»Pensionierung« der WSP 7

Ein neues Polizeiboot für den Ammersee - wird Standort Holzhausen gekippt?

Boote am Dampfersteg in Dießen
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Normalerweise liegt das Boot der Ammersee-Wasserschutzpolizei einsatzbereit am Dampfersteg in Dießen. Momentan ist der Platz leer: Wegen altersbedingter Schäden wird es demnächst durch ein neues Polizeiboot ersetzt.
  • Dieter Roettig
    VonDieter Roettig
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Dießen – Aufmerksamen Besuchern der Dießener Seeanlagen ist es längst aufgefallen: In diesem Jahr fehlt das blau-weiße Polizeiboot, das normalerweise ab Beginn der Schifffahrtssaison an der Spitze des Dampferstegs einsatzbereit angetäut liegt.

Wie Alfred Ziegler, Chef der Polizeiinspektion Dießen und auch zuständig für die Wasserschutzpolizei auf dem Ammersee, dem KREISBOTEN gegenüber bestätigte, ist das fast 20 Jahre alte Boot „WSP 7“ derzeit wegen altersbedingter Schäden nicht einsatzfähig. Es steht nach wie vor auf einem Hänger in der Werft der Bayerischen Seenschifffahrt in Stegen, wo es normalerweise nur überwintert.

Gerade wurde geprüft, ab sich für das betagte Boot eine aufwendige Reparatur überhaupt noch lohnt. Oder ob es sinnvoller wäre, den „Oldtimer“ gegen ein umweltfreundliches Elektroboot mit weniger Tiefgang auszutauschen. Wie das Bayerische Innenministerium jetzt mitteilte, „empfiehlt das aktuelle Gutachten die Aussonderung des Dienstbootes“. Über ein mögliches Nachfolgermodell habe man aber noch keine Entscheidung getroffen.

Bis das neue Boot eintrifft, ist die Wasserschutzpolizei auf dem Ammersee trotzdem jederzeit einsatzbereit. Und zwar vom Gelände des Dießner Segelclubs aus mit einem kleineren Zweitboot der Polizei.

Bootshaus in Holzhausen fraglich

Wird das schon lange geplante und umstrittene Polizeiboothaus am Holzhauser Dampfersteg nun trotzdem gebaut oder sucht man wegen des neuen Schiffes einen geeigneteren Standort? Diese Frage treibt die Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ und den Verein „Unser Dorf“ um. Sie haben die letzten Jahre den Sinn dieses Vorhabens kritisiert, weil es „unter Gesichtspunkten des Natur- und Landschaftsschutzes unverhältnismäßig und im wahrsten Sinne des Wortes irrsinnig wäre“.

Wie mehrfach berichtet, gibt es nach einem Beschluss des Bayerischen Innenministeriums am Standort Holzhausen eigentlich nichts mehr zu rütteln. Nach dem ursprünglichen Zeitplan müsste das Bootshaus längst stehen und in Betrieb sein. Wenn einige Anlieger nicht erfolgreich Einspruch wegen immissionsschutz- und naturschutzrechtlichen Bedenken eingelegt hätten. Es ging um möglichen nächtlichen Motorenlärm des Polizeibootes WSP 7 sowie eines Kompressors der Winter-Enteisungsanlage. Und um die Vögel im Habitat sowie die geschützte Armleuchteralge im Uferbereich. Die Anlieger haben hierzu teure Gutachten erstellen lassen, die vom Staatlichen Bauamt in Weilheim geprüft und über eine Vegetationsperiode genau beobachtet wurden.

Laut Baudirektor Peter Aumann von Staatlichen Bauamt in Weilheim sei seiner Behörde von einer eventuellen „Rolle rückwärts“ nichts bekannt. Er erfuhr erst vom KREISBOTEN über die Ausmusterung des Polizeibootes und den geplanten Neukauf. „Gerade dann brauchen wir ein Bootshaus, um das neue Schiff möglichst viele Jahre gut in Schuss zu halten“, hatte Dießens Polizeichef Alfred Ziegler schon im Vorfeld betont. Für Daniel Fusban von der Initiative „Dampfersteg Holzhausen“ war es nämlich unverständlich, dass das alte Polizeiboot WSP 7 die ganzen Jahre meist nicht mal abgedeckt auf freiem Gelände der Stegener Werft überwintern musste. Es habe nicht „die Pflege und Zuneigung erhalten, die jeder private Bootsbesitzer seinem Schifferl gerne zukommen lässt“.

Die Werft in Stegen war ursprünglich auch eine angedachte Alternative für das Polizeibootshaus, ebenso Dießen, St. Alban oder Wartaweil. Den von Bürgern und Gemeinderat unerwünschten Zuschlag hatte schließlich Holzhausen bekommen. Nach den Plänen des Architekturbüros Lüps sollte es am historischen einhundert Meter langen Dampfersteg errichtet werden. Der Steg würde aber weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglichen sein, so dass der geliebte Rundumblick von der Nord- zur Südspitze des Sees möglich sei. Das Bootshaus sollte 17,20 Meter lang und an der höchsten Stelle 2,90 Meter über das Geländer des Dampferstegs ragen. Gitterrost-Optik, Holzverschalung und Holzdach hätten sich den am Ufer befindlichen Boots- und Badehäusern sowie den Fischerhütten angepasst.

Die Gegner des Polizeibootshauses konnten die Logik der Planer nicht nachvollziehen: Die Beamten der Wasserschutzpolizei gehören zur Polizeiinspektion Dießen. Bei einem Alarm müssen sie erst acht Kilometer auf der stark frequentierten Staatsstraße 2055 nach Holzhausen fahren, um dort mit dem Polizeiboot in See zu stechen.

Noch immer steht das fast 20 Jahre alte Polizeiboot WSP 7 im Stegener Winterlager. Da sich ‚der Zahn der Zeit‘ wohl nicht mehr reparieren lässt, wird das Dienstboot ausgemustert.

Wird ein neues umweltfreundliches Polizeiboot mit Elektroantrieb und weniger Tiefgang angeschafft, könnte nach Meinung der Dampfersteg-Fans auch wieder ein anderer Standort ins Auge gefasst werden. Angeblich fanden diesbezüglich bereits Besichtigungstermine statt, unter anderem am Uttinger Freizeitgelände.

Uttings Bürgermeister Florian Hoffmann bestätigte den Termin nicht, äußerte sich aber optimistisch: „Ich stehe in regem Austausch mit dem Polizeipräsidium, dem Innenministerium, der Schlösser- und Seenverwaltung sowie dem Landratsamt, um eine gute Lösung für Alle zu finden.“ Verena Gros vom Bayerischen Innenministerium wurde dem KREISBOTEN gegenüber konkreter: „Hinsichtlich eines möglichen Standorts für das Polizeibootshaus werden aktuell noch Gespräche mit den Betroffenen geführt.“ Die Diskussion um ein endgültiges „Dahoam“ für das neue Ammersee-Polizeiboot wird also weiter gehen.

Zu den Aufgaben der Wasserschutzpolizei gehören in Zusammenarbeit mit der Wasserwacht Rettung von Wassersportlern in Seenot und Bergung von Leichen sowie die Aufklärung von Bootsdiebstählen oder –beschädigungen und natürlich auch der Schutz des Fischereirechts. Im Rahmen des Naturschutzes kontrolliert die WaPo auch die Einhaltung von Sperrgebieten wie Schilfgürtel, die von Booten nicht befahren werden dürfen.

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