufering VII finden als Raim, das habe auch Kultusminister Michael Piazolo bestätigt, erzählt Deiler. Das pädagogische Konzept für das Projekt in Kaufering werde von einer Mitarbeiterin der Gedenkstätte Buchenwald erarbeitet. Aufgrund dieser beiden Beteiligten sei auch keine Ausschreibung für die Konzeption nötig gewesen, so Deiler. Und das Bildungsministerium finanziere das Konzept auch zu 90 Prozent.

Wenn das Konzept schließlich vorliege, könne man einen Förderantrag beim Bund stellen, „vorher haben wir ja auch keine Vorstellung von den Kosten“, stellt Deiler in Aussicht. Der Bund könne bis zu 50 Prozent der Gesamtkosten übernehmen. Der Rest falle dann auf den Freistaat – abzüglich sonstiger Geldgeber, die eventuell noch dazukommen könnten.

Eine Förderung des Bundes ist nicht auszuschließen, hat doch die Gedenkstätte Kaufering VII nationale Bedeutung. „Wir können hier etwas darstellen, was andere nicht können“, sagt Deiler. Das Alleinstellungsmerkmal sieht er nicht nur in den vorhandenen Originalbauten. Auch dass die Gedenkstätte die „Fortsetzung des Holocaust“ nach der Befreiung von Auschwitz erzähle, ebenso über die DP-Lager, sei einzigartig. Nicht zuletzt seien aus dem Ghetto Kaunas ganze Familienverbände in die Kauferinger Lager gebracht worden – die dann letztendlich auch gemeinsam ausgewandert seien.

Doppelstrukturen

Der Freistaat unterstützt Erinnerungsarbeit – erst vor Kurzem ganz direkt die zeitgeschichtliche Ausstellung des Neuen Stadtmuseums, die in der zukünftigen Dauerausstellung in einem eigenen Stockwerk Platz finden wird. Schafft man hier eventuell Doppelstrukturen? Einerseits die vom berühmten Architekten gestaltete Gedenkstätte, andererseits das Neue Stadtmuseum?

Nein, antwortet dazu Landtagsabgeordneter Alex Dorow (CSU) entschieden, der sich persönlich für die Förderung des Neuen Stadtmuseums eingesetzt hatte. Die Förderungen für die Projekte würden aus unterschiedlichen Töpfen kommen. Er wisse, dass ein Antrag der Gedenkstättenstiftung an den Kulturfonds Bayern (also die Regierung von Oberbayern) zur Mitfinanzierung des wissenschaftlichen Konzeptes in Höhe von rund 15.000 Euro abgelehnt worden sei. „Warum, weiß ich nicht.“ Aber er werde tun, was er könne – bezüglich beider Projekte.

Auch die Leiterin der städtischen Museen Sonia Fischer sieht keine ‚Konkurrenzsituation‘: Sie denke, dass sich das „noch zu entwickelnde Konzept für eine Ausstellung am authentischen Ort eines ehemaligen KZ-Außenlagers sinnvollerweise auf die Thematik des KZ-Außenlagerkomplexes beziehen wird“.

Die Inhalte der zeitgeschichtlichen Abteilung im Stadtmuseum seien hingegen die Weimarer Republik mit Hitlers Festungshaft, der Nationalsozialismus bis hin zur Nachkriegszeit samt „Darstellung der Geschichte des DP-Lagers und des War Criminal Prisons No 1“. Über den Stand der Konzeption für die Dauerausstellung werde bereits im Bildungs- und Kulturausschuss des Stadtrats am kommenden Mittwoch berichtet. Bereits bekannt seien ja „erfreulich hohe Förderzusagen, die auf der Grundlage des vorgestellten Konzepts bereits in Höhe von 2,2 Millionen Euro bewilligt wurden.“

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