Ganz ohne Party

Ein neuer Maibaum für die Marktgemeinde Dießen

Maibaum und Maibaumfest
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Zum 1. Mai soll in Dießen ohne Party ein neuer Maibaum an der Gabelung Mühlstraße/Fischerei aufgestellt werden. 2017 fand ein geselliges Dorffest statt, während der Heimat- und Trachtenverein mithilfe der Feuerwehr die Zunftzeichen montierte.
  • Dieter Roettig
    vonDieter Roettig
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Dießen – Wenn behördenseits kein Corona-Veto erfolgt, bekommt Dießen rechtzeitig zum Start des Wonnemonats einen neuen Maibaum. Er wird wieder beim Mühlbach an der Gabelung Mühlstraße/Fischerei aufgestellt. Allerdings pandemiebedingt ohne Remmidemmi und Rahmenprogramm. Zum Bedauern von Andreas Huber, dem Vorsitzenden des Heimat- und Trachtenvereins D’Ammertaler Dießen-St. Georgen, zuständig für die Ausrichtung dieses urbayerischen Brauchs in der Marktgemeinde.

Aufmerksamen Spaziergängern war schon im letzten Sommer aufgefallen, dass auf der Spitze des alten Baums etwas fehlte: nämlich der Wettergockel. Da der ‚Maibaum-TÜV‘ bei einer der versicherungstechnisch vorgeschriebenen Kontrollen zuvor eine faule Stelle im Holz festgestellt hatte, musste notgedrungen das obere Drittel gekappt werden – und damit wanderte der Gockel ins Lager. Im Herbst schließlich attestierte ein Holzsachverständiger die mangelhafte Standfestigkeit wegen Fäulnis des 2017 aufgestellten Maibaums, der daraufhin abgebaut wurde.

Eine stattliche Fichte von 30 Metern Höhe und gut zwei Tonnen schwer für den neuen Maibaum wurde bereits im Herbst in einem Dießener Forst gefällt, entrindet und zum Austrocknen fachmännisch auf Böcken gelagert. Das sei wichtig, wie Georg Wagner, Maibaum-Prüfer beim TÜV-Süd, betont. Gefahr drohe einem Maibaum durch Fäulnis und Pilzbefall, wenn er nicht richtig ausgetrocknet und zu früh mit zu viel Farbe bestrichen wird. Dann könnten sich durch Risse auch die Zunftzeichen lockern und herabfallen.

Ein eingespieltes Team des Heimat- und Trachtenvereins mit Florian Vief, Herbert Wammetsberger und Paul Patermann schleift den Stamm derzeit glatt und streicht ihn weiß mit blauen Rauten und Schnecken. Die 26 Ortsbilder und Zunftzeichen sowie den Wettergockel frischt wieder Sandra Sieber auf. Wie alt die eisernen Kunstwerke sind, sieht man an der Darstellung des Rathauses noch ohne Anbau und am Marienmünster. Den Kirchturm krönt hier die neugotische Spitzhaube von 1827. Erst 1985 wurde sie durch die jetzige Zwiebelkuppe ersetzt.

Aufstellen ohne Publikum

Kurz vor dem 1. Mai wird der weißblaue Stamm punktgenau in den ‚blauen Eisenschuh‘ am Spitz zwischen Mühlstraße und Fischerei verankert. Ist er ker­zengerade gen Himmel ausgerichtet, werden mit Hilfe der Dießener Feuerwehr die alten Zunftzeichen der Bauern, Bierbrauer, Bäcker, Sattler oder Maurer sicher montiert.

Während 2017 Hunderte von Dießenern bei Bier, Brotzeit und Blasmusik dem Spektakel beiwohnten, wird der Aufbau heuer leise vonstatten gehen. Mindestens drei Jahre soll der neue Maibaum stehen bleiben. Und beim nächsten Aufstellen ist die Pandemie garantiert gebändigt und es darf wieder kräftig gefeiert werden.

Der Ursprung des Maibaums ist umstritten. Vermutlich liegt er bereits bei den alten Germanen und deren Verehrung diverser Waldgottheiten. Im Laufe der Jahrhunderte vermischte sich heidnisches und christliches Brauchtum zu einem Dorffest für Jung und Alt.

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